Spenden und Almosen

Weibliche Pennerinnen haben es etwas einfacher. Die müssen nur wissen mit wem sie schlafen müssen, damit sie es besser haben...

ich ducke mich schon mal :)

Ja, pfui, duck Dich mal. Auch obdachlose Frauen haben Würde und Stolz, brauchen ihren Körper nicht zu verkaufen - es sei denn, sie entscheiden sich dafür, aber das ist was anderes. Ich hab vor ein paar Jahren einer Frau, die nach einer bitterkalten Nacht frühmorgens in ihren Schlafsack eingerollt in der hintersten Ecke eines Parks auf einer Bank schlief und zwei Plastiktüten und ihre Schuhe ganz rührend ordentlich daneben gestellt hatte, zehn Euro in die Schuhe gesteckt. Am liebsten hätte ich ihr heißen Tee und was zu essen gegeben, aber es war morgens kurz vor 7, ich hatte nix dabei (außer dem 10-€-Schein in der Hosentasche), und sie schlief so friedlich, dass ich sie nicht stören mochte.
 
Mich schert das allerdings nicht, weil ich aus Prinzip keine Prinzipien bei der Vergabe von Almosen an Bettler habe. Wenn ich Lust habe, was zu geben, dann gebe ich. Manchmal sogar trotz einer momentanen Antipathie einer bestimmten Person gegenüber.

Ich halte es da ganz ähnlich. Je nach Tag und Bauchgefühl. Man weiß doch eigentlich nie, was da wirklich für ein Schicksal hinter steckt. Und selbst wenn mein gespendetes Geld in ein Bier investiert wird - well, das ist immer noch ein erwachsener Mensch - aber man muss es ja auch nicht gleich unterstellen. Ich befürchte einfach, dass es weitaus mehr Menschen ereilen kann, auf der Straße zu landen, als man so denkt. Wäre ich dann in dieser Notlage, andere um Geld zu bitten, fänd ich so moralische Zeigefinger im Gesicht (nach dem Motto "Davon holst Du Dir aber bitte was zu essen!") echt erniedrigend.

Letztens habe ich in der U-Bahn einem was gegeben. Ich hatte ihm angesehen, dass es ihm wirklich furchtbar unangenehm war, um Geld zu betteln. Alle sahen weg. Da hab ich ihm zugenickt und er konnte seinen Vortrag beenden. Er wollte mir noch, wie als Entschuldigung, eine Adresse aufschreiben - ich stoppte ihn und meinte, er solle doch jetzt bitte aufhören, das sei doch sicherlich eh schon hier gerade alles nicht so toll für ihn. Er wirkte erleichtert und sagte nur leise: "Danke, schön, dass Sie es so sehen."

Bei Straßenmusikern halte ich es wie Lale. Wenn sie gut sind, gebe ich auch gerne etwas. Und bei organisierten Spendenaktionen spende ich schon auch mal, aber da entscheide ich von Fall zu Fall.
 
Ich gebe "normalen" Bettlern auch meistens etwas, aber die, die mir ihre verstümmelten Extremitäten entgegenstrecken sind für mich schon sehr grenzwertig und die meide ich meistens.
Bei mir hier am Hbf gibt es z.B. jemanden, der immer mit der gleichen Geschichte ankommt von wegen er brauche Geld für eine Fahrkarte. Das hat er mir mindestens schon 4 Mal erzählt und ich muss mitlerweile schon lachen, wenn er mich anspricht, weil ich seine Geschichte im Wortlaut mit ihm zusammen erzählen könnte. Trotzdem gebe ich ihm immer wieder.
Letztens habe ich aber eine auch nicht so schöne Erfahrung gemacht. Hatte mir gerade eine Brezel vom Bäcker gekauft, ein Bettler kam und sagte, dass er hungrig sei und deutete auf meine Tüte mit der Brezel (gerade gekauft, nicht angebissen oder so :p). Naja, ich habe ihm die Tüte gegeben, er schaut rein und gibt mir die Tüte zurück! Anstatt mich aber dann in Ruhe zu lassen, hat er mich weiter genervt. Muss zugeben, dass ich sehr giftig wurde, er hätte doch gleich sagen können, dass er Geld will dann hätte ich wahrscheinlich auch noch was gegeben, aber unter solchen Voraussetzungen nicht.
 
ich glaube, bei vielen Menschen ist es das Ungewisse, was sie zurückhält etwas zu geben! Wenn ich wüsste, dass die Bettlerfrau ihren Kindern damit Milch kauft statt es an einen kerle abgeben zu müssen, dann würde ich ( und viele andere ) auch ins Portmonee greifen! Die paar Euro machen keinen von uns ärmer und ich kauf ja auch so viel was ich gar nicht bräuchte. Ein Lippenstift weniger schadet mir nicht....

Ich habe mal einen Artikel über die Bettler in der Türkei gelesen. Die haben sich Reichtum erbettelt. Hatten sogar ne Eigentumswohnung und das betteln gar nicht nötig! Seitdem bin ich da sehr skeptisch !

Dann kommt auch noch der Gedanke, dass jeder Arbeiten kann für sein Geld. Keiner von uns pflückt sein Geld von Bäumen. Jeder muss was tun, warum tun die nix... zumindest wenn sie gesund sind? In Deutschland hat es zumindest keiner nötig. Ein Gang zum Sozialamt und man hat ne Wohnung plus 400 Euro zum Leben. Gut, die Asylanten bekommen einiges weniger, aber Kleidung und Essen und ein Dach übern Kopf gibts trotzdem!

diese Gedanken hab ich schon und das macht es mir nicht einfach, grosszügig Geld zu verschenken! Wobei wer verschenkt, sollte das Bedingungslos tun. Also egal was mit der Kohle am Ende passiert! Und das kann ich halt nicht!
 
Ich "spende" mittlerweile auch nicht mehr im vorbeigehen!

Wobei ich mit Spenden das meine, wo die Leute wirklich nur da sitzen und ihren Becher herhalten.

Wenn jemand Musik auf der Straße macht und seinen Hut vor sich liegen hat, dann leg ich da auch schon mal was rein, weil mir die Musik gefällt und ich der Meinung bin, dass kann man auch unterstützen.

Richtig "große" Spenden mache ich nur noch bei Leuten, wo ich 100% weiß, das kommt an und er/sie hat es nötig.

Als Beispiel: meine Cousine wohnt in Istanbul und beteiligt sich an einer Aktion "Kleidung für Waisenkinder" als Geschenk zu Bayram. Sie geht mit dem Kind einkaufen und übergibt denen direkt die Kleidung, ihr habe ich die Kosten für den Einkauf geschickt.

Oder die Tante von meiner Schwiegermutter ist wirklich arm, jedes Jahr in der Türkei geh ich für die Dame Lebensmittel einkaufen und bringe sie ihr. Es ist herzzerreissend, wenn sie anfängt vor freude zu weinen, weil sie sich keine Gedanken machen muss, wo sie Lebensmittel für die nächste Woche herholen soll..
Wobei ihre Nachbarn ihr auch immer mal wieder was zu essen schicken.
 
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