„Ja, eine Welt ohne Prostitution ist denkbar!“

Schwarzer ist Frauenrechtlerin. Dafür muss sie nicht unbedingt lesbsich sein. Dass die Opfer in dem Geschäft zumeist Frauen sind und die Täter überwiegend Männer, ist auch keine Erkenntnis, zu der nur Lesben kommen können.
 
Schwarzer ist Frauenrechtlerin. Dafür muss sie nicht unbedingt lesbsich sein.

Wer hat das behauptet?

Dass die Opfer in dem Geschäft zumeist Frauen sind und die Täter überwiegend Männer, ist auch keine Erkenntnis, zu der nur Lesben kommen können.

Ich finde die eindeutige Zuschreibung von Täter und Opfer prinzipell fragwürdig. Schon vor einer geschlechtlichen Zuordnung.

Es gibt etliche andere Sichtweisen auf handelnde Subjekte. Dass man sich auf diese eine versteift, empfinde ich als überholt und wenig sachdienlich.
 
Dementsprechend würde ich auch nicht jeder Frauenrechtlerin unterstellen, dass sie die Welt einzig in Täter und Opfer einteilt. Nicht nur die feministischen Diskurse sind m.W. längst fortgeschritten und zu komplexeren Gedanken fähig.
 
Wer hat das behauptet?



Ich finde die eindeutige Zuschreibung von Täter und Opfer prinzipell fragwürdig. Schon vor einer geschlechtlichen Zuordnung.

Es gibt etliche andere Sichtweisen auf handelnde Subjekte. Dass man sich auf diese eine versteift, empfinde ich als überholt und wenig sachdienlich.


Du bist für eine "differenziertere" Betrachtung von Prostitution, der Frauen, die das ausüben und auch der Freier.
Schön, aber dazu gehört dann nun mal sicher nicht nur, aber auch der Aspekt Zwang, Druck, Gewalt, Menschenhandel. Und es ist doch nun mal Fakt. dass das wohl eher die Sexarbeiter als deren Kunden betrifft. Und dass Sexarbeiter in der allüberwiegenden Masse Frauen sind und Kunden Männer.
 
Ja, und?

Nebenbei bemerkt würde ich mir eine Welt wünschen, in der Prostitution überflüssig ist, weil sich die Geschlechterverhältnisse entkrampft und von gegenseitigen Schuldzuweisungen befreit haben, seien sie nun bewusst oder unbewusst vorgebracht.

Der Weg bis dahin erfordert sicherlich noch einige gesellschaftliche und psychologische Anstrengungen, viel Aufklärungsarbeit und Einfühlungsvermögen in die Belange des Seelischen. Es schlummern noch so viele Leichen in den Kellern der menschlichen Herzen jedweden Geschlechts.

So lange sehe ich in der Prostitution (in einem engeren Rahmen) ein probates Mittel der kollektiven wie individuellen Selbstfindung, bei der die gegenwärtige Debatte mit allen vorgetragenen Positionen natürlich Teil eines (viel größeren) Prozesses ist.
 
http://buchblinzler.blogspot.de/2013/11/alice-schwarzer-zuchtige-blumenkranze.html

"Alice Schwarzer hat wieder einmal eine Kampagne gestartet, diesmal gegen Prostitution. Sagt sie. In Wirklichkeit war allerdings fast durchgehend von Menschenhandel die Rede. Das ist ein Unterschied, aber eine genaue und differenzierte Herangehensweise war in den Beiträgen der Podiumsteilnehmer leider nicht zu erkennen.
Dagegen regte sich Widerstand. Bereits draußen vor dem Eingang wurden Materialien verteilt, die sich kritisch mit der neuen Anti-Prostitutions-Kampagne von Alice Schwarzer auseinandersetzen. Drinnen im Saal wurde dann ganz schnell deutlich, dass recht viele Prostituierte anwesend waren und sich mit dem Buch genauso wenig einverstanden zeigten wie mit der Besetzung des Podiums."

Diesen Hinweis aus dem Artikel finde ich auch noch bemerkenswert:


[...] Auf dem Weg nach draußen hatte ich noch ein interessantes Gespräch mit einer Prostituierten, die bedauerte,
dass Alice Schwarzer diese unsinnige Gleichsetzung von Menschenhandel und Prostitution mache. Gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution hätte sie alle auf ihrer Seite, denn das ist schlicht und ergreifend Vergewaltigung.
Noch besser wäre es, wenn Alice Schwarzer stattdessen den Kampf gegen Armut aufnehmen würde. Denn ein bedingungsloses Grundeinkommen würde viele Probleme lösen. [...]

