Spenden und Almosen

Ich trau mich das ja schon gar nicht mehr etwas über Roma zu schreiben....
Aber ich hab letzten einen Bericht gesen, in dem es darum ging, dass die organisierten Bettlerbanden, den bettelnden Frauen Kleinstkinder in den Arm drücken, die sie vorher sediert haben. Damit sie ruhig sind.
Das ist echt übel.
Da hast du Recht, die Hintermänner sind aber meistens keine Roma. Deswegen schrieb ich im anderen Thread dass ich meinem Volk auch nichts gebe.
 
Bei mir kommt es von Fall zu Fall an.
Heute zum Beispiel sprach mich ein junger Herr (mitte 30vielleicht) er war wirklich nicht schlecht gekleidet, Schuhe sahen relativ neu aus, seine Jacke ebenfalls. Seine Frisur sah auch nicht schäbig aus und der Bart in einer Form sauber rasiert. Er fragte: Hallo junge Frau, könnten sie mir vielleicht einen Euro für etwas zu essen geben?
Ich fand das irgendwie alles ein wenig komisch und unglaubwürdig, hab ihm deshalb auch nichts gegeben.

Punks (Zecken) habe ich einmal etwas gegeben. Es war diesen Sommer, ziemlich heißer Tag und die saßen dort in Hannover wo sie schon seit Jahren sitzen. Ich ging dort mit meiner frisch gekauften Cola lang und sie verwickelten mich in ein Small-Talk Gespräch. Währenddessen trank ich meinen ersten Schluck aus der Cola und sagte dann dass ich weiter zum Bahnhof müsse. Da fragte mich der eine ob ich ihm meine cola schenken würde. Hab etwas gezögert weil ich ja schon draus getrunken hatte aber das schien ihn nicht zu stören also gab ich sie gerne ab. Als och gehen wollte sagte dann ein Mädchen aus der Gruppe: Schenkst du mir wenigstens ein Lächeln?

Fand ich total süß und hab auch kein schlechtes Gewissen, dass ich einer “Zecke“ etwas gegeben habe.

Eine Zeitlang vor einem Jahr ca. gab es in meiner Kleinstadt einen Bettler. Wegen einem Schulprojekt zum Thema Armut sollten wir rausgehen und Menschen mit Behinderungen oder Armut anderer Art (gibt ja viele Arten von Armut) ansprechen und ein Interview führen, nach Absprache. Ich ging also zu dem Bettler (einHerr, 56Jahre alt. Ich fragte ob er mir seine Geschichte erzählen würde und wie es ihm mit der momentan Situation ginge. Wir verabredeten uns am nächsten Tag in einem Kaffee, ich lud ihn ein, und er erzählte seine Geschichte. (War übrigens sehr krass. Er landete auf der Straße, weil er wegen eines Unfalls im Koma lag. In der Zeit verlor er wegen nicht bezahlter Miete seine Wohnung (gab wohl Missverständnisse, zwischen dem Mieter und ihm) und als er erwachte war er in dem Job den er hatte Arbeitsunfähig. Und plötzlich hatte er nichtsmehr.) Seit 3Monaten hat er es aber von der Straße geschafft und wohnt nun in einer kleinen zwei Zimmer Wohnung. Bekommt jetzt auch Geld vom Staat, da er nichtmehr arbeiten kann und dafür ein ärztliches Atest hat.
Nach dem Schulprojekt hatte ich ihn noch ein paar mal auf ein Brötchen o. ä. eingeladen. Gab ihm auch ab und zu Geld.

Also wie gesagt, es kommt auf den Fall an. Ob mir die Menschen ehrlich rüberkommen oder nicht. vielleicht auch auf meine Laune. Mal gebe ich und mal nicht. Und da ist es egal ob “Zecken“, Bettler oder Straßenmusikanten.
 
Punkern gebe ich immer gerne. Besonders in Bielefeld, dort sind die meisten sehr freundlich und humorvoll.

Was ich an Punks mag, ist ihre radikale Verweigerungshaltung gegenüber dem Konsumwahn der sogenannten Leistungsgesellschaft. Auch, wenn sie hier in Berlin meistens ziemlich abgefuckt sind, sehe ich in ihnen eine Art moderne Bettelmönche und lebende Mahnmale im Geiste der Anarchie.

Eine lustige Begegnung mit einer Punkerin in der S-Bahn: total bedröhnt dreht sie sich umständlich ihre Zigarette. Dazu der Spruch: "Wer schwarz fährt darf auch roochen!" ;-)


Was ich nicht mag, ist eine allzu aufdringlich zur Schau gestellte Demutshaltung auf den Knien. Ich denke dann eher: "Was für ein Idiot, warum macht er es sich nicht wenigstens etwas bequemer?" Trotzdem kann es passieren, dass ich auch so jemandem etwas gebe.

Aufdringliches Vorzeigen von Arm- und Beinstumpfen mag ich auch nicht besonders.


