Würde ich widersprechen! Der Grund für die starke AfD (und die kurzzeitig "starke" NPD) ist eindeutig die Nichtbeachtung der Probleme der Menschen von Seiten der "alteingesessenen" Parteien. Diese Neglektion führte zu der Erkenntnis, das die "großen" Parteien sich nicht um den kleinen Mann scheren. Ich schreibe "alteingesessenen" und "große" bewußt in Anführungsstrichen, da es solches, außer der Linkspartei, im Osten nicht gibt (ja, es gab CDU, FDP, NPD etc pp auch in der DDR, nur war es eher Schein als Sein). Meiner Meinung nach eine vollkommene Fehlanalyse von euch beiden.
Affirmativ? Wie soll sich dies denn bitte ausgedrückt haben?
Natürlich, ist ja auch ein Leipziger! Ich wiederum kann Leipzig nichts abgewinnen........sehe es als ähnliche Rivalität wie zwischen Köln und Düsseldorf.
Komisch.....das mußt du mir jetzt mal mathematisch erklären wie es möglich ist, daß wenn beide Parteien Prozentpunkte gewinnen, die Wählerwanderung von der einen zur anderen vonstatten gehen kann.
Ja, da hast du Recht, aber nicht wegen der dir angenommenen Gründe sondern eher wegen fehlender Demokratie an sich^^
Sicher, nur die angeblich fehlende Entnazifizierung hat absolut gar nichts damit zu tun!
Pegidaveranstaltungen kamen selbst im Osten nicht über 200 Leute hinaus. Was ist also deine Aussage?
Bingo, du hast es endlich erfasst! Dies und das noch nicht so entwickelte Demokratieverständnis.....
Dann nimm doch auch meine Ansichten als Erkenntnis an, über die du nachdenken kannst, um zu verstehen. Stur an dem eigenen Dogma und Meinungen festzuhalten hat nichts mit dem Wunsch zu tun, verstehen zu wollen!
Ich gehe mit deinem post mal in diesen thread, weil es besser paßt.
Nach der Wende gab es nur eine große Partei in der EX-DDR, nämlich die Nachfolgepartei der SED, deren größter Konkurrent Kohls CDU war, der blühende Landschaften versprochen hatte. Da Sachsen (schon seit Kaisers Zeiten) der bedeutendste Industrie- und Technologiestandort der DDR war, kam es vor allem darauf an, dort den Ministerpräsidenten zu stellen (Vogel), was ja auch gelang. Den rechten Rand Sachsens konnte die CDU aber auch damals nicht integrieren, und der war stärker als gedacht, für mich jedenfalls völlig überraschend. Denn wenn ich in einer Sache Vertrauen in die DDR hatte, dann darin, daß die politische Bildung so umfassend war, daß es für alte und neue Nazis gar kein Material gab, an dem sie sich hätten "bilden" können. Der Stalinismus, der natürlich auch verbreitet war, ist ja etwas anderes und auf den bezieht sich die neue, radikal Rechte ja auch nicht.
Darum schrieb ich auch nicht, daß die großen Parteien der AfD hinterherlaufen, sondern sämtliche Parteien, einschließlich der einstmals großen Partei von Obergrenzen-Wagenknecht. Der Leipziger Student nannte z. B. auch ausdrücklich die Grünen und die SPD, die in Sachsen offenbar auch im Modus des Eiertanzes stehen.
Zum Begriff affirmativ wurde heute eine Karikatur von
http://www.koufogiorgos.de/bilder/270916_dresdenfarbe_small.jpg
gezeigt:
Text: Sprechstoffanschlag in Dresden, 10 Stunden später begann die Polizei mit der Sicherung des Tatorts, die Ermittlungsergebnisse werden zeitgleich mit der Eröffnung des Berliner Flughafens erwartet.
Es geht bei der unterschiedlichen Bewertung von Leipzig und Dresden nicht um Karnevalsrivalen. Es geht um unterschiedliche Konzepte. Aus der Ferne (ich weiß, daß die Uni Leipzig das Zentrum des wissenschaftlichen Marxismus war, und das meine ich jetzt nicht ironisch), vermute ich, daß diese Tradition einen größeren Widerstand gegen AfD/Pegida auf die Beine stellt als Dresden, wo vor allem die Tradition der ungerechten Bombardierung hochgehalten wird, ohne etwa zu bedenken, daß Bombardierung der Industriestandorte in Hamburg, im Ruhrgebiet, im Rheinland 90% der Innenstädte vernichtete einschließlich ihrer Fabriken, Zechen, Infrastruktur. Von den zivilen Opfern nicht zu sprechen. Auch München, Nürnberg usw. lagen in Schutt und Asche. Dennoch gibt es in keiner dieser Städte Aufmärsche anläßlich der Bombardierungen, dafür
täglich Einsätze zur Sprengstoffbeseitigung und Evakuierungen.
Noch ein Zusatz @ aus der Ferne: In meiner Jugend war ein guter Freund Sachsen-Axel. Er war ausgetauscht worden. Er hatte in der DDR wegen Schleusertätigkeit gesessen. Er erzählte mir mal vom Bildungssystem, auch wie er in der Grundschule schon zum Leistungsschwimmen aussortiert wurde und ins Schwimm-Internat mußte.
Und dann gibt es noch den besten Freund meines Vaters aus Kriegstagen, auch ein Sachse (natürlich beide tot inzwischen), der war katholischer Pfarrer in Thüringen, also in der Diaspora. Es gab einen Vorteil für ihn in der DDR: kein Mensch interessierte sich dafür, daß er mit seiner Haushälterin in einer eheähnlichen Gemeinschaft lebte. Auch an seine Erzählungen erinnere ich mich und wie kompliziert es immer war, wenn er mal in den Westen mit Fräulein sowieso wollte. Alles andere war eine einzige Heimlichtuerei.
Fehlende Entnazifizierung ...
In dieser Hinsicht sehe ich große Mängel auf beiden Seiten, nur gab es in der DDR keine Möglichkeit, den ehemaligen NSDAP Prof, der nun in der SED war, überhaupt öffentlich beim Namen zu nennen. So etwas wäre als imperialistische und faschistische Propaganda mit Zuchthaus bestraft worden.
Pegidaveranstaltungen brachten Zehntausende in Dresden auf die Straße. Die ganze Welt berichtete.
Es wird Zeit, daß sich so etwas wie ein demokratisches Bewußtsein herausbildet. Dies meinte ich, als ich sagte, keine Scheinprobleme aufzutürmen, sondern mal ans Grundproblem zu gehen. Da ist auch die Administration gefragt. Man muß schon Demokratie wollen.