Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Aylin2009

Active Member
AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Ich kann gar nicht sagen, wie ich in diesem Moment war. Ich erinnere mich nicht. Alles was ich sagen konnte war, dass er gehen muss. Dass ich ihn nicht davon abhalten werde, weil ich sehe, wie schlecht es ihm geht. Und das meine größte Sorge immer war, dass er mich von irgendwelchen Plänen abhalten könne. Ich habe das nie zugelassen. Und dabei habe ich übersehen, dass in wirklichkeit ich ihn von all seinen Plänen abhalte. Er möchte eine Familie haben. Er möchte ein Haus bauen und ein teures Auto fahren. Alles dinge mit denen ich nicht viel anfangen kann. Im Moment noch nicht. Doch er fühlt, dass ihm die Zeit wegrennt.
Und deswegen sagte ich ihm, dass er gehen müsse. Und ich ihn nicht aufhalten werde.
Er war völlig irritiert und sagte nur noch, er wolle mich nicht verlieren und ich solle ihm bitte sagen, dass wir weitermachen. Wenn auch auf Entfernung. Wir würden das schaffen. Er würde mir jeden Monat Geld schicken, für die Wohnung und die Handyrechnung. Er würde alle zwei Wochen kommen. Hin und wieder solle ich ihn besuchen.
Alles was ich in dem Moment dazu sagen konnte war „wir werden sehen.“. Dann beruhigte er sich und erwiderte „ja, wir werden sehen. Alles was ich sicher weiß ist, dass ich gehen muss“.
 

Aylin2009

Active Member
AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Wir verbrachten dann das schönste, intensivste Wochenende unserer ganzen Beziehung. Wir gingen in ein super Restaurant, genossen die Sonnenstrahlen bei einem langen Spaziergang am See und er brachte mir auf einem Übungsplatz das Autofahren bei. Zwischen herzhaften Lachern, vergossen wir herzzerreißende Tränen.
Dieses Wochenende verbrachten wir genauso, wie wir all die deprimierenden Wochenenden zuvor hätten verbringen sollen. Als wir verbittert und gestresst, genervt und traurig waren.

Warum erkennt man sein Fehlverhalten immer erst, wenn es zu spät ist?

In unserer letzten Nacht schliefen wir engumschlungen. Nach so viel Nähe und Zuneigung hatte ich mich so lange gesehnt. Wir hatten in dieser Nacht beide einen Traum. Er erzählte mir, wie fast jeden Morgen, ohne hintergedanken, mit kindlicher Naivität. von seinem Traum:

Er hatte Hitler gesehen. Und alle Menschen hatten Angst vor ihm. So auch er. Dann wachte er vor schreck auf. Als er wieder einschlief, verwandelte sich Hitler plötzlich in eine Frau. Die war noch mächtiger, als der böse männliche Hitler. Sie lachte und sagte sie brauche keine Waffen und würde auch so jeden schlagen. (wir hatten einige Tage zuvor das Lied „Frauen regieren die Welt“ gehört und ich hatte ihm den Text übersetzt.).
Als dieser mächtige Hitler sich dann in eine Frau verwandelte, nahm er all seinen Mut zusammen und wollte sie besiegen. Er habe das Ende nicht mehr gesehen. Aber es habe sich so angefühlt, als habe er das Duell gewonnen.

Ist es nicht bezeichnend, dass ich in seinem Traum in Gestalt von Hitler erscheine?

Ich erzählte ihm nichts von meinem Traum.
Ich war auf einer Konferenz. Hielt einen Vortrag und erntete Applaus von allen Seiten. Aber anstatt den Vortrag zu genießen, ging ich zum Ende des Saales, wo ein kleiner Junge auf einem Stuhl saß. Ich gab ihm einen Kuss, und spürte kurz ein Gefühl von Unbehagen, weil alle Anwesenden mich beobachteten. Dann sagte ich dem Jungen wo er hingehen soll und verabschiedete mich von ihm. Er stand auf und verließ den Raum. Ich hatte Lust ihm zu folgen. Aber es ging nicht, ich stand unter Beobachtung.
Dann wachte ich auf.
 
Q

queenofhearts

Guest
AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Wir verbrachten dann das schönste, intensivste Wochenende unserer ganzen Beziehung. Wir gingen in ein super Restaurant, genossen die Sonnenstrahlen bei einem langen Spaziergang am See und er brachte mir auf einem Übungsplatz das Autofahren bei. Zwischen herzhaften Lachern, vergossen wir herzzerreißende Tränen.
Dieses Wochenende verbrachten wir genauso, wie wir all die deprimierenden Wochenenden zuvor hätten verbringen sollen. Als wir verbittert und gestresst, genervt und traurig waren.

