Zeitschriften für Kopftuchfrauen

Zerd

Well-Known Member
AW: Zeitschriften für Kopftuchfrauen

Zerds Beitrag endet da etwas optimistischer. Vielleicht braucht die nächste Generation ja diese alten Debatten nicht mehr zu führen. Ob Minirock oder Kopftuch: Es ist nicht wichtig was du trägst, sondern wer du bist. 8)

Mein Optimismus ist von grundsätzlicher Natur, indem ich dem Menschen und den Menschen prinzipiell zutraue, aus Fehlern zu lernen und sich beständig weiterzuentwickeln. Allerdings gehe ich dabei nicht von einer linearen Entwicklung aus, sondern von einer Art zyklischer, die auch phasenweise Rückschritte und Rückentwicklungen bereithält.

In der Türkei hat sich im vergangenen Jahrzehnt tatsächlich vieles positiv entwickelt, allerdings bin ich nur verhalten optimistisch bei der Frage, wie beständig und dauerhaft diese Entwicklungen sein werden. Denn man muss sehen, dass es den Leuten wirtschaftlich seit ein paar Jahren wirklich gut und immer besser geht. Allerdings muss man auch sehen, dass die Massnahmen, die mit zu diesem Aufschwung geführt haben, zu einem guten Teil von außen gelenkt und gefordert wurden. So konnte das Land vor etwas über einem Jahrzehnt den Staatsbankrott nur durch umfangreiche Kredite und Hilfen des Währungsfonds abwenden, was bekanntlich mit strengen Auflagen verbunden ist. Zahlreichen solchen Auflagen hatte das Land auch im Zusammenhang mit dem Beitrittsprozess zur EU nachzukommen.

Jedenfalls macht es die gute wirtschaftliche Situation den Rattenfängern und Dämagogen, die, wie man an manch anderen Diskussionen erkennt, ja nicht ausgestorben sind, nicht leicht, die Leute gegeneinander aufzustacheln, wie das zu früheren Zeiten (oder auch heute noch auf Internetforen!) sehr einfach funktionierte.

Es ist derzeit nicht abzusehen, wie lange dieser wirtschaftliche Aufschwung noch anhält und ob danach wieder die Zeit der Rattenfänger und Dämagogen anbricht.

Ich habe in einem kürzlichen Beitrag zu erklären versucht, wieso die demokratischen und pluralistischen Vorstellungen in unserer Bevölkerung noch nicht so fest verankert sind wie bspw in westlichen Staaten. Zur Zeit geht es den Leuten gut, weshalb es vielen leichter fällt, konstruktiv und tolerant mit dem anderen umzugehen. Aber wie dauerhaft diese Entwicklung sein wird, wird man wohl erst sehen können, wenn diese Auflagen auslaufen oder es dem Land wieder einmal ein paar Jahre wirtschaftlich etwas schlechter geht.
 

vzd_2.1

Well-Known Member
AW: Zeitschriften für Kopftuchfrauen

Mein Optimismus ist von grundsätzlicher Natur, indem ich dem Menschen und den Menschen prinzipiell zutraue, aus Fehlern zu lernen und sich beständig weiterzuentwickeln. Allerdings gehe ich dabei nicht von einer linearen Entwicklung aus, sondern von einer Art zyklischer, die auch phasenweise Rückschritte und Rückentwicklungen bereithält.

In der Türkei hat sich im vergangenen Jahrzehnt tatsächlich vieles positiv entwickelt, allerdings bin ich nur verhalten optimistisch bei der Frage, wie beständig und dauerhaft diese Entwicklungen sein werden. Denn man muss sehen, dass es den Leuten wirtschaftlich seit ein paar Jahren wirklich gut und immer besser geht. Allerdings muss man auch sehen, dass die Massnahmen, die mit zu diesem Aufschwung geführt haben, zu einem guten Teil von außen gelenkt und gefordert wurden. So konnte das Land vor etwas über einem Jahrzehnt den Staatsbankrott nur durch umfangreiche Kredite und Hilfen des Währungsfonds abwenden, was bekanntlich mit strengen Auflagen verbunden ist. Zahlreichen solchen Auflagen hatte das Land auch im Zusammenhang mit dem Beitrittsprozess zur EU nachzukommen.

