AW: Wenn Dein Leben in vier Wochen vorbei wäre
Du würdest Dich also nicht mal von Deiner Tochter "richtíg" verabschieden?
Ich als Tochter wäre entsetzt, wenn ich an der aufgelösten Wohnung etc. erkennen könnte, daß meine Mutter "es" wußte, aber mir nichts davon gesagt hat.:icon_frown:
was ist ein "richtiger" abschied ?
muss ich meinen abschied als tragödie sehen oder als ein adieu bis später, das ist doch auch die frage die ich mir als betroffene stellen müsste... und diese frage ist für mich nicht neu , ich habe sie schon einmal im leben stellen müssen, ich war tatsächlich eben genau in der situation, die du als fiktiv aufgreifst.
ich war in der situation, die anouk beschreibt: jemanden fürs kind suchen, papiere orden, familie darauf vorbereiten , abschied nehmen von meinem leben...und ich habe danach fast dasselbe getan, was ich hier als meine "letzte zeit" anführte; ich habe reisen gemacht. und ich weiss, das dieses bewusste abschiednehmen von der welt meiner vorstellung von der freiheit des lebens ganz nahe kam.
diese situation hat meine tochter schon erlebt, sie weiss, das es in dieser form kein abschiednehmen mehr geben wird.
menschen, die schon einmal den tod überwunden haben, denken da mit sicherheit ganz anders. und auch die angehörigen haben einen anderen bewussten blick auf dieses ereignis, welches jeden menschen ereilt.
natürlich habe ich solche ereignisse schon lange vorher mit meiner tochter und meinen freunden "durchgespielt" . es ist mein wunsch, ob ich ihn realisieren kann, steht auf einem anderen blatt. aber ich weiss, das weder meine tochter noch meine freunde diesen wunsch missverstehen werden. sowohl ich als auch meine tochter sind uns unserer freiheit bewusst.
unser ganzes leben unterliegt, ob wir wollen oder nicht, gewissen kompromissen, rücksichtnahmen auf andere menschen, gewissen anpassungen und gesellschaftlichen zwängen. in meinen letzten wochen möchte ich mich davon tatsächlich befreien.
wie so viele menschen sich wünschen, die letzten tage , wochen, monate genau so zu verbringen, mit den dingen, die ihnen noch auf der seele liegen, wünsche ich mir, das dieser letzte wunsch respektiert wird.
mit dem nahenden tod würde ich mich auf eine reise ohne wiederkehr begeben. und würde ich meinem nahenden tod als eine solche reise sehen. ich möchte diese reise so wie alle reisen antreten, die ich im laufe meines lebens gemacht habe- ohne großen "bahnhof" ohne winken und ohne dramatische abschiedsszenen.
fast alle meine freunde sind langjährige , ja sogar kindheits-freunde, die mich kennen und meine ansichten über das leben und den tod kennen.
menschen, die mich lieben, werden mich verstehen. ich gehöre nicht zu den menschen, die ihr leben lang über den tod schweigen oder den tod verdrängen , und das dürber reden können , das macht mir tatsächlich auch mein leben leichter! leichter auch insofern, das ich mich bemühe, mein leben so gestalten, das ich meine letzten wochen NICHT damit verbringen müsste, erst einmal zu beginnen, mich für mein leben zu "entschuldigen" .
auch
wie der tod sich uns nähert, wie wir ihn als ereignis in unserem leben sehen , hat auch damit zu tun , wie man sein leben gesehen hat .
man darf einfach nicht vergessen, das tod immer präsent ist. täglich...
all das sind die dinge, die meine nahestehenden menschen auch über mich wissen . das macht es mir leicht, meinem wunsch nachzugehen, denn menschen, die mich lieben, verstehen mich auch ohne großen worte.
MAR