Warum erkennt man sein Fehlverhalten immer erst, wenn es zu spät ist?

In unserer letzten Nacht schliefen wir engumschlungen. Nach so viel Nähe und Zuneigung hatte ich mich so lange gesehnt. Wir hatten in dieser Nacht beide einen Traum. Er erzählte mir, wie fast jeden Morgen, ohne hintergedanken, mit kindlicher Naivität. von seinem Traum:

Er hatte Hitler gesehen. Und alle Menschen hatten Angst vor ihm. So auch er. Dann wachte er vor schreck auf. Als er wieder einschlief, verwandelte sich Hitler plötzlich in eine Frau. Die war noch mächtiger, als der böse männliche Hitler. Sie lachte und sagte sie brauche keine Waffen und würde auch so jeden schlagen. (wir hatten einige Tage zuvor das Lied „Frauen regieren die Welt“ gehört und ich hatte ihm den Text übersetzt.).
Als dieser mächtige Hitler sich dann in eine Frau verwandelte, nahm er all seinen Mut zusammen und wollte sie besiegen. Er habe das Ende nicht mehr gesehen. Aber es habe sich so angefühlt, als habe er das Duell gewonnen.

Ist es nicht bezeichnend, dass ich in seinem Traum in Gestalt von Hitler erscheine?

Ich erzählte ihm nichts von meinem Traum.
Ich war auf einer Konferenz. Hielt einen Vortrag und erntete Applaus von allen Seiten. Aber anstatt den Vortrag zu genießen, ging ich zum Ende des Saales, wo ein kleiner Junge auf einem Stuhl saß. Ich gab ihm einen Kuss, und spürte kurz ein Gefühl von Unbehagen, weil alle Anwesenden mich beobachteten. Dann sagte ich dem Jungen wo er hingehen soll und verabschiedete mich von ihm. Er stand auf und verließ den Raum. Ich hatte Lust ihm zu folgen. Aber es ging nicht, ich stand unter Beobachtung.
Dann wachte ich auf.


Meine Liebe, ich glaube deine Gefühle spielen dir einen Streich, im Moment. Kein Mensch, er auch nicht, hat gesagt, dass du Hitler für ihn bist oder er der kleine Junge, jetzt gehts aber los! Mach mal ein bisschen Pause, es war bestimmt anstrengend alles das nieder zu schreiben, schlaf dich aus, und nimm ein bisschen Abstand. Einige Wochen Ruhe, vielleicht ein Urlaub...

Es wird alles wieder. Ist halb so schlimm. Wirklich. Er liebt dich und du ihn. Dann werdet ihr schon sehen, ob oder wie es weiter geht. Ich bin sicher. Du bist nicht Hitler und er kein kleiner Junge.

Ich glaube du kannst froh sein, solch einen lieben, ernsthaften Kerl gefunden zu haben, auch wenn er ein bisschen raucht oder Playstation spielt.

Lass ihn Fuss-fassen in Belgien, nochmal. Und schau du vielleicht, ob du einen gut-bezahlten Job dort finden kannst.

Kisses. Queen.
 

Aylin2009

Active Member
AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Es war Montagmorgen. Er fuhr mich zur Arbeit. Das letzte was ich zu ihm sagte war, dass ich unglaublich stolz auf ihn bin. Dass er diese Entscheidung getroffen hat. Und dass ich ganz sicher bin, dass es die richtige Entscheidung ist. Und dass ich selbst niemals zu solch einer Entscheidung fähig gewesen wäre.

All das habe ich von ganzem Herzen gefühlt. Ich war noch nie so stolz auf ihn.

Als ich von der Arbeit nach Hause kam, war er Weg. Wieder ging ich sämtliche Zimmer abklappern um herauszufinden, was er mitgenommen hatte. Den Fernseher hat er mir gelassen. Die Playstation ist weg. Einige Anziehsachen hat er da gelassen. Der Wohnungsschlüssel liegt auf der Kommode im Flur.
Diesmal brach ich nicht zusammen. Ich fühlte mich einfach nur erschöpft und leer.

Wir haben in den letzten Tagen wenig gesprochen. Gestern hatte er einen Zusammenbruch. Er rief mich an, weinte bitterlich und sagte, er würde ohne mich niemals glücklich werden. Dann fügte er hinzu, dass er, sollte der Job ihm keinen Spaß machen, sofort umkehren würde. Er würde dann nachhause zu seiner Prinzessin kommen.

