Wahlen im August

  • Ersteller des Themas sommersonne
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Almancali

Well-Known Member
deren stimmen würden bestimmt eh umgewandelt oder nicht gezählt werden

... genau! Gepaart mit der Annahme, dass Erdogan eh wiedergewählt wird, "lassen wir das". Wissen tun wir das aber nicht. Daher wäre es als Zeichen des guten Willen, wichtig und richtig, wählen zu gehen. Nichtwählerstimmen werden vielleicht wie in der BRD anteilig aufgeteilt an die jeweiligen Parteien gegeben. Gerade durch das Nichtwählen wählt man ggf. jemanden, den man überhaupt nicht hätte wählen wollen. Meine Annahme ist jetzt spekulativ.
 

HeyÖzgürlük

Well-Known Member
Da ich von dem ganzen nichts mitbekommen habe :oops: (Anmeldung usw) und ich bezweifle dass mein alter Vater sich irgendwo im Internet irgendwo angemeldet hat - hat er eh keinen Termin?! Wie aufwändig wäre es denn jetzt noch einen zu bekommen? Geht das denn? Angeblich wurden welche vergeben?
 

Almancali

Well-Known Member
Du zählst genau die Probleme auf, mit denen wohl 99.9% der wahlberechtigten Türken in der BRD konfrontiert waren.
 
S

sommersonne

Guest
Vielleicht hat ja auch der Herr Erdogan Angst vor der eigenen Courage bekommen und hat mitbekommen das es bei seiner Hurra-Rede im jeweiligen Ausland doch jede Menge Protest gab. Vielleicht befürchtet er nun viele Gegenstimmen und erschwert die Wahl ein wenig. Seine treuen Wähler wußten garantiert Bescheid wie es geht.
Da bringt es dann ja vielleicht doch mehr die Syrer wählen zu lassen.
Achtung, alles reine Spekulation.
 

Almancali

Well-Known Member
Ich glaube kaum, dass das an Erdogan liegt. Vielemehr liegt es an den jeweiligen Konsulaten, hier aktiv zu werden. Vielleicht traf das Formblatt TC/0815 nicht rechtzeitig aus Ankara ein, um die ca. 1.4 mio Wahlberechtigten in der BRD ordentlich zu informieren. In den Konsulaten pflegt man eh eine sehr bürokratische Kommunikation. Ich las, dass ein Wahlberechtigter erstmal ein Dokument aus Ankara benötigte, um Wählen zu dürfen. Die Arbeitsmoral in den Konsulaten stufe ich persönlich als "befremdlich" ein. Ich kann mich noch an einen Direktor eines Konsulates erinnern, der meine "Deutschurkunde" einfach so "grabschte", statt es mit gebührendem Respekt und Ordnung ansich zu nehmen. Das sah aus, als ob er ein Stück Küchenpapier oder irgend einen alten Lappen greifen wollte. Das zerknüllte ist Heute noch rahmender Bestandteil meiner original "Deutschurkunde". Mit so einer besch... errm "befremdlichen" Arbeitseinstellung ist es kein Wunder, dass hier nix bei den Bürgern ankam.
 

alteglucke

Moderator
Ich denke ja, dass in diesem Fall ausnahmsweise Nichtwählen das Einzige ist, was hilft. Weil die Zahl der Stimmen, die in Deutschland abgegeben werden, das Einzige ist, was sich von außen sehen lässt.
 

Almancali

Well-Known Member
Ich verstehe! Du meinst, je weniger Stimmen abgegeben werden, desto schwieriger wird es, Stimmen zu manipulieren. Ist ein interessanter Gedanke.
 

kemalpasa

Gesperrt
Türkei: Der 55-Prozent-Mann und die Zählkandidaten
http://derstandard.at/2000003902303/Tuerkei-Wahl-Der-55-Prozent-Mann-und-die-Zaehlkandidaten

Die mittellosen Türken halten Erdogans Erfolg am Laufen. Ein Besuch in Ostanatolien, dem Maschinenraum der islamisch geprägten konservativen Regierungspartei AKP

Es ist Zeit für den neuen Glauben. "Wenn Erdogan dabei ist, bin ich auch dabei", steht auf einem Plakat, das in dieser Provinzstadt hängt, eine knappe Flugstunde östlich von Ankara. Die Religiös-Konservativen in der Türkei rüsten zu einer neuen historischen Wahlschlacht. Sie wissen, dass sie gewinnen werden. Erdogan sorgt für alle, Erdogan richtet alles. Erdogan ist gut.

Das rote Logo mit dem Fluss oder der Straße, die sich einem Sonnenaufgang entgegenschlängelt, ist abgekupfert von Barack Obamas letztem Wahlkampf. Auch Tayyip Erdogan will nun Präsident werden, nach elf Jahren und vier Monaten als Regierungschef der Türkei. Keiner hier in dem Dreieck zwischen Malatya, Elazig und Tunceli kann wirklich erklären, warum das sein muss. Weder die Funktionäre und Anhänger der Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP) noch erst recht die Opposition.
Mehr Chávez als Obama

"Es ist besser für die Demokratie", versichert Bülent Tüfenkci, der Parteichef in Malatya, ein jugendlich wirkender Mann mit kleinem Schnauzer und randloser Brille. Die Technokraten der AKP sehen so aus. Wahlstimmen organisieren im Gegenzug für Dienstleistungen ist ihr Fachgebiet. "Die türkische Öffentlichkeit wird selbst Gegengewicht und Kontrolle zum Präsidenten sein", erklärt Tüfenkci. Es klingt mehr nach Hugo Chávez als nach Barack Obama; nach mehr Populismus und Gleichschaltung, nicht nach politischem Hickhack und freier Debatte. Mit der Wahl am 10. August, der ersten direkten Abstimmung über einen Präsidenten, steuert die Türkei in neue Gewässer.

