Ich finde das Thema Sprachen und Sprachen lernen eigentlich recht interessant. Leider zerschreddert Sol selbst gute Themen mit Gesalbadere, das kein Mensch mehr versteht oder Parolen.
Wenn man sich über Fremdsprachenkompetenz unterhält, muss man immer entscheiden, wo man die Messlatte anlegt. Fremdsprachenkompetenz bei Otto Normalverbraucher (Kassiererin, Büroangestellte, Handwerker etc.) oder Fremdsprachenkompetenz bei Hochschulabsolventen.
Erstere Gruppe wird in der Schule vermutlich eine Sprache gelernt haben (in der Regel Englisch oder Französisch in Deutschland). Nach der Schule gings in die Lehre und den Beruf, da war die Fremdsprache nicht nötig, wurde also vergessen. Die Welt geht jetzt nicht unter, wenn diese Gruppe keine Fremdsprache spricht. Fremdsprache passt nicht zur Lebensrealität, irgendwann vielleicht mal eine andere, wenn es einen ausländischen Partner gibt zum Beispiel. Und Sprachen kann man lernen so viel mal will: wenn man sie nicht spricht, nicht anwendet, regelmässig liest, vergisst man.
Die Gruppe der Hochschulabsolventen hat mindestens zwei, wenn nicht drei Fremdsprachen in der Schule gelernt. Davon ist dann meistens eine im Studium dominant, es gibt aber auch Studienbereiche, in denen man keine Fremdsprachen braucht- oder mit einem Minimum auskommt. Da kommt es auf das individuelle Umfeld an, wie gut man im Training bleibt, die Sprache erhält oder ausbaut. Dann gibt es Fachrichtungen, da reicht einem eine Sprache gar nicht, da man aufgrund der Fachliteraturlage mit drei bis vier Sprachen gleichzeitig operieren muss. Grundsätzlich habe ich die Beobachtung gemacht- und ich war sehr viel im Ausland unterwegs, in multinationalen Gruppierungen gearbeitet etc: es waren in der Regel die Deutschen, die neben Englisch noch eine weitere Sprache wie Französisch oder Spanisch sprachen und sich so mit den Kollegen verständigten. Der Rest sprach allenfalls Englisch, die Spanier eher mal Französisch (wenn sie nicht gerade in Deutschland oder der Schweiz studiert hatten). Ich halte das Fremdsprachenniveau deutscher Hochschulabsolventen für sehr hoch.
Es liegt mir fern, auf irgendeine Nation draufzukloppen, aber die Franzosen waren jetzt nicht die, die mit Fremdsprachen glänzten (ich kann hier nur eigene Erfahrungshorizonte einbringen). Das ähnelt der Situation bei den Türken. Ob jetzt ein eigenes, sehr überhöhtes Nationalgefühl dahinter steckt? Bin ich ziemlich sicher.
Bei uns findet ab dem ersten Semester verpflichtend Englisch-Unterricht statt (eigentlich bringen sie von der Lise schon Englisch mit). Nach zwei Jahren hat man dann aber leider immer noch den Level Marke "I go swim to the Karadeniz":roll: Ab dem dritten Semester wählt man eine weitere Sprache dazu, bei uns ist das dann entweder Osmanisch, Arabisch oder Farsi. So weit, so gut, aber die mangelnde Englischkompetenz sorgt durchaus für Probleme. Denn ein Großteil der Literatur ist nicht auf Türkisch übersetzt, gute türkische Literaturlage gibt es nur bei den Türkeithemen, bzw. Nahost und Zentralasien. Ansonsten tote Hose. Also stellt man eben aus der Literatur Abstracts zusammen auf Türkisch. Wäre eigentlich viel leichter zu sagen: Geh mal in die Bibliothek und les dich ein....:twisted: Interessanterweise ist das ganze Studium durch Türkischunterricht Pflichtfach (ich muss nicht alles verstehen...

). Den Studiengang gibt es auch komplett auf Englisch. Da ist ein ganz anderer Level.