Das hat mich wütend gemacht. Genauso schnell, wie er Energie für etwas entwickelt, so schnell schwindet sie auch wieder. Er ist wie der Wind….Mal hier mal da. Mal stark, mal schwach. Mal warm, mal kalt. Mal energisch, mal still.

Wenn ich euch jetzt erzählen würde, wie es weiter geht, dann müsste ich lügen. Vielleicht steht er schon morgen vor meiner Tür um mir zu sagen, dass er es sich anders überlegt habe. Jedoch glaube ich das nicht. Er wird den Job anfangen und zumindest eine Zeitlang seine Freude daran haben. ich hoffe es für ihn. Auch wenn es mir wehtut.

Während ich meine Geschichte aufgeschrieben habe, habe ich das erste mal wieder richtig geweint, seitdem er weg ist.
Die meiste Zeit hat es sich einfach nur leer angefühlt. Da war nichts mehr zum rauslassen. Keine Tränen, kein Verlangen zu schreien.
Gestern Morgen bin ich erwacht mit einem Gefühl von Zufriedenheit. Das erste Mal seit sehr langer Zeit hatte ich am Morgen keine erdrückenden Gedanken. Ich machte mir das erste Mal keine Sorgen um die Zukunft.

Versteht mich nicht falsch, in vielen Momenten tut es schrecklich weh. Er fehlt mir. Diese Wohnung haben wir gemeinsam ausgesucht. Gemeinsam eingerichtet. Hier wollten wir eine gemeinsame Zukunft verbringen. Aber die letzten Monate haben mich so ausgesaugt, dass ich im Moment erfüllt bin von Erleichterung. Und umso leichter es sich anfühlt, desto mehr Hoffnung entdecke ich. Hoffnung, die ich dachte komplett verloren zu haben.

Ich mach mir gerade viele Gedanken um mich selbst. Ich lese wieder Bücher. Wie hat mir das gefehlt. Ich möchte mich in Kürze an der Volkshochschule anmelden. Ich möchte nämlich endlich türkisch lernen. Nicht für ihn. Sondern, weil ich durch ihn diese wundervolle Sprache lieben gelernt habe. Ich bin hungrig nach Wissen. Ich möchte meinen Geist wieder mit positiven Dingen füttern. Ich bin Müde von Stirnrunzeln und schweren Gedanken. Anfang des neuen Jahres werde ich mich für meinen Führerschein anmelden.

Eines habe ich aus der ganzen Sache gelernt. Wenn wir beide irgendwie doch noch einmal zueinander finden sollten, dann kann das nur klappen, wenn wir, wir selbst bleiben. Wenn wir uns nicht mehr für den anderen verbiegen. Ich muss jetzt erst mal wieder zu mir selbst finden. Und ich bin gespannt was ich dabei so alles entdecke.
 

Dine

Well-Known Member
AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

.

Eines habe ich aus der ganzen Sache gelernt. Wenn wir beide irgendwie doch noch einmal zueinander finden sollten, dann kann das nur klappen, wenn wir, wir selbst bleiben. Wenn wir uns nicht mehr für den anderen verbiegen. Ich muss jetzt erst mal wieder zu mir selbst finden. Und ich bin gespannt was ich dabei so alles entdecke.


Phu, ich musste jetzt oft leer schlucken. Deine Geschichte, die Gefühle, die Probleme - das alles erinnert mich ungemein an mich selbst, daran, wie diese Liebe in die Brüche ging. Kurz zusammengefasst; anfangs war es toll, dann habe ich mir von ihm gewünscht dass er sich ändert, ich habe ihm Dinge verboten, ich habe ihn eingeengt, er gab sich völlig auf und ich war sein einziger Lebensinhalt. Ich hatte die Macht ihm Schmerzen zuzufügen, er war teilweise ein kleines Nichts. Es war dramatisch zu Ende. Er hat gelitten. Damals habe ich ihm gesagt "wenn du bereit bist wünsche ich mir dass ich deine Hand loslassen kann, ich will sehen dass du wieder alleine Laufen kannst, du musst das können, sonst gehst du in diesem Leben unter". Wir haben es erneut versucht. Wir haben nicht mehr offen geredet, aus Angst den anderen zu verletzen. Es ging nicht mehr, ich konnte nicht mehr mich selbst sein, er hat sich wieder aufgegeben. Ich sah ihn an und dachte "wann macht er etwas, wann"... Und sagte nichts. Irgendwann konnte ich ihn nicht mehr ansehen, ich hab mich konzentriert. Und dann kam der Punkt den du oben angesprochen hast. Nachdem ich das zweite Mal gegangen bin war er so wütend, dass er sein Leben wieder in die Hand genommen hat. Er hat berufliche Fortschritte gemacht, er hat sein Leben wieder gelebt. Und ich auch. Wir sind wieder eigenständige Menschen geworden. Und als wir uns vor wenigen Wochen gesehen haben; ich kann dir sagen, das war das grösste Gefühl! Das war genau das; wir konnten gelöst miteinander umgehen, ohne uns etwas vorzuspielen. Wir haben von unseren Träumen geredet - jeder von seinem Traum - ohne Angst zu haben einander zu verletzen. Es war so, wie es all die Jahre davor lange nicht oder noch nie war.


