Identitätskrise? Türken in Deutschland ...

L

Lalezar2006

Guest
AW: Identitätskrise? Türken in Deutschland ...

Ich möchte jetzt nicht weiterdenken, wenn es um die Religion geht, darüber wurde hier auch schon ausgiebig diskutiert. Die größten Weltreligionen kennen wir alle und wissen auch das diese verschieden sind. Mir ging es jetzt nur um den allgemeinen Menschen (Deutsch, Türke)

Ich würde nie meinen ich stehe zwischen zwei Kulturen, oder würde mir die Frage stellen, wo gehöre ich hin?, was bin ich?

Aber ich stelle mir oft die Frage, was ist besser,….sich zu entwickeln wie es die Mehrheit anstrebt oder als Mensch mit geistigem Verstand und Gewissen zu bleiben?

Es soll jetzt bitte nicht falsch verstanden werden, die Deutschen seien besser oder auch umkehrt… Ich persönlich finde an der Entwicklung eines Landes und des Menschen ist der Haken? Oder sehe ich es falsch?

PS: Abgesehen von allem merke ich gerade das mein Text ziemlich lang geworden ist, entschuldigt.

Grüße
 

Aybalam

New Member
AW: Identitätskrise? Türken in Deutschland ...

ich besuchte auch ein Gymnasium und war auch während meiner ganzen Schullaufbahn die einzige türkin in der Klasse... einen Nachteil oder Diskriminierung habe ich nie empfunden... auch das ich moslem bin hatte keinen gestört etc.. ich habe mehr deutsche freunde als türkische und eine zeitlang fühlte ich mich mehr deutsch als türkisch (klingt vielleicht komisch aber es war so). Jedoch bin ich eine türkin...weder bin ich stolz darauf noch schäme ich mich dafür.. es ist halt so...ich stehe dazu...
Ich verstehe auch nicht die Menschen, die unbedingt versuchen Unterschiede zwischen den Menschen in den Vordergrund zu bringen...wobei es doch so viele Gemeinsamkeiten gibt.... mit Vorurteilen habe ich sowieso nichts am Hut... bin mit meinem MULTI-KULTI Freundeskreis zufrieden:)
 

dasIch

New Member
AW: Identitätskrise? Türken in Deutschland ...

Hallo Forum, Hallo Tatar!

Als ich Tatar's Post gelesen habe, habe ich einige Parallelen zu einem gutem Kollegen gefunden.

Sein Vater ist Libanese (Hat deutschen und libanesischen Pass) und seine Mutter ist deutsche.
Er selber ist allerdings kein Moslem, wie sein Vater und trotz seiner deutschen Mutter wird er von seinen libanesischen Verwandten vollstens akzeptiert, sowie von seinen deutschen und so sie es auch bei seiner Mutter aus und seinem Bruder, wie seinem Vater.
In der Familie ist es, meines Erachtens nach, wie in jeder deutschen anderen Familie auch, allerdings ist er ja halber Libanese.
Als ich ihn in der siebten Klasse kennen gelernt habe, habe ich in ihm keinen halben Libanesen, sondern einen Menschen gesehen und saß bis zur 10ten neben ihm und hatte eigentlich nie Streit mit ihm und auch seitdem ich auf dem Gymnasium bin und er Gesamtschule ist, haben wir immernoch Kontakt zu einander.
Allgemein hat er einen gemischten Freundeskreis... seine Kollegen mit ausländischer Herkunft und seine deutschen Sandkasten Freunde.