Jedenfalls macht es die gute wirtschaftliche Situation den Rattenfängern und Dämagogen, die, wie man an manch anderen Diskussionen erkennt, ja nicht ausgestorben sind, nicht leicht, die Leute gegeneinander aufzustacheln, wie das zu früheren Zeiten (oder auch heute noch auf Internetforen!) sehr einfach funktionierte.

Es ist derzeit nicht abzusehen, wie lange dieser wirtschaftliche Aufschwung noch anhält und ob danach wieder die Zeit der Rattenfänger und Dämagogen anbricht.

Ich habe in einem kürzlichen Beitrag zu erklären versucht, wieso die demokratischen und pluralistischen Vorstellungen in unserer Bevölkerung noch nicht so fest verankert sind wie bspw in westlichen Staaten. Zur Zeit geht es den Leuten gut, weshalb es vielen leichter fällt, konstruktiv und tolerant mit dem anderen umzugehen. Aber wie dauerhaft diese Entwicklung sein wird, wird man wohl erst sehen können, wenn diese Auflagen auslaufen oder es dem Land wieder einmal ein paar Jahre wirtschaftlich etwas schlechter geht.

jeder modernisierungsschub in gesellschaften geht mit autokratischen, beinah totalitären politischen systemen einher - wie es beispielsweise brasilien und argentinien p.ex. zeigen, etwa der brasilianische estado novo unter diktator getúlio dornelles vargas. die menschen in diesen staaten folgen der brechtschen maxime: "erst kommt das fressen, dann die moral". doch materielle wohlstandssicherung funktioniert nur eine weile, bis die immaterielle wohlstandsssicherung nachzieht und auch nachziehen muss, denn wachstum ist nicht unbegrenzt möglich. das volk möchte seinen wohlstand genießen und dazu gehört auch, sich dinge erlauben zu können und dinge machen zu können, die dem autokratischen system entgegen stehen. der zusammenbruch des estado novo führte in den fünfziger und sechziger jahren zu einer blüte brasiliens, gründung einer neuen hauptstadt, bohêmeleben in den großstädten et al.

der rest ist geschichte. ein wechsel zwischen militärdiktatur und modernismo, harter hand und liberalem sein.
 

melodys

Member
AW: Zeitschriften für Kopftuchfrauen

Vielen Dank für diese Feststellung, du hast es auf den Punkt gebracht!

Es ist derzeit nicht abzusehen, wie lange dieser wirtschaftliche Aufschwung noch anhält und ob danach wieder die Zeit der Rattenfänger und Dämagogen anbricht.

Ich habe in einem kürzlichen Beitrag zu erklären versucht, wieso die demokratischen und pluralistischen Vorstellungen in unserer Bevölkerung noch nicht so fest verankert sind wie bspw in westlichen Staaten. Zur Zeit geht es den Leuten gut, weshalb es vielen leichter fällt, konstruktiv und tolerant mit dem anderen umzugehen. Aber wie dauerhaft diese Entwicklung sein wird, wird man wohl erst sehen können, wenn diese Auflagen auslaufen oder es dem Land wieder einmal ein paar Jahre wirtschaftlich etwas schlechter geht.
 
S

schneidersitz

Guest
AW: Zeitschriften für Kopftuchfrauen

Mich würde wirklich interessieren, wo im Koran es steht, dass frau ein Kopftuch tragen muss.
Ich will hier keine "Kopftuchdebatte" lostreten, darum geht es mir nicht.
Es ist eine reine Wissensfrage, die ich hier stelle.
Ich habe den Koran nie gelesen, aber unzählige (seriöse) Quellen im Internet belegen, dass es keinen (religiösen) Kopftuchzwang gibt.
 
T

TURKUVAZ

Guest
AW: Zeitschriften für Kopftuchfrauen

Ich sehe nichts großartiges bei Zeitschriften für Kopftuchfrauen.

Demokratie halt ^^. Zeitungen aller Art wird und muss es wohl geben.
So ist auch mittlerweile das türkische Fernsehen und auch die Radiosender.
Kurdisch, arabisch, kaukasus, azeri & co. wurde ebenfalls Raum und Bühne ermöglicht.

Warum also nicht auch Kopftuch?
 
