Israel

Omitier

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21 Juni 2009
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Rhoihesse
Hallo Leute,
ein kleiner Traum wurde wahr: Im Oktober habe ich für zwei Wochen Israel besucht! :)

Anfangs hatte ich einige Bedenken und ein komisches Gefühl im Magen wegen der Sicherheit - zu jenem Zeitpunkt gab es vermehrt Anschläge, die Deutsche Botschaft hat sogar davon abgeraten nach Jerusalem zu reisen. Aber da steckt man meistens nicht drin. Wenns passieren soll, passierts. Letztendlich waren aber die Bedenken völlig umsonst: Ich habe mich in keinem Land das ich bisher besucht habe so sicher gefühlt wie dort.

Das fängt schon in Tel Aviv am Flughafen an wo man bei Ankunft mehrmals vom Sicherheitspersonal befragt wird. Dazu wird man von seiner Begleitung getrennt: Wie lautet der Name Ihrer Begleitung? Haben Sie Ihren Koffer selbst gepackt? War er ständig unter Ihrer Aufsicht? Wie heißen Sie? Wo wurden Sie geboren? Was arbeiten Sie? Einige Fragen werden sogar mehrfach gestellt um Lügen zu entlarven.
Als mein Onkel Anfang der 80er arbeitsbedingt zwei Jahre in Ägypten lebte und nach Israel reiste, wusste das Sicherheitspersonal bei der Einreise allein anhand des Namens sofort, in welcher Einheit sein Vater damals im 2. Weltkrieg gedient hat :eek: Zwar sind diese (oft mehrmaligen) Befragungen sehr zeitraubend und mitunter nervig, aber das hat nicht unwesentlich dazu beigetragen dass wir uns äußerst sicher gefühlt haben.

Nachdem wir dann endlich durch die Passkontrolle gekommen sind kam der nächste Paukenschlag: Unser verdammter Transfer-Mensch tauchte nicht auf. Schließlich durften wir sofort mal eine Kostprobe des israelischen ÖPNV machen. Obwohl ich erfahrungsgemäß eher der ängstlichere Typ bin was ÖPNV angeht - an fremden Orten wohlgemerkt :)D) war ich noch nie so relaxt wie dort. Wahrscheinlich lag das zum einen am fantastischen Bahnpersonal die einem mit aller Geduld erklärt hat wie man eine Fahrkarte zieht, wo das Gleis ist und wann man aussteigen muss - und zum andern vielleicht auch an den deutschen Zügen :D Insgesamt muss man aber sagen dass Israel ein herausragendes Bus- und Bahnnetz hat.

Jedenfalls sind wir gut angekommen. Was einem am nächsten Morgen beim Frühstück direkt auffiel, war die koschere Küche - es gab KEIN Fleisch Man könnte fast sagen, dass wir uns in den zwei Wochen fast ausschließlich vegetarisch ernährt haben (abgesehen von einer Shawarma und einem Burger) Aufgefallen ist auch dass es dort keine typische nationale Küche gibt. Es ist eher ein großer Mix aus orientalischer und (ost-)europäischer Küche. Beispielsweise wird dort zu Schnäpsen gerne Sauergurken gegessen - ähnlich wie in Polen. Wir haben jedoch schnell unser Stammrestaurant gefunden: Ein Schnellimbiss, welcher von einer türkischen Familie geführt wird. Wir haben fast jeden Tag eine leckere Falafel gegessen, und dazu durfte man sich frei an einer Salattheke bedienen. Und als die Köche merkten dass wir aus Deutschland kommen, konnten sie uns umso besser leiden

Insgesamt muss man sagen dass man als Deutscher vor Ort äußerst beliebt ist. Wenn man unterwegs ist und deutsch redet, dauert es nicht lange und man wird neugierig angesprochen. Vor allem war das abends eine sehr feine Sache wenn wir durch die Bars und Clubs zogen. Die Jungs und Mädels sind sehr extrovertiert und an fast jedem Abend haben wir neue Leute kennengelernt mit denen man sich noch öfter getroffen hat. Auch die Hilfsbereitschaft der Leute war grandios. Als wir uns bspw. in den ersten Tagen verlaufen hatten, hat es nicht lange gedauert bis eine Frau auf uns zukam und uns fragte wo wir hin wollen. Sie nahm uns buchstäblich an der Hand und brachte uns zum Wunschort obwohl sie wahrscheinlich ganz anderes vorhatte. Dabei bekamen wir gleichzeitig eine kleine kostenlose Sightseeing Tour durch die Innenstadt.