Nun aber zum eigentlichen Thema zurück:
In der Realschule war es so wie bei dir, Tatar.
Er saß neben mir und hat wie ich im Unterricht aufgepasst und die Mitschüler meinten immer "Schwarzfuß" zu ihm.
Wir hatten noch einen deutsch-italienischen Mitschüler in der Klasse, der ihn diesen lächerlichen Spitznamen gab und die anderen zogen mit.
Anfangs dachte ich immer, dass ich das als störender als er empfinden würde, aber irgendwann sprachen wir mal darüber.
Wir haben irgendwann über unsere Klasse geredet und da hat er erwähnt, dass ihn diese Spitznamen und Anspielungen auf seinen Nachnamen (ähnlich wie Hussein, wegen Saddam Hussein) auch aufregen.
Allerdings gabs da eine gute Parallele zu einem anderen Mitschüler, welcher wieder deutscher war, aber von den Meisten einen abwertenden Spitznamen bekommen hatte (obwohl er relativ beliebt war).
Dieser hat ebenfalls gesagt, dass ihn das aufregt.
Im Endeffekt war klar, dass es egal ist, wer man ist, man wird immer für irgendwas diskriminiert, wenn man nicht grade ein Hulk ist.

Irgendwann fing es dann bei ihm an, dass er sich selber mehr mit dem Libanon identifiziert hat, obwohl er eigentlich kaum eine Bindung zu der Heimat seines Vaters hat.
Einfach aus dem Grund, weil unter Ausländern (die sich teilweise, wie mein Kollege, selber so nennen) sich einfach wohler fühlen.
Ich bin sogar soweit mich zu fragen, ob deutsche nicht vielleicht wirklich unrein sind und schähme mich für Neo-Nazis, der frühen deutschen Geschichte und dem intolleranten osteuropäischen deutschen Verhalten der 80er (obwohl meine Mutter und mein Vater "Wessis" sind und mein Urgroßvater sich gegen die Nazis gestellt hatte und ich weiß, dass es z.B. in der Türkei auch die Bozkurt's gibt und die Kurden verfolgt wurden) - von Verwandten weiß ich, dass ich multikulturellem Ursprungs bin. Ich fühle mich sein Kleinkind "Fremd im eigenen Land".
Trotzdem weiß ich, dass ich deutscher bin, denn ich bin hier geboren und meine Eltern auch.
Ich finde, dass man deutscher ausländischer Herkunft sein kann, aber spätestens wenn man in der 2ten Generation hier geboren wurde und den deutschen Pass hat, dann ist man für mich deutscher.
Leute die es ablehnen das zu akzeptieren, die kann ich zwar teilweise verstehen, aber irgendwie auch nicht.
Ich bin schließlich auch kein Franzosen-Spanier-Russen-Polen-Deutscher-Zigeuner (Sogar Ölschaiche, von denen ich nicht weiß, aus welchem Land), nur weil ich aus all den Ecken ein paar Vorfahren habe.

Um nun von meiner Meinung zum Nationalstolz usw (den ich hinderlich finde) weg zu kommen und wieder zum eigentlichen Thema zu kommen:

Die "deutschen", die sind wie die "Ausländer".
Vorurteile existieren und werden auch noch lange da sein.

Ich persöhnlich habe mich auch über den moslimischen Glauben informiert und sehe dort zwar einen Unterschied zwischen den "Gläubigen" und den "Ungläubigen", jedoch spricht man doch allgemein nie von den "Deutschen" und von den "Türken".
Ich selber tolleriere den Koran vollstens und lebe, da ich Vegetarier bin, auch nach dem Koran nicht als unreiner Mensch (zumindest sehe ich da keinen Grund).
Wenn Gott existiert, dann hatte er meiner Meinung nach Jesus auf die Welt geschickt um Menschen auf gütigem und freundlichen Weg den Zusammenhalt zu zeigen und als das nicht klappte, weil Menschen immer noch zu dumm waren, schickte er Mohammed (der bekanntlich Kriege führte - nein ich werte ihn nicht ab! Würde ich nicht machen.).
Es gibt schließlich auch parallelen im Koran und der Bibel (Moses etc), aber egal, egal,
ich schweife wieder vom Thema ab, tut mir Leid.

