AW: 13 Jahre...bald Happy-End?!?
Also, ich war schwanger und seeeeeehr glücklich. Nach der ersten Ultraschalluntersuchung, als festgestellt wurde, dass alles soweit in Ordnung ist, fing auch R. an sich zu freuen. Wir beschlossen dann im Mai/Juni zu heiraten. Wir waren noch bei der Planung, hatten also noch keinen festen Termin, als R. mich eines Mittags anrief und mir mit tränenerstickter Stimme sagte, dass sein Papa gestorben ist. Oh Gott, mein armer Schatz. Er tat mir so leid, denn er liebte seinen Baba sehr. Mir war sofort klar, dass R. natürlich in die Türkei muss um seinen Vater zu beerdigen. Ich half ihm bei seinen Vorbereitungen und sagte ihm, dass wir die Heirat einfach um ein paar Monate verschieben. Er war mir sehr dankbar, denn er hatte befürchtet, dass ich drauf bestehen würde. (Halllloooooo!!! Ich bin doch kein egoistisches Miststück!)
Mir war nur wichtig, dass unser Kind nicht unehelich geboren wird. Als R. aus der Türkei zurück kam, sagte er mir, dass er in 4 Wochen nochmals in die Türkei müsste, weil er einiges mit seiner Großmutter klären müsste, was sein Haus und seine Wohnung betreffen würde. Klar, Schatz, kein Problem! Er blieb ungefähr drei Wochen in der Türkei und kam am (glaube ich) 30. Juli zurück. Die drei Wochen ohne ihn waren einfach zum kotzen! Ich „genoss“ in der Zeit ziemlich heftig die „Freuden“ der Schwangerschaft und war ganz allgemein ein wenig angeschlagen.
Am 04. August hatte ich einen Termin bei meiner FA zur Ultraschalluntersuchung. Sie schaute lange auf den Bildschirm und sagte: „ Mit ihrem Kind stimmt was nicht. Er ist sehr klein und ich glaube an der Bauchdecke ist was. Das kann aber auch nichts sein. Sie müssen zur Prenataldiagnostik. Meine Sprechstundenhilfe wird einen Termin machen.“ Ich war wie betäubt. Ich bekam zu Glück schon für den 8. August einen Termin bei Dr. J. Aber das Wochenende war heftig. Ich heulte nur noch und war extrem nervös. Nachts schreckte ich immer wieder aus Alpträumen hoch, tagsüber konnte ich nur an unseren Sohn denken. Und R.? Er war genauso nervös, aber dieses Mal war er der Stärkere.
Also bin ich am 8. Zur Prenataldiagnostik. Dr. J. war sehr nett und machte als erstes eine große Ultraschalluntersuchung. Er sagte mir dann sofort, dass mit meinem Kleinen Puper alles okay sei was die Bauchdecke betrifft, aber er sei sehr klein und auch zu leicht. Ich bekam dann einen neuen Termin für den 25. August. Puh, war ich erleichtert. Es war nichts schlimmes, er war nur klein. Aber das war meine Schwester auch.
Die nächsten zwei Wochen waren einfach nur schön. R. und ich gingen shoppen, denn ich brauchte Schwangerschaftssachen. R. wollte mir dann für jede Woche der weiteren Schwangerschaft mindestens 3 Hosen und Oberteile holen. Ich hielt ihn davon ab, denn wer konnte schon sagen wie schnell mein Bauch noch wächst. Ich hatte ja noch ca. 3 Monate und ich wusste, dass der Bauch die letzten 4-6 Wochen extrem wächst!
Am 25. August ging ich dann auch gut gelaunt zu meinem Termin mit Dr. J. Ich war felsenfest davon überzeugt, dass mit meinem Sohnemann alles in Ordnung ist. Er strampelte ja wie verrückt und trieb mich nachts aus dem Bett, weil er meine Blase so bequem fand. Ich hätte wissen müssen, dass ich schlechte Nachrichten bekommen würde. Dr. J. machte eine Doppleruntersuchung und sagte, dass meine Plazenta nicht optimal versorgt ist und dadurch auch mein Sohn. Was? Nein! Das kann nicht sein! Es geht ihm gut! ES GEHT IHM GUT! Ich bekam gleich eine Überweisung ins KH, denn Dr. J. sah ein, dass ich erst noch mein Köfferchen packen muss.