M

Mein_Ingomann

Guest
AW: Zeitschriften für Kopftuchfrauen

Mein Optimismus ist von grundsätzlicher Natur, indem ich dem Menschen und den Menschen prinzipiell zutraue, aus Fehlern zu lernen und sich beständig weiterzuentwickeln. Allerdings gehe ich dabei nicht von einer linearen Entwicklung aus, sondern von einer Art zyklischer, die auch phasenweise Rückschritte und Rückentwicklungen bereithält.

In der Türkei hat sich im vergangenen Jahrzehnt tatsächlich vieles positiv entwickelt, allerdings bin ich nur verhalten optimistisch bei der Frage, wie beständig und dauerhaft diese Entwicklungen sein werden. Denn man muss sehen, dass es den Leuten wirtschaftlich seit ein paar Jahren wirklich gut und immer besser geht. Allerdings muss man auch sehen, dass die Massnahmen, die mit zu diesem Aufschwung geführt haben, zu einem guten Teil von außen gelenkt und gefordert wurden. So konnte das Land vor etwas über einem Jahrzehnt den Staatsbankrott nur durch umfangreiche Kredite und Hilfen des Währungsfonds abwenden, was bekanntlich mit strengen Auflagen verbunden ist. Zahlreichen solchen Auflagen hatte das Land auch im Zusammenhang mit dem Beitrittsprozess zur EU nachzukommen.

Jedenfalls macht es die gute wirtschaftliche Situation den Rattenfängern und Dämagogen, die, wie man an manch anderen Diskussionen erkennt, ja nicht ausgestorben sind, nicht leicht, die Leute gegeneinander aufzustacheln, wie das zu früheren Zeiten (oder auch heute noch auf Internetforen!) sehr einfach funktionierte.

Es ist derzeit nicht abzusehen, wie lange dieser wirtschaftliche Aufschwung noch anhält und ob danach wieder die Zeit der Rattenfänger und Dämagogen anbricht.

Ich habe in einem kürzlichen Beitrag zu erklären versucht, wieso die demokratischen und pluralistischen Vorstellungen in unserer Bevölkerung noch nicht so fest verankert sind wie bspw in westlichen Staaten. Zur Zeit geht es den Leuten gut, weshalb es vielen leichter fällt, konstruktiv und tolerant mit dem anderen umzugehen. Aber wie dauerhaft diese Entwicklung sein wird, wird man wohl erst sehen können, wenn diese Auflagen auslaufen oder es dem Land wieder einmal ein paar Jahre wirtschaftlich etwas schlechter geht.

Dass die Türkei eine so starke Auseinandersetzung zwischen Tradition und Moderne erlebt hätte ich nicht gedacht. In den letzten Jahren schien mit dem wirtschaftlichen Aufschwung auch eine Teilhabe von mehr Menschen am gesellschaftlichen Leben einherzugehen. Dass man angesichts der aussenpolitischen Lage Ruhe im Land haben will ist zwar nachvollziehbar führt aber -zumindest von Aussen betrachtet- genau zum Gegenteil.

WIe v.z.d. es formuliert hat, dem wirtschaftlichen Aufschwung muss sich eine gesellschaftliche Teilhabe möglichst breiter Schichten anschliessen, um ein Land auf eine solide Basis zu stellen. Vor wenigen Jahren wurde die Türkei noch als Vorbild in der Region gesehen.Wenn du dir heute die Berichte und Artikel dazu durchliest stellst du fest, dass sich dies sehr gewandelt hat. Obwohl die Regierung mit einer absoluten Mehrheit agieren kann, nutzt sie diese nicht um neue Freiräume zu schaffen, sondern um sie in manchen Bereichen einzuschränken. Eine starke Regierung hat das eigentlich nicht nötig.

Die Erwartungen einer Demokratie westlichen Zuschnitts habe ich an die Türkei nie gehabt. Die Erwartung, dass die Türkei einen eigenen Weg und eine eigene Form von Stabilität findet, die sich nicht nur auf den wirtschaftlichen Sektor beschränkt, diese Erwartung hatte ich schon. Dass nun Debatten über Kopftücher, Alkoholgenuss oder Abtreibung geführt werden halte ich für vertane Chancen in eine moderne Gesellschaft aufzubrechen, die der wichtigen Rolle die die Türke in der Region spielt gerecht wird. Trotzdem teile ich deinen grundsätzlichen Optimismus, dass auch dies nur eine Phase ist, die sich vielleicht so zutragen muss um bestimmten Gruppen in der Gesellschaft entgegenzukommen, bevor man weitergehen kann.
 
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