Um es also kurz zu sagen:
Deine "witzigen" Mitschüler müssen es garnicht rassistisch meinen... Menschen sind einfach so, sie sind einfach nur an sich gewöhnt und leben nur nach ihren Vorstellungen und nach denen, die ihre Eltern ihnen aufdrückten.
Du solltest versuchen damit klar zu kommen.
Es ist egal ob du Ausländer, Deutscher mit ausländischem Ursprung, ein Brillenträger, ein Verwirrter oder ein sonderbarer bist oder besonders süchtig nach irgendwas bist oder gar dick.
Man wird immer angemacht.
Ein anderer Kollege bekommt grade von vielen "Ausländern" immer vorgeworfen, dass er Schwul sei und ein Mädchen, weil er lange Haare hat.
Ihm fällt dabei nicht auf, dass es auch deutsche tun.
Es wird immer Idioten geben, in JEDEM Land.

Möge Gott/Allah mit euch sein!
 

fritztotila

Active Member
AW: Identitätskrise? Türken in Deutschland ...

Hallo Tartar
was Sdost schreibt ist meiner Meinung nach sehr richtig. Ich kann dich aber auch gut verstehen.Irgendwie ist diese Deutschland doch auch deine Heimat und ich hoffe, du findest hier Freunde.Auch den Deutschen kommt dieses Land doch oft auch kalt und ablehnenswert vor..... es hat aber sicherlich auch Vorteile, die Toleranz zum Beispiel..... naja hast du leider nicht so erfahren.... könnte aber noch kommen. Jeder gescheite Deutsche ist froh über jeden gescheiten Türken, der hier lebt und man sollte mehr übereinander wissen, Vorurteile abbauen und Freundschaft schließen. Was hast du gegen "moin"???
also merhabba
Michael
 

Tatar

New Member
AW: Identitätskrise? Türken in Deutschland ...

Ich hätte niemals gedacht, dass dieser Thread einst so viele Hits bekommen wird,
weder hätte ich gedacht, dass es so viele User ansprechen wird hier reinzuschreiben
und mir zu Helfen die Sachen anders zu sehen.

Ich entschuldige mich bei allen zutiefst, dass ich erst so spät hier reinschreibe. Inzwischen sind 6 Monate vergangen und in meinem Leben hat sich so einiges verändert.
Binnen einiger Monaten bin ich reifer geworden, "erwachsener", ich bin aus einer bestimmten Identitätskrise raus. Ich habe gemerkt, dass es zwei Sorten von Menschen gibt.
Einmal die Schwachen, die den anderen die Schuld geben und alles negativ sehen und dann gibt es noch die starken Menschen, welche für ihr Ziel kämpfen, die motiviert an ihre Arbeit rangehen und sich von nichts entmutigen lassen, sondern immer weiterkämpfen, egal in welcher misslungener Lage sie auch stecken, auch wenn sie es schwerer
haben als die anderen. Und eins soll natürlich klar sein, ein Türke hat es hier nunmal schwieriger als ein Deutscher. Aber ich hab meine Wahl getroffen, ich möchte zu den Art Menschen gehören, die eine klare Zukunft haben, die kämpfen und zu den Starken Menschen will ich gehören, nicht zu denen,
die die Schuld bei den anderen suchen, anstatt erst bei sich selbst mit der Suche zu starten.
Nunja, was auch ein entscheidender Grund war, weshalb ich hier nicht mehr reingeschaut habe, war der, dass ich mich durch das Verfassen dieses Beitrages, den Frust von der Seele geschrieben habe, ich habe mich einfach befreit gefühlt, so als wäre ein Stück Leid in mir verloren gegangen.
Und ich danke allen nochmal sehr herzlich, dass sie sich die Mühe gegeben haben, hier reinzuschreiben oder überhaupt sich alles durchzulesen.

