Schwarzer ist Frauenrechtlerin. Dafür muss sie nicht unbedingt lesbsich sein.
Dass die Opfer in dem Geschäft zumeist Frauen sind und die Täter überwiegend Männer, ist auch keine Erkenntnis, zu der nur Lesben kommen können.
Wer hat das behauptet?
Ich finde die eindeutige Zuschreibung von Täter und Opfer prinzipell fragwürdig. Schon vor einer geschlechtlichen Zuordnung.
Es gibt etliche andere Sichtweisen auf handelnde Subjekte. Dass man sich auf diese eine versteift, empfinde ich als überholt und wenig sachdienlich.
http://buchblinzler.blogspot.de/2013/11/alice-schwarzer-zuchtige-blumenkranze.html
"Alice Schwarzer hat wieder einmal eine Kampagne gestartet, diesmal gegen Prostitution. Sagt sie. In Wirklichkeit war allerdings fast durchgehend von Menschenhandel die Rede. Das ist ein Unterschied, aber eine genaue und differenzierte Herangehensweise war in den Beiträgen der Podiumsteilnehmer leider nicht zu erkennen.
Dagegen regte sich Widerstand. Bereits draußen vor dem Eingang wurden Materialien verteilt, die sich kritisch mit der neuen Anti-Prostitutions-Kampagne von Alice Schwarzer auseinandersetzen. Drinnen im Saal wurde dann ganz schnell deutlich, dass recht viele Prostituierte anwesend waren und sich mit dem Buch genauso wenig einverstanden zeigten wie mit der Besetzung des Podiums."
[...] Auf dem Weg nach draußen hatte ich noch ein interessantes Gespräch mit einer Prostituierten, die bedauerte,
dass Alice Schwarzer diese unsinnige Gleichsetzung von Menschenhandel und Prostitution mache. Gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution hätte sie alle auf ihrer Seite, denn das ist schlicht und ergreifend Vergewaltigung.
Noch besser wäre es, wenn Alice Schwarzer stattdessen den Kampf gegen Armut aufnehmen würde. Denn ein bedingungsloses Grundeinkommen würde viele Probleme lösen. [...]
Diesen Hinweis aus dem Artikel finde ich auch noch bemerkenswert:
Die Auswüchse der (Armuts-)Prostitution werden sich nicht über eine Strafverfolgung jedweder Richtung lösen lassen, sondern so lange bestehen, wie alle Welt glaubt, dass sie sich einzig vom Geld regieren lassen müsse.
Wenn man dann noch die inhaltliche Nähe der kapitalistischen Wirtschaftsreligion ("Kredit" von Credo, ich glaube, und "Schulden") zur moralistischen Forderung nach Strafen (egal ob für Freier oder Prostituierte) betrachtet, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass der Appell wie der Fisch gewaltig vom Kopf her stinkt.
Sind Männer nicht auch irgendwie Opfer, wenn sie für Sex bezahlen MÜSSEN?
Ja, und?
Nebenbei bemerkt würde ich mir eine Welt wünschen, in der Prostitution überflüssig ist, weil sich die Geschlechterverhältnisse entkrampft und von gegenseitigen Schuldzuweisungen befreit haben, seien sie nun bewusst oder unbewusst vorgebracht.
Der Weg bis dahin erfordert sicherlich noch einige gesellschaftliche und psychologische Anstrengungen, viel Aufklärungsarbeit und Einfühlungsvermögen in die Belange des Seelischen. Es schlummern noch so viele Leichen in den Kellern der menschlichen Herzen jedweden Geschlechts.
So lange sehe ich in der Prostitution (in einem engeren Rahmen) ein probates Mittel der kollektiven wie individuellen Selbstfindung, bei der die gegenwärtige Debatte mit allen vorgetragenen Positionen natürlich Teil eines (viel größeren) Prozesses ist.