Die Auswüchse der (Armuts-)Prostitution werden sich nicht über eine Strafverfolgung jedweder Richtung lösen lassen, sondern so lange bestehen, wie alle Welt glaubt, dass sie sich einzig vom Geld regieren lassen müsse.

Wenn man dann noch die inhaltliche Nähe der kapitalistischen Wirtschaftsreligion ("Kredit" von Credo, ich glaube, und "Schulden") zur moralistischen Forderung nach Strafen (egal ob für Freier oder Prostituierte) betrachtet, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass der Appell wie der Fisch gewaltig vom Kopf her stinkt.
 
Diesen Hinweis aus dem Artikel finde ich auch noch bemerkenswert:

Die Auswüchse der (Armuts-)Prostitution werden sich nicht über eine Strafverfolgung jedweder Richtung lösen lassen, sondern so lange bestehen, wie alle Welt glaubt, dass sie sich einzig vom Geld regieren lassen müsse.

Wenn man dann noch die inhaltliche Nähe der kapitalistischen Wirtschaftsreligion ("Kredit" von Credo, ich glaube, und "Schulden") zur moralistischen Forderung nach Strafen (egal ob für Freier oder Prostituierte) betrachtet, kann man eigentlich nur zu dem Schluss kommen, dass der Appell wie der Fisch gewaltig vom Kopf her stinkt.

Ein bedingungsloses Grundeinkommen wird es mit Schwarzer nicht geben, weil, das würden ja auch Männer bekommen!
 
Sind Männer nicht auch irgendwie Opfer, wenn sie für Sex bezahlen MÜSSEN?


Sorry, aber die Rollenverteilung, die "Gefahren" für Freier auch nur ansatzweise vergleichen zu wollen ist ja wohl eine massive Verhöhnung gerade der Frauen, die Opfer von Zwang, Vergewaltigung und Gewalt in diesem Zusammenhang werden. Und das Potenzial dafür in dem Bereich kann doch niemand ernsthaft bezweifeln. Ich bin sicher keine Kampfemanze, aber ich kann gerade nicht beschreiben, wie angewidert und wütend mich solche Worte machen. Mensch, du bist ein intelligenter Mann und ich denke auch, mit einem "normalen" Menschen- und Frauenbild.
 
Ja, und?

Nebenbei bemerkt würde ich mir eine Welt wünschen, in der Prostitution überflüssig ist, weil sich die Geschlechterverhältnisse entkrampft und von gegenseitigen Schuldzuweisungen befreit haben, seien sie nun bewusst oder unbewusst vorgebracht.

Der Weg bis dahin erfordert sicherlich noch einige gesellschaftliche und psychologische Anstrengungen, viel Aufklärungsarbeit und Einfühlungsvermögen in die Belange des Seelischen. Es schlummern noch so viele Leichen in den Kellern der menschlichen Herzen jedweden Geschlechts.

So lange sehe ich in der Prostitution (in einem engeren Rahmen) ein probates Mittel der kollektiven wie individuellen Selbstfindung, bei der die gegenwärtige Debatte mit allen vorgetragenen Positionen natürlich Teil eines (viel größeren) Prozesses ist.

Ich verstehe das so, dass es um gesellschaftlichen Umgang, dementsprechend Werte in Bezug auf Sexualität, Moral, auch Sex und Liebe, Beziehung, Monogamie, Treue.... geht. Unter dem Aspekt verstehe ich die Sichtweise.

Allerdings gibt es eben auch sehr unterschiedliche Gründe, warum Freier Sex, eine Frau kaufen. Viele wahrscheinlich tatsächlich sozusagen harmlos, um Bedürfnis nach Zärtlichkeit^^, körperlicher Nähe und Sex befriedigen zu können. Unter wenigen sozialwissenschaftlichen Untersuchungen gibt es aber auch jene, denen es um Ausleben eines Machtverhältnisses, vielleicht auch bis hin zu sadistischen Phantasien geht. Und da wären wir durchaus stark beim Rollenverhältnis. der Frage, ob man als Gesellschaft und Rechtssystem solche Möglichkeiten einräumt, akzeptiert. Da wären wir durchaus wieder bei den schwedischen Gründen Und zum Thema Erziehung durch den Staat, auch Politik. Ja, vielleicht kommt meine Prägung als Kind in einem autotitären System zur Geltung. Aber ich halte bis zu einem gewissen Grad eine solche Aufgabe und Verantwortung des Staates und auch Gesetzgebers auch für normal und notwendig.
 
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