★ Wahlen in der Fraport Arena in Frankfurt - letzter Tag ★
► Ein Erlebnisbericht einer Frankfurterin
Das Telefon klingelt seit 10 Uhr ununterbrochen, ältere Damen, für die ich im Internet ihren Termin herausgesucht habe, berichten mir, dass sie wählen gehen, und wünschen sich alles Gute. Ein Freund berichtet, dass die Systeme nicht hochfahren und er schon seit einer Stunde wartet, ein anderer, dass er ohne Termin dort ist, weil er keinen bekommen hat, und an der Tür abgewiesen wird und obwohl er einen türkischen Ausweis hat, nicht wählen darf. Er ist sauer! Ich spreche ihm Mut zu und sage er soll nicht aufgeben.
Mein Vater hat heute seinen Termin. Obwohl er nicht wählen gehen wollte, habe ich ihn überredet mit dem Spruch “Eine Stimme ist eine Stimme!” (Bir oy bir oydur!). Wir dürfen nicht aufgeben.
Wir fahren gemächlich los und richten uns auf eine lange Wartezeit ein.
Als wir nach 15 Minuten dort ankommen, alles super beschildert und die vor uns fahrenden Autos türkischer Wähler weisen uns den Weg, die Verantwortlichen auf dem Parkplatz sind sehr nett und zeigen uns, wo wir parken können.
Wir sehen, dass es viele freie Parkplätze gibt und wundern uns so gar nicht, war also die Wahrheit, dass sich nicht alle in Frankfurt und Umgebung lebenden Türken angemeldet haben, denn sonst wäre es hier ganz schön voll.
Auf dem Weg zur Arena sehen wir alle möglichen türkischen Mitbürger, verschleierte Frauen, Hadschi ähnliche Männer mit langen Bärten, viele junge Menschen, rauchende Türban-Trägerinnen und wir können es uns nicht verkneifen zu sagen, dass nicht das Lachen auf der Straße verboten werden sollte, sondern das Rauchen. Wir lachen!
Der Einlass zur Wahlurne meines Vaters ist leer und wir kommen gleich dran. Ich darf nicht mit rein, weil ich nicht wähle. Mir wird gesagt, dass ich hinten warten soll, beim Imbiss. Am Imbiss-Stand, bei dem AYRAN verkauft wird, aber kein Bier. Gerne hätte ich eins getrunken.
Ich schaue und höre mich um, viele werden nicht hereingelassen, obwohl sie einen Termin haben und einen Ausdruck aus dem Internet mitgebracht haben.. Einige beschweren sich, weil sie ihren Termin verpasst haben, da sie es nicht wussten, aber heute wählen möchten. Einer hat seinen Ausweis nicht dabei. Die Sicherheitsleute sind bereit zu helfen, nehmen den Ausweis mit und schauen nach dem Termin oder der Urnennummer. Alles in allem eigentlich ruhig.
Kopftuch-Trägerinnen lassen sich fotografieren, sind gestylt als ob sie auf eine Hochzeit gehen, mit Schuhen bis zum Himmel und jeder Menge Schminke im Gesicht. Hatte ich erwähnt, dass wir in Frankfurt ca 30 Grad Celsius haben?
Mein Vater kommt nach 10 Minuten heraus und erzählt, dass die Beauftragten schon genervt sind und nicht auf seine Frage eingegangen seien, wie er denn wählen soll. Der Beauftragte sagte: “Bist du blind, nimm den Stempel!” Daraufhin erklärte mein Vater, dass er gefälligst ruhig bleiben soll und ihm diesen Stempel aushändigen soll, weil es keinen gäbe! Der Wahlzettel war mit Fotos von den Kandidaten an erster Stelle ERDOĞAN, an zweiter Stelle DEMİRTAŞ und schließlich an letzter Stelle İHSANOĞLU. Gemacht für die AKP-Analphabeten, damit sie sehen, wen sie nicht wählen dürfen. Wir haben uns noch überlegt, wie die Reihenfolge wohl zustande kam… ob es nach dem Nachnamen ging, oder oder oder… wir kamen aber zu keinem Schluss, FAKT ist das İhsanoglu an letzter Stelle war. Wir haben später herausgefunden das die Reihenfolge ausgelost wurde. Der Umschlag, in dem die Stimme verstaut wurde, war grün und etwa durchsichtig und es gab keinerlei Vorfälle.
Es ging alles viel zu schnell, wir hatten wahrscheinlich Glück, vielleicht auch Pech, gerne hätte ich einen ausflippenden und rumschreienden AKP-Abgeordneten gesehen und gehört, vielleicht in der Türkei am 10. August, denn dort werde ich wählen gehen!