Am besten haben uns aber die Soldatinnen gefallen :D Es war immer wieder ein Erlebnis wenn so eine bildhübsche 19jährige in grüner Uniform und einer M4 mit ihren Kameradinnen durch die Straßen läuft :D In Deutschland, haben wir uns gedacht, (leider) undenkbar. Aber dort völlig normal. Es gehört quasi zum Erwachsenwerden dazu. Kriegsdienstverweigerung ist zwar möglich aber verpönt. Auch sehr interessant: Jungs und Mädels werden mit 17 oder 18 eingezogen und müssen 2-3 Jahre ihren Grundwehrdienst leisten plus ein Jahr als Reservist. Anschließend wird man bis zum 41. Lebensjahr jährlich für ein Monat als Reservist eingezogen. Im Ernstfall sollen die Truppen innerhalb von 12-24 Stunden mobil sein. Wahnsinn.

Das Militär war quasi omnipräsent. In jeder Bar, Imbiss, Bus oder Zug ist man Soldaten begegnet. Fand ich aber keinesfalls negativ. Ganz im Gegenteil. War immer sehr amüsant wenn in einem Imbiss jemand neben dir in Shirt und Shorts eine Falafel isst und seine TAR-21 dabei hat :D


Aber natürlich waren wir nicht nur da um Soldatinnen hinterher zu gucken, sondern auch ein bisschen was vom Land zu sehen :D

Die ersten 2-3 Tage haben wir genutzt um Tel Aviv kennenzulernen. Wir haben praktisch die ganze Stadt zu Fuß abgeklappert. Was einem direkt ins Auge fällt ist der Bauhausstil der Gebäude im Stadtzentrum. Nicht umsonst wird Tel Aviv auch die „Weiße Stadt“ genannt. Die Architekten jener Gebäude waren größtenteils deutsche Juden die in den 30ern aus Deutschland emigriert sind. Unterm Strich muss man sagen dass diese Stadt einfach Flair hat, unglaublich herzlich und lebendig. Das merkt man vor allem in den Abendstunden. Dort ist unter der Woche (die Arbeitswoche in Israel geht von Sonntag bis Donnerstag) ist mehr los als in mancher deutschen Großstadt am Wochenende. Wenn man dann abends draußen in einer Bar sitzt und die Menschen an einem vorbeiflanieren, spürt man diese unglaublich lebendige Atmosphäre und den Charme der Stadt.

Höhepunkt war allerdings die Reise nach Jerusalem. Man wird quasi erschlagen vor Historie und geschichtsträchtigen Orten. Wenn man vor der Klagemauer steht, die Grabeskirche betritt, das ist schon ein einmaliges Erlebnis. Man spürt förmlich die Geschichte und die Atmosphäre dieser uralten Orte.

Fazit: Das wird definitiv nicht das letzte mal gewesen sein! Es gibt noch viel zu sehen. Eines der Orte wo ich bedenkenlos sagen würde: Da muss man mal gewesen sein!

Der Text ist natürlich sehr komprimiert und eng gefasst. Denn all diese Erlebnisse kann man nur schwer in Worte fassen. Gott sei Dank hatte ich meine Kamera dabei um einige davon festzuhalten. Falls Fragen bestehen - bittesehr :)

Grabeskirche, Jerusalem














Klagemauer


 
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Vaterlich

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2 Dezember 2013
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Schöne Bilder, ja. Ich kann hier nur singen :) :

"If were a rich man
Yubby dibby dibby dibby dibby dibby dibby dum
All day long, I'd biddy biddy bum.
If were a wealthy man

(...)
I'd have that time that I lack
to sit in the synagogue and pray
and maybe have a seat by the eastern wall."
 

therengarenk

Gesperrt
12 September 2011
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Gelsenkirchen
Super schön. Würde ich definitiv auf meine Reise to do Liste hinzufügen.
Ich hab aber bedenken, dass der Stempel im Pass mir andere Reiseziele verbaut.
 

Omitier

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