Zwischen 55 und 65 Prozent holt Tayyip Erdogan seit Jahren in diesem Landstrich. Nicht in Tunceli, wo die linksliberalen kurdischen Aleviten in der Mehrheit sind, aber in einem großen Teil Ostanatoliens, das sich von Malatya bis zum Van-See und von der türkisch-iranischen Grenze im Süden bis zur türkisch-georgischen im Norden erstreckt. Es ist der Maschinenraum der AKP, das Sozialwerk für die Unterprivilegierten, das den beispiellosen Erfolg der konservativ-islamischen Partei in der Türkei erklärt.

760.000 Einwohner hat die Provinz Malatya, 250.000 von ihnen sind Einwanderer von weiter aus dem Osten, rechnet Arif Yildiz vor, der Vorsitzende der rechtsnationalistischen MHP in der Stadt: "Das sind ungebildete, arme Leute, abhängig von billigen Wohnungen, von Lebensmitteln, Medikamenten und von Kohle zum Heizen im Winter." Die AKP gibt ihnen alles.

Kleine Interessen

In Elazig, eine Autostunde weiter, ist Ähnliches zu hören. Nur 30 Prozent der Einwohner stammen noch ursprünglich aus der Stadt. Die Gebildeten ziehen weg, die Neuankömmlinge wählen AKP. "Im Grunde geht es nur um kleine Interessen, kleine Vorteile", sagt Osman Demir, der MHP-Chef in Elazig. "Und alles, was sie bekommen, so glauben diese Leute mittlerweile, bekommen sie von Recep Tayyip Erdogan. Nicht einmal mehr vom Staat oder von der Regierung. Die Gesellschaft ist wie hypnotisiert von den Medien, die Erdogan kontrolliert."

Der lautstarke, immer kämpferische Regierungschef füllt das Leben der Anatolier. Arbeiten, essen, Kinder kriegen, dazwischen in die Moschee gehen. Recht viel mehr tut sich in den erzkonservativen, sunnitisch geprägten Provinzstädten nicht. Wer hier zu Geld kommt, hat nicht viele Möglichkeiten, es auszugeben, gibt Bülent Tüfenkci, der AKP-Mann, zu. "Malatya ist ein kleiner Ort, die Nachbarn werden neidisch. Dann zieht man wohl nach Istanbul."
Kandidaten vorgesetzt

Und nun diese Wahl, die Erdogan dem Land verordnet hat. "Man hat uns drei Kandidaten vorgesetzt. Wenn ich für das Präsidentenamt kandidieren wollte, wäre es nicht möglich gewesen", überlegt laut ein Mitarbeiter eines lokalen TV-Senders im Büro des Direktors: "Das ist kein demokratischer Prozess."

Im Büro von Vehbi Coskun, dem Fernsehdirektor in Elazig, hängt das obligatorische Porträt des Republikgründers Kemal Atatürk. Es ist ein Kalender, in einem Novembermonat stehen geblieben und zugewuchert von einer grünen Topfpflanze. Coskun erklärt, warum es nichts werden wird mit Ekmeleddin Ihsanoglu, dem gemeinsamen Kandidaten von MHP und CHP, von Ultranationalisten und Sozialdemokraten. "Die Idee war, Stimmen von den Konservativen zu stehlen", sagt er, "aber die konservativen Menschen hier sind nicht die Gebildeten."

Alle MHP-Wähler in Elazig und Malatya, Städten, die einmal Hochburgen der rechten Nationalisten waren, würden wohl für Ihsanoglu stimmen, heißt es. Doch ein Teil der CHP-Wählerschaft mag zu Selahattin Demirtas wechseln, dem kurdischen Parteiführer. Er ist volksnäher als Ihsanoglu, der Diplomat und Wissenschaftstheoretiker.

Und er ist der erste Kurde, der für das höchste Amt im türkischen Staat kandidiert. In Tunceli, wo Demirtas gewinnen könnte, predigt die Kurdenpartei BDP aber, wie notwendig ein Föderalismus sei: "Was immer wir auch im jetzigen System tun, am Ende haben wir einen Diktator Erdogan." (Markus Bernath aus Malatya, DER STANDARD, 2.8.2014)

Gerade die rot markierten Stellen treffen ins Schwarze. Ich finde diesen Ekmeleddin durchaus sympathisch, aber ich zweifle das er erfolgreich sein wird. Abgesehen dass er zu unbekannt ist, ist er auch zu ruhig und zu dezent um bei Leuten aus bspw. Malatya zu punkten. Da hätte ich mir lieber einen volksnahen Mansur Yavas - ehem. MHPler, heutiger CHPler - gewünscht, der ja die Wahl in Ankara sogar gewonnen hatte, bis es die Trafo-Katzen richten mussten.
 
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