Neulich am S-Bahnhof Neukölln hörte ich, wie ein verzweifelter junger Südlander eine Frau anquatschte. Er wolle eine Blume für seine Freundin kaufen, hätte aber kein Geld. Notfalls würde er die Blume klauen.

Ich sah dann, wie er vor dem Blumenladen herumschlich und gab ihm einen Euro. Dann beriet ich ihn noch bei der Auswahl und handelte mit der Verkäuferin einen Rabatt wegen Liebeskummer aus. Die Rose hätte 1,20 gekostet.

Der Tunesier war erst seit 6 Monaten in Deutschland und hatte Stress mit seiner deutschen Freundin, weil er in seiner Eifersucht zu aufbrausend war.

Ich möchte gar nicht wissen, inwiefern ich mit meiner Hilfe ein Beziehungsdrama verlängert habe, das vielleicht sowieso keine guten Aussichten auf eine Lösung versprach.

Aber der Kerl war so zerknirscht, und was tut man nicht alles für die Liebe?!

Mir hat es jedenfalls Glück gebracht. Ich hatte an diesem Abend noch einen ziemlich heißen Flirt mit einem ziemlich heißen Feger in einem Club.

Aber mehr verrate ich nicht. ;-)
 

Hier fehlt der gefällt mir nicht Button! Denk dir den Effe!

Ja ich gebe und auch gern, meine Zecken (ich mag die auch sehr) kriegen einmal die Woche Hundefutter für ihre Lieblinge. Im Winter dürfen sie bei uns in der Tiefgarage schlafen. Straßenmusiker gern wenn sie was können und für den ein oder anderen Obdachlosen, den man schon kennt fällt auch immer was ab. Hab auch schon Kuchen und Reste von Büffets aus dem Büro verteilt und die haben sich gefreut. Was ich festgestellt habe zu solchen Aktionen muss man aber auch Vertrauen aufbauen, dass darf nicht jeder.
 
Geld gibt es bei mir grundsätzlich nicht! Ich biete aber immer an, etwas zu Essen oder Trinken zu kaufen. Erstaunlicherweise wird dies aber meistens abgelehnt........

Ich verstehe ja den Hintergedanken dabei, natürlich ist Essen und Trinken das Wesentliche, um über den Tag zu kommen. Das möchte man jedem ermöglichen. Mag sein, dass ich da naiv denke, aber so erstaunlich finde ich es gar nicht, dass dieses Angebot oftmals abgelehnt wird. Wenn ich mal so ganz pragmatisch darüber nachdenke: wenn mir (auf der Straße lebend, alles bei mir tragend, was ich habe) jeder, den ich um Geld bitte, Nahrung und Trinken kaufen will, ist das zwar nett gemeint, hilft aber nur begrenzt. Wenn ich obdachlos bin, habe ich schließlich nicht nur das Problem, für die tägliche Verpflegung zu sorgen. Und ich hab auch weder Kühlschrank noch Vorratskammer, um jedes Angebot dankend entgegen zu nehmen. Da gibt es noch andere Probleme, die es zu bewältigen gilt und auch die kosten Geld.
 
Ich verstehe ja den Hintergedanken dabei, natürlich ist Essen und Trinken das Wesentliche, um über den Tag zu kommen. Das möchte man jedem ermöglichen. Mag sein, dass ich da naiv denke, aber so erstaunlich finde ich es gar nicht, dass dieses Angebot oftmals abgelehnt wird. Wenn ich mal so ganz pragmatisch darüber nachdenke: wenn mir (auf der Straße lebend, alles bei mir tragend, was ich habe) jeder, den ich um Geld bitte, Nahrung und Trinken kaufen will, ist das zwar nett gemeint, hilft aber nur begrenzt. Wenn ich obdachlos bin, habe ich schließlich nicht nur das Problem, für die tägliche Verpflegung zu sorgen. Und ich hab auch weder Kühlschrank noch Vorratskammer, um jedes Angebot dankend entgegen zu nehmen. Da gibt es noch andere Probleme, die es zu bewältigen gilt und auch die kosten Geld.



das hab ich nie so gesehen und da hast du recht, aber was ist so schwer daran zu sagen, dass man ne Packung Tampons brauch oder ne neue Zahnbürste? Wäre mir echt lieber als ständig nach nem Euro gefragt zu werden!
 
das hab ich nie so gesehen und da hast du recht, aber was ist so schwer daran zu sagen, dass man ne Packung Tampons brauch oder ne neue Zahnbürste? Wäre mir echt lieber als ständig nach nem Euro gefragt zu werden!

Ich kann mir vorstellen, dass es schon genug Überwindung kostet, überhaupt zu betteln. Dann auch noch darauf hoffen zu sollen, dass die Leute sich die Zeit nehmen, spezielle Einkaufswünsche zu erfüllen, die sie zudem nicht wirklich was angehen (Privatsphäre), ist wohl nicht besonders realistisch.
 
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