30 Jahre Mauerfall

alterali

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mittenmang
Bei aller Freude, ja Euphorie begleitete ich das Ereignis von Anfang an mit Skepsis.


"Ein großer Fehler
Deutschland dürfe nie wieder ein Machtblock mitten in Europa werden"

Die Sache ist gegessen: Deutschland maßt sich viel an.

Ich denke heute auch, dass es für Bush nicht um die Wiedervereinigung, sondern um die Osterweiterung ging.
 
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Bintje

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5 Mai 2018
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Bei aller Freude, ja Euphorie begleitete ich das Ereignis von Anfang an mit Skepsis.

Das ging nicht nur Dir so. So klasse es war, dass die Mauer weg war und man auch ohne Pass rüber konnte.
Gemischte Gefühle inmitten allen Jubels. Weswegen ich mir für dieses Jahr konsequent vorgenommen hatte, den ganzen Wendekitsch zu schwänzen. Leider hatte ich komplett übersehen, dass die Medien schon weit vor dem 3. Oktober loslegen und jetzt noch immer nicht fertig sein würden damit.
Nein, ich will die Mauer nicht wiederhaben. Aber ein bisschen mehr ost-westliche Normalität wäre schön.

Und dann fällt einem wieder so was in die Hände, so eine Geschichte, bei der man nach Luft schnappt:
Warum ich mich nicht über den Mauerfall freuen konnte
Bei Dirk Kampling, geboren am 9. November, weckte die Maueröffnung Ängste statt Freude. Denn sein Vater, seine Mutter, sein Bruder und er selbst waren politisch inhaftiert - in der BRD und in der DDR.

Was für ein Mist! Die Leute tun mir einfach nur leid.

Noch mehr leid tun mir die, die nichts daraus gelernt haben, aus gar nichts. Wahlergebnisse aus infantilem "Protest", als "Abrechnung". Weil "man" ja angeblich gar-nichts-mehr-sagen-darf: geht's noch?
Die dadurch befeuerte, auf dem Vormarsch befindliche Kulturrestauration drückt sich in vielem aus, zum Beispiel auch darin: dass Deutschland wieder eine internationale "Gestaltungsmacht" sein soll. Militärisch, versteht sich.
Man achte auf die Zwischentöne. Aber vielleicht gibt's auch gar keine.
Vielleicht ist das wirklich so plump, wie es daherkommt. Keine Ahnung.

Das Blödeste ist die Vermutung, dass wir uns in zwei Jahren nach 2019 zurücksehnen werden.



 
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sommersonne

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19 März 2017
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Nein, das nicht. Aber es gab doch auch viele, gerade unter den Bürgerrechtlern, die einen anderen und besseren Sozialismus wollten. Mag sein das das eine nicht durchführbare Illusion war, versucht konnte es nicht werden, da die BRD uns schnellstens eingliedern wollte und dafür allerhand tat.

Wer sich wirklich dafür interessiert, der sollte mal das Buch von Siegfried Wenzel "Was war die DDR wert?" lesen. Der war auch bei den Beitrittsverhandlungen dabei.
 
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Bintje

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(...) da die BRD uns schnellstens eingliedern wollte und dafür allerhand tat.

Davon war anfangs noch gar nicht die Rede. Die Leute stimmten einfach mit den Füßen ab, der frühere Klassenfeind wurde nicht gefragt. Die Ansage lautete so:
"Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!"

Das entfaltete einen enormen Druck. Sonst wäre die Geschichte sicherlich anders verlaufen, viel langsamer.
Infolgedessen tat die Bonner Republik eine Menge, um den Massen-Zuzug von Wirtschaftsflüchtlingen - inzwischen würde es der Zeitgeist so nennen, wenn es Menschen anderer Hautfarbe aus Bürgerkriegsländern beträfe - einzudämmen. Mit Erfolg: Kohl, damals eigentlich schon reif für den Rücktritt, wurde nicht zuletzt dank der Stimmen aus dem Osten wiedergewählt und hinterließ bei seinem Abgang geleerte Sozialkassen, um die sich anschließend Rotgrün kümmern durfte. So war das. Auch.
 

sommersonne

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19 März 2017
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Zum Glück war ich dabei und kann berichten wie schnell Leute, die wir ala Agitatoren erkannten, hier aufschlugen und den Leuten erzählten wie schön.doch der Westen sei. Leute aus CDU umd SPD, Medienleute auch.
Man kann den DDR-Bürgern auf jeden Fall vorwerfen darauf herein gefallen zu sein. Aber für die Dynamik die sich daraus entwickelte können sie wohl nichts. Die ist fast gesetzmäßig und paßte Herrn Kohl und seiner Partei sehr wohl gut ins Konzept. Es gab gerade kleine Schwierigkeiten, die nun nicht mehr ins Gewicht fielen.

Das wißr ihr aber selbst viel besser.
Schreiben mit dem Smartphone ist mühsam, sonst hätte ich mich noch mehr ausgelassen. Lest am Besten das Buch, dann wird alles klarer
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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"Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!"
Das habe ich so auch im Ohr. Nicht als Vorwurf. Ohne Schuld waren sie auf dern falschen Seite der Mauer gesessen, wurden um vieles betrogen, und wollten so schnell wie möglich so viel, wie noch ging, noch nachholen.

Die Ost-Artikel lagen in den Regalen wie Blei. Alle wollten sie West-Zeugs. Und noch heute vergleichen sie sich nicht mit den Polen oder Tschechen oder Ungarn, sondern mit den Westdeutschen.
 
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Alubehütet

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29 Januar 2017
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Zum Glück war ich dabei und kann berichten wie schnell Leute, die wir ala Agitatoren erkannten, hier aufschlugen und den Leuten erzählten wie schön.doch der Westen sei. Leute aus CDU umd SPD, Medienleute auch.
Glücksritter. Verkrachte Existenzen aus dem Westen, die sich mit Ossi-übers-Ohr-hauen sanieren wollten. Im selben Sinne später die Nazis. Überhaupt dann zweite Wahl, die sich aber auskannten mit der Bundesrepublik. Schlechte Juristen, aber eben BRD-Recht-Juristen.
 

sommersonne

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19 März 2017
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Du hast es ja auch richtig im Ohr. Das wurde gerufen.
Viele sahen ja auch beim Begrüßungsgeld abholen zum ersten Mal übervolle Geschäfte und den ganzen schönen Überfluß. Das Begrüßungsgeld hat seinen Zweck erfüllt. Das wollte man nun auch, klar.
In gewisser Weise sind wir aich selbst Schuld wenn der ein oder andere Produzent hier Pleite ging. Wir kauften ihre Produkte ja kaum noch.

Ich weiß noch wie enttäuscht ich war das es in jedem Land in das ich kam in den Lebensmittelabteilungen, aber nicht nur da das Gleiche gab.