AW: Lustige Youtube Kommentare
Auch das ist, mit Verlaub, nicht ganz richtig. Wenn Du mal Zeit hast, kannst Du
hier weiterlesen.
Der Artikel ist etwas zwiegespalten zwischen massiver Kritik und Verteidigung des ganzen Systems. Das die bekannteren Künstler durchaus Vorteile mit einer Mitgliedschaft bei der GEMA haben, streite ich nicht ab.
Aber selbst die erwähnten 20.000 Euro für die nicht genannte Indieband klingt nach mehr Geld als es ist. Was bleibt denn übrig, wenn du das Geld durch 12 Monate und vielleicht 5 Mitglieder teilst?
Ich beschäftige mich wirklich seit vielen Jahren mit der GEMA und erlebe praktisch von ganz unten, wie der Verein funktioniert. Wie gesagt, ich arbeite für einen Verein und wir veranstalten regelmäßig Konzerte. Der GEMA-Tarif ist so strukturiert, das man als kleiner Veranstalter praktisch immer draufzahlt. Berechnet wird nach Saalgröße und Ticketpreis, Zahl der Zuschauer ist unwichtig. Wir bezahlen im Schnitt 100 Euro pro Konzert, mittlerweile gibt es auch Ausnahmeregelungen, aber die sind sehr eng formuliert.
Ich gehe jetzt mal von einem Beispiel aus, normale Band, 70/30 Deal, 100 Gäste, 5 Euro Eintritt. 500 Euro an der Abendkase, 350 Euro für die Band, rechnen wir mal 50 Euro Catering (warmes Essen und Getränke), dann gehen an die Künstlersozialkasse ungefähr 25 Euro, Übernachtung/ Frühstück kostet extra, da hat man noch 75 Euro und davon bekommt die GEMA 100 bis 120 Euro. Da habe ich die ganzen Unkosten für Werbung/ Telefon/ Betriebskosten/ Miete usw. noch nicht mal berechnet. Das muss dann aus den Einnahmen von der Bar bestritten werden. Steuern für alles mögliche muss natürlich auch entrichtet werden.
Also selbst bei einem relativ gut besuchten Konzert bleibt an der Abendkasse nichts für den Veranstalter übrig. Und dann gibt es Konzerte, da kommen halt nur 20 Leute. Was die GEMA nicht wirklich interessiert. Ermäßigungen werden nur widerwillig gewährt, teilweise wurde sogar abgestritten, dass es diese gibt.
Selbst wenn man ein Konzert mit Bands macht, die keine GEMA-Mitglieder sind, muss man die Songlisten ausfüllen, kopieren, archivieren, die Konzerte bei der GEMA melden. Kostet alles Zeit und Geld.
Der Witz ist, von den eingezahlten Geldern kommen im Schnitt 10% bei den Künstlern an, der Rest versickert irgendwo. Auch die ausländischen Künstler, die bei uns spielen beklagen sich, das seltenst Geld bei ihnen ankommt.
Und da rede ich jetzt praktisch vom Unterbau, wo Leute aus Idealismus Musik machen und andere Leute aus Idealismus Konzerte veranstalten. Wirklich Geld kann man in diesem Segment nur schwer verdienen. Von den Fördersummen die in die E-Musik gepumpt werden, die meist nur eine relativ vermögende Klientel bedient, kann man da nicht mal träumen.
Und natürlich werden Künstler überredet und sanft gezwungen GEMA Mitglied zu werden, spätestens wenn du bei einer größeren Plattenfirma unterschreibst, ist der Schritt fällig. Es klingt ja ganz toll, wenn die GEMA behauptet, die kümmern sich um deine Rechte. Aber wenn dich niemand im Radio und TV spielt (und wann hast du das letzte Mal eine echte Indie/Metal/ Hardcore/Punkband im Radio gehört, geschweige Nachwuchsbands) kannst du drauf verzichten.
Und man gibt als Musiker die Rechte seiner Lieder an die GEMA ab, da wurde mir als Beispiel erzählt, eine Band hat ihre eigenen Lieder kostenlos auf der Homepage zum Download bereitgestellt und musste pro Download an die GEMA zahlen, wahrscheinlich mehr als sie von youtube verlangen.
Und bei der GEMA ist es wirklich so, ungefähr 5% der Mitglieder und das sind die, die über 30 000 Euro pro Jahr verdienen und das über mehrere Jahre, die sind stimmberechtigt. Der Rest darf praktisch zuschauen. Vor ein paar Jahren wurde mit dem PRO-Verfahren der Verteilungsschlüssel so geändert, das Herren ganz oben noch mehr bekamen.
Der Vorstandschef bekommt natürlich auch mehr als die Bundeskanzlerin.
Ich könnte noch mehr Dinge erzählen, aber das reicht wohl für den Anfang.