Ich rief als erstes R. an um ihm zu sagen, dass er nicht zu Arbeit kann, weil ich ins KH muss. R. versuchte auch alles um seinen Vertreter zu erreichen, aber es klappte nicht. Ich ging also zu meiner Mama (meine Mama ist Hausmeisterin an einer Realschule und musste um die Uhrzeit noch arbeiten). Sie war zum Glück gerade in ihrer Wohnung, weil sie einem Kollegen einer anderen Schule Geräte ausleihen musste. Natürlich merkte sie sofort, dass etwas nicht stimmt, wollte aber nichts sagen, solange der Kollege da war. Als der Kollege weg war erzählte ich meiner Mama was los war. Und brach zusammen: „Mama, ich habe noch nicht genug Scheiße mitgemacht, jetzt verlier ich auch noch mein Baby!“ Meine Mutter hielt mich nur fest und weinte mit mir. Sie rief dann ein Taxi und wir fuhren in die Klinik. Als erstes wurde ich ans CTG angeschlossen. Da lag ich dann drei Stunden! In dieser Zeit wurde mein Kleiner nicht ein Mal wach, egal was die Hebamme versuchte. Die Hebamme gab mir dann noch eine Spritze zur Lungenreifung. (AUUUUUUUUAAAAAA!) und ich konnte endlich meine Tasche auspacken. Anschließend gingen wir dann noch was essen, denn Schwangere wollen regelmäßig gefüttert sein!
Am späten Abend (meine Mama war mittlerweile nach Hause gefahren) musste ich noch Mal ans CTG. Da erklärte mir dann die Hebamme, dass ich in der darauffolgenden Woche einen Kaiserschnitt gemacht bekommen sollte. Na gut, wenn mein Kind dadurch leben kann. Ich rief dann noch Mal R. an und bat ihn mir am nächsten Morgen noch einige Dinge ins KH zu bringen, die ich in der ganzen Aufregung vergessen hatte. Von dem geplanten Kaiserschnitt erwähnte ich nichts, denn er war auch so schon nervös genug.
Am nächsten morgen sollte ich um 8 Uhr wieder ans CTG. Um kurz nach sechs kam dann eine Schwester und sagte ich soll schon rüber gehen, die Hebamme würde schon auf mich warten. Häääh? Ich sollte doch erst… Nein, sie sollen jetzt schon rüber. Okay, ich wasch mich schnell und gehe dann. Fünf Minuten später steht die Hebamme im Zimmer. Sie würden auf mich warten und ich solle mich beeilen! Ich beeilte mich doch schon! Am frühen morgen so eine Hetze und dann auch noch ohne Kaffee! Ich lag dann ungefähr eine Stunde da rum. Aber mein Sohn war auch wach! Als ich fertig war sagte man mir dann, dass ich um zehn Uhr noch Mal ans CTG muss und meine Krankenakte mitbringen soll. Klar, mach ich. Ich rief in der Zwischenzeit R. an und fragte ihn wann er kommen würde. „Schatz, sobald ich die Sachen alle geholt habe die Du brauchst bin ich da!“ Okay, ich bin ja geduldig!
Ich war dann um 9.45 Uhr wieder beim CTG, weil ich dachte, dass ich dann schneller fertig bin. Um kurz nach zehn kam dann eine sehr nette Hebamme und brachte mir sehr schonend bei, dass der Kaiserschnitt wahrscheinlich vorverlegt wird. „Okay“, dachte ich „wahrscheinlich auf Montag!“
Also keine Panik. Um 10.30 Uhr kam dann ein ziemlich junger Arzt rein, der mir dann mal eben vor den Kopf warf, dass ich heute auf den Tisch komme. Ich sagte gut, wann denn genau? Ich dachte wirklich der sagt um zwei oder drei Uhr… Und was sagt er? „Um elf Uhr!“ (Achtung! Jetzt kommen nur noch Dialoge!)
Ich: „Was? Nein!“
Dr.: „ Wie Nein?“
Ich: „ Ich bin allein hier! Mein Freund ist nicht da, meine Eltern nicht! Wie stellen sie sich das bitte vor?“
Dr.: „Rufen Sie ihre Eltern an, ihren Freund… die sollen SOFORT kommen!“
Oh Gott!
Ich versuchte sofort R. zu erreichen, aber er ging nicht ans Telefon. Wahrscheinlich lag das Handy im Auto. Also Mama anrufen. Verdammt! Keiner da!!! Also rief ich Papa an. Konnte ja sein, dass meine Eltern einkaufen sind.
Papa: „Wer ist da?“
Ich: „Papa ich bins. Ist die Mama in Deiner Nähe? Gib mir die mal, bitte.“
Mama: „Ja? Was gibst, Schatz?“
Ich (ich verwandelte mich in diesem Augenblick von einer erwachsenen Frau in eine heulende vierjährige!): „Mami, die wollen den Kleinen heute holen!“
Mama: „Wann denn?“
Ich: „In zwanzig Minuten!“
Mama: „Okay, wir sind unterwegs!“
Papa (im Hintergrund): „Schatz, wir kommen!“
Ich: „Okay!“
(Fortsetzung kommt sofort!)