Mal über Erdoğan plaudern

Zumindest wird es extrem schwierig. Denn ich glaube die Amis unterschätzen da die türkischen Eigenarten.
Aktuell ist die Situation so, dass die Türkei außenpolitisch isoliert ist. Im Inland wird Erdogan mehr gehasst denn je. Seine Errungenschaften wie Wirtschaftsaufschwung, Verhandlungen im Kurdenkonflikt macht er grad selbst zunichte. Das Land ist gespalten wie nie, gleicht mancherorts einem Bürgerkriegsort.
Aber seine Umfragewerte waren noch nie so hoch wie aktuell!!!

Es gab doch zig Mittschnitte. Zig Skandale. Das einzige was ihn bisher wirklich geschadet hat, sind die Verhandlungen mit den Kurden.
Und in der Türkei eine Art Kiew zu veranstalten ist auch nicht möglich. Eine große breite Gewaltbereitschaft die bis zum äußersten gehen würde, gibt es bei den rechten und den anatolischen Konservativen, also AKP/MHP Wählern. Ein Aufstand der Kurden würde keiner folgen. Einen Aufstand der Aleviten hatten wir bei den Gezi Protesten, die sind gut für prügel kassieren, aber nicht geeignet für einen Umsturz. Die Kemalisten sind eigentlich im Kern Rechts und hätten ein großes Problem sich der Polizei/Militär entgegen zu stellen. Kurz, die Kiewgeschichte wird nie in der Türkei funktionieren. Denn wenn Erdogan erst sein Fußvolk maschieren lässt dann heißt es fr den Rest gute Nacht.
Auch die Videomitschnitte werden nicht die Tragweite haben, egal was er da macht. Solange er sich nicht von Netanjahu...xqöx!/&% , ist es dem Volk egal. Es gab Mitschnitte, wo er Geld für seine Familie von Geschäftsleuten verlangt, Geld den sein Sohn wegschaffen soll, türkische Soldaten die getötet werden sollten um es Assad in die Schuhe zu schieben, usw usw. Nicht ein Prozentpunkt weniger hat das gebracht.
Nicht das die MIT selbst die Geschichte in Umlauf gebracht hat. Denn der rechte konservative AKP Wähler fühlt sich in der Rolle des von Feinden umzingelten Ungeliebten, den er jedoch in seiner Dorfschlauheit durschschaut, am wohlsten. Auch die Geschichte dass sie Erdogan für einen Islamisten halten...hallo der ist 13 Jahre an der Macht.... Macht hat er allerdings nur noch im Inland. Eine breite Islamistenfront ist spätestens durch den Sturz der Muslimbrüder und nichtsturz Assads beendet worden, und solange Erdogan immer noch an der Leine der Amerikaner hängt und da hängt er seit der Russlandgeschichte mehr denn je, dann darf er auch im Inland den Islamisten makieren. Dass das den Ami nicht besonders stört, sieht man ja bei den Saudis.
 
Erdogan steht aus Sicht der Amerikaner und gewiß auch vieler Türken, die nicht in der Türkei leben, für Stabilität. Wie oft sich die Amerikaner mit ihren politischen Einschätzungen schon vertan haben, wissen wir. Und wenn es für sie in erster Linie um Stabilität gegangen wäre, hätten sie Assad in Ruhe gelassen. Also trauen würde ich als Erdogan den Amerikanern nur eingeschränkt mit Blick auf die eigene Machtposition.
Die Frage ist, ob Erdogan den wirtschaftliche Abschwung verkraften wird. Es ist ein Unterschied, ob Menschen wegen eingeschränkter Freiheitsrechte auf die Straße gehen oder aus Angst vor sozialem Absturz. Die zweite Gruppe könnte durchaus auch aus Erdoganwählern bestehen.
Und die soziale Frage in der Türkei ist den Amerikanern sowieso egal. Hier kann überhaupt nur das alte Europa helfen, sofern es sich einig ist, Italien, Griechenland und die Türkei mit der Versorgung, Integration und Rückführung der Flüchtlinge, wenn die Zeiten es erlauben, zu unterstützen. Wenn die EU begreift, daß es mit Blick auf Sicherheit und Wohlstand in Europa keine Rolle spielt, ob sich die Flüchtlinge vor der syrisch türkischen Grenze, vor den Grenzen in der Ägäis, vor Mazedonien oder sonstwo ansammeln, dann wäre schon viel gewonnen. Nur müßte Erdogan dann mitspielen und nicht wie gestern schon wieder über die Freilassung der beiden Journalisten hetzen. Das ist doch einfach alles krank. Dieses permanente Öl ins Feuer Gießen.
Wenn alles gut geht, ist es das laute Geschnatter einer lame duck. Und wenn alles noch besser läuft, wird die türkische Gesellschaft es auch so auf den Begriff bringen.
 
Wer einen Wutausbruch bekommt, weil Diplomaten einem öffentlichen Prozeß beiwohnen, ist ja noch "lamer" als gedacht. Wer stellt denn Souveränität der Türkei in Frage, wenn nicht Erdogan selbst?

"Diplomatie unterliegt einem gewissen Anstand und Umgangsformen. Das ist nicht euer Land. Das ist die Türkei", sagte Erdoğan in einer im Fernsehen übertragenen Rede."

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/recep-tayyip-erdogan-cumhuriyet-prozess-diplomaten-kritik

Meine Antwort: Der Rechtsstaat unterliegt einer gewissen, öffentlich sichtbaren Verfahrensrationalität. Und die Türkei ist auch nicht Ihr Land, Herr Erdogan, es gehört den türkischen Bürgern.
 

Wer einen Wutausbruch bekommt, weil Diplomaten einem öffentlichen Prozeß beiwohnen, ist ja noch "lamer" als gedacht. Wer stellt denn Souveränität der Türkei in Frage, wenn nicht Erdogan selbst?

"Diplomatie unterliegt einem gewissen Anstand und Umgangsformen. Das ist nicht euer Land. Das ist die Türkei", sagte Erdoğan in einer im Fernsehen übertragenen Rede."

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/recep-tayyip-erdogan-cumhuriyet-prozess-diplomaten-kritik

Meine Antwort: Der Rechtsstaat unterliegt einer gewissen, öffentlich sichtbaren Verfahrensrationalität. Und die Türkei ist auch nicht Ihr Land, Herr Erdogan, es gehört den türkischen Bürgern.

Das Rumpelstielzchen hat also mal wieder gehustet und Schnappatmung bekommen......

Interessant: "Auf Anordnung des obersten Gerichts wurden sie Ende Februar jedoch wieder freigelassen. Erdoğan und seine Partei AKP kritisierten, das Gericht habe seinen Zuständigkeitsbereich überschritten. "

Das von jemandem, der permanent seinen Zuständigkeitsbereich als Präsident überschreitet.

Kein Autor könnte eine bessere Komödie schreiben als es Erdi zur Zeit mit der Türkei tut.
 

Tagesspiegel: "Erdowie, Erdowo, Erdogan": Ein kritisches Lied über Präsident Erdogan hat offenbar zu diplomatischen Verstimmungen zwischen der Türkei und Deutschland geführt.

In der Türkei wären die Macher leider gleich im Gefängnis gelandet. Selbstreflexion ein Fremdwort für ihn.
Was Meinungsfreiheit angeht leider auch. Daher mein Kommentar zu seiner Erregung:

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