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Aber auf internationaler Bühne viel entlarvender: Erdoğans Umgang mit der Presse- und Meinungsfreiheit. Bereits Anfang der Woche wurde er – spätestens seit einem Bericht der New York Times auch weltweit – zum Gespött, als das türkische Außenministerium den deutschen Botschafter einbestellen ließ, um sich wegen eines zweiminütigen Satireclips zu beschweren. Die türkischen Behörden haben allen Ernstes die Löschung des extra3-Videos verlangt.
Abgesehen von der innenpolitischen Instrumentalisierung des Vorfalls muss man fragen: Was um Himmels Willen wollte die türkische Regierung damit erreichen? Herrscht im türkischen Außenministerium etwa so wenig Sachkompetenz, dass man wirklich glaubte, mit dieser Forderung erfolgreich sein zu können? Dass der deutsche Botschafter in Deutschland anruft und veranlassen kann, dass ein öffentlich-rechtlicher Sender einen bestimmten Beitrag löscht, weil er der türkischen Regierung nicht gefällt? Und hat man in der türkischen Regierung noch nie etwas vom Streisand-Effekt gehört? Die Macher von extra3 jedenfalls haben die Situation gut antizipiert, als sie Erdoğan zum Mitarbeiter des Monats ernannten. Wie der Mediendienst Meedia berichtet, hatte die erste Sendung nach dem Skandal (
in dem sie natürlich nachlegten) Rekordquoten, die besten seit es die Sendung gibt. Und mit türkischen Untertiteln wäre der Clip wohl auch nie erschienen, wenn die AKP nicht kräftig die Werbetrommel für ihn gerührt hätte. Außerdem hat extra3 so etwas wie Fernsehgeschichte geschrieben: Die türkische Regierung will sich gegen eine Satire in einem anderen Land, in der die Beschneidung der Pressefreiheit in der Türkei kritisiert wird, wehren, indem sie sich an die Regierung dieses Landes wendet und die Zensur ebendieses Satirebeitrags fordert. Chapeau, das ist Realsatire par excellence.