Nun habe ich durch Zufall wieder hier reingefunden. Und als ich mein Beitrag gelesen habe, wurde mir klar, wie viel Frust und Wut in mir doch gesteckt hatte. Ich habe mich angefangen für Psychologie und Philosphie zu interessieren, vor allem auch für NLP. Ich war es Leid mit meinen türkischen Freunden, oder auch ausländischen, in der Wohnung zu sitzen
und wie verlorene Geister über eine Zukunft zu reden, die es garnicht geben kann, wenn wir doch garnichts machen. Der eine erzählt davon, dass er mit seiner Musik durchstarten will, der andere ist total verzweifelt, aber tut trotzdem nichts, um irgendwas zu ändern.
Ja, so saß ich zwischen diesen Brüdern und was mir klar wurde, war nur das, dass wir alle schwach waren.
Ja, wir waren schwach. Und es ist wirklich egal wie viel Steroiden jemand nimmt und trainiert, egal wie viel
Muskeln jemand hat, egal wie viel Waffen jemand bei sich trägt - es spielt keine Rolle, denn genau diese Art von Menschen sind die, die
schwach sind. Langam begriff ich, das wahre Stärke von Innen kommt.

Eines Freitags, als der Hoca wieder seine Predigt hielt und ich nur zur Hälfte am zuhören war, da sagte er etwas entscheidendes, was ich nie vergessen werde und was ich auch irgendwann meinen Kinder erzählen werde (Ins allah), und zwar
"Allah hilft wahrlich nur denen, die an ihr Ziel glauben und auch dafür was tun und regelmäßig dafür beten. Allah hilft jedoch nicht denen,
die nur beten und hoffen, aber nichts dafür tun."
So langsam kam ich aus meiner "Kanaken-Identität" heraus, die mir so viel Selbstvertrauen gegeben hat, aber mehr geschadet hat als ich dachte. Diese Identität in denen so viele Menschen, besonders ausländische Jugendliche, unbewusst hineingedrengt werden, führt sie genau auf den Weg des schwachen Menschens.
Nun habe ich mir ein festes Ziel gesetzt in meinem Leben und sehe wirklich alles positiver. Mit meinen alten Freunden hänge ich immer noch ab,
jedoch wenn ich mit ihnen rede, tue ich es mit einem Verstand, welcher nun wirklich ausgereifter ist.
Ich hatte eigentlich einen doppelt so langen Post geschrieben gehabt, jedoch ist der PC abgestürzt, allerdings dachte ich, dass ich es schuldig bin, diesen Beitrag hier noch zu posten, und so hab ich mit letzter Kraft (wenn man die Uhrzeit beachtet) versucht ihn erneut mit gleichem Inhalt und Message zu verfassen - Was ich aufjedenfall allen Menschen raten kann ist ..
"Ändere deine Einstellung zu den Menschen, und die Menschen änderen ihre Einstellung zu dir" Samy Molcho



Tatar
 

alterali

Well-Known Member
AW: Identitätskrise? Türken in Deutschland ...

icon14.gif
icon14.gif
icon14.gif
 

ra-sim

New Member
AW: Identitätskrise? Türken in Deutschland ...

Alles was du schreibst kann ich sehr gut nachvollziehen..
Ich lebe in einem Viertel voller dieser "Kanakenidentitäten". Es waren diejenigen die mich damals in der Schule gemobbt haben weil ich nicht war wie sie. Weil ich gelesen habe, gelernt habe etc. alles das was ich von meinen Eltern gelernt habe. Ich habe meine weisheit nicht in der Mosche gefunden, denn ich besuche keine. Ich hatte das Glück Eltern zu haben die keine Kanakenidentität hatten sondern sich alles erkämpft haben und immer wieder aufgestanden sind, trotz ständigen hinfallens.
Vorhin wurde gesagt dass gute Abschlüsse "In" sind und ja ich kann es auch bemerken.
Es ist an der Zeit zu breifen dass Bildung ein Schlüssel zum Erfolg ist, ein Schlüssel zur Anerkennung in Deutschland. Auf der Welt?
Noch wichtiger ist Lesen..lesen lesen...man bekommt 1000 mal mehr Weisheiten als "wo anders"
 
M

mar

Guest
AW: Identitätskrise? Türken in Deutschland ...

solche beiträge wünschte man sich öfter...zu sehen, das menschen bereit sin, zu hinterfagen, zu lernen und einen weg zu finden, der sicher nicht immer einfach ist, aber dafür ehrlich.
danke tatar.
MAR
 
Top