Ich weiss nicht ob ich dir Wünschen soll dass es bei euch auch eines Tages so ist. Ja, vielleicht wünsch ich dir das... Das, oder dass du weitergehen kannst, und irgendwo anders wieder ankommst. Das habe ich mir auch gewünscht, nur hat mein Weg wieder ein grosser Bogen gemacht, zu ihm. Ich weiss nicht Aylin, ihr liebt euch auf jeden Fall, aber ich denke deine oder euere Entscheidung war die Richtige - denn ihr müsst leben und leben lassen, frei sein und euch selbst sein können. Man muss nicht ganze Träume aufgeben für einen Menschen, man sollte zusammen an den Träumen arbeiten können. Und glücklich sein dabei.

Er hat mir gesagt vor wenigen Tagen "Ich habe gelernt dass das Leben wie das Wasser ist, welches man irgendwo ausleert. Es ist da, es fliesst, es geht seinen Weg, aber man kann ihn nicht bestimmen. Genauso ist das Leben. Ich lasse mich treiben, und ich geniesse jeden Moment, weil ich weiss, dass ich irgendwann ankommen werde." Und ich denke dass es genau so ist... Das Wasser fliesst, vielleicht landest du irgendwann wieder bei ihm, vielleicht auch nicht.

Ich wünsche dir alles Gute.



PS: du hast mich echt an soooo viel erinnert, mann mann mann....
 
AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

so ähnlich war es bei mir auch..........scheint so als wären wir nicht die einzigen verrückten auf der welt:-D ich kann in allen punkten nachvollziehen wie du dich fühlst und gefühlt hast.....ich habe ähnliche fehler gemacht!! ich habe ähnlich gelitten und tue es noch immer. ich war noch nie ein schwergewicht aber der kummer und stress der letzten wochen und monate hat mich einiges an gewicht gekostet. es geht an die substanz.

ich denke ihr könnt noch eine chance haben, aber nicht mehr in D sondern in belgien. ich würde es tun....einen versuch ist es immer wert!!

kopf hoch, halt die ohren steiff und fühl dich gedrückt!! lg tanja
 

rüzgar

Well-Known Member
AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Canim, wünschte gerade ich könnte bei dir sein...

Danke für den Mut und die Kraft, auch den Rest deiner Geschichte hier im Forum aufzuschreiben!

Meine Meinung zu den aktuellen Ereignissen kennst du ja bereits...

Ich wünsche dir von ganzem Herzen, dass alles so wird wie es das Beste für dich ist!
Finde erst mal wieder zu dir selbst, ordne deine Gedanken und Gefühle und dann seht ihr weiter was kommt. Auch wenn es in Deutschland nicht geklappt hat, ist ja deshalb eure Beziehung nicht hoffnungslos verloren.
Deshalb überlege dir gut, ob du auf Dauer nach Belgien gehen möchtest.
Ich weiß, wenn man wirklich mit dem Herzen liebt, ist es schwer den Verstand einzuschalten...

Fühl dich umarmt...!
 

weißerhai

Gesperrt
AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Was für ein schwülsiger Unfug. "Das Leben ist wie Wasser", klar aber dein Glas ist halbleer! Der will sich von dir durchfüttern lassen und hat dich auch bald soweit. Hast du sowenig anderweitige Chancen um dir das bieten lassen zu müssen?
 

cafedelsol

Gesperrt
AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

@ Weißerhai
du weisst ich gebe dir oft recht, aber mach dich hier vom acker.
Hier passt es nicht!
 
Top