Afghanistan

sommersonne

Well-Known Member
Vor allem brauchen die jungen Kerle erst mal Arbeit. Angeblich ist ja der Krieg zu Ende. Von was sollen die alle leben? Über kurz oder lang wird es dann ja auch Kinder geben.
Ob Katar so viel Geld locker machen wird? Oder jemand anderes.
Klingt zwar für unsere Ohren nicht so gut, wenn aber die Frauen ohne männliche Begleitung nicht mehr aus dem Haus dürfen, dann brauchen sie einen Mann. So bitter das ist. In manchen Familien gibt es seit kurzem keinen Vater oder Bruder mehr.
 

Bintje

Well-Known Member
Was sich diesmal wirklich lohnt: Die Titelstory des neuen "Spiegel" von Christoph Reuter, die ich förmlich verschlungen habe - nüchtern erzählt, kenntnisreich und frei von jenem Pathos, das sich momentan durch viele Afghanistan-Berichte zieht.

Reuter ist einer der wenigen Gründe, aus denen ich das Blatt noch lese. Nach Christoph Sydows tragischem Tod im vergangenen Jahr ist er m.E. der letzte Kundige in der Redaktion, der den Nahen und Mittleren Osten exzellent kennt und so realitätsnah und hintergründig beschreiben kann wie kein anderer. Nur hat er die fatal an Relotius erinnernde Überschrift zu dem Stück für meinen Geschmack nicht verdient... : / ; )

Was mir die Taliban über ihre Pläne erzählten

Anfang Juli traf ich einen der führenden Militärkommandeure der Taliban. Ich fragte, wann seine Truppen nach Kabul kämen. Seine Antwort: »Sie sind längst da.« Wie es so weit kam – und wie es nun weitergeht. Die SPIEGEL-Titelstory.



ps Reuters Report zufolge sickerten die Taliban über Wochen und Monate in Kabul ein - weit vor ihrer Machtübernahme tarnten sie sich als Jobsuchende & Wachleute, Karussellbetreiber und Putzleute. Und als es vermeintlich erst losging, waren sie da, ähnlich wie bei der Tet-Offensive im Vietnamkrieg. Soll ich noch weiterschreiben? Nee, lest es selbst! Lohnt sich.
 

Alubehütet

Well-Known Member
Ich wage im Moment noch keine Voraussagen. Das wahre Gesicht der Taliban muss sich jetzt erst noch mal zeigen. Ich war ja letztes Jahr mit den Taliban für mehrere Tage unterwegs. Trotzdem könnte ich jetzt nicht sagen, so sind die Taliban. Es gibt einen moderaten Flügel, der überwiegend von den älteren Führern der Taliban repräsentiert wird, und dann gibt es einen radikalen Flügel auch, zu dem sehr viele junge Kommandeure und junge Kämpfer gehören. Ich habe den Eindruck, dass diese jüngeren Leute in den letzten Jahren stark von der Ideologie auch des „Islamischen Staates“ beeinflusst wurden.

Sie müssen wissen, dass im Moment Afghanistan noch unter einer ganz anderen Katastrophe leidet, der eigentlichen Katastrophe im Prinzip, nämlich einer furchtbaren Dürre. Afghanistan gehört zu den Ländern auf der Welt, die am meisten unter der Klimaveränderung zu leiden haben. Ich war noch vor ein paar Wochen in Kandahar gewesen, mittlerweile auch in Taliban-Hand, und dort hatte es seit Wochen und Monaten nicht mehr geregnet. Ganze Dörfer waren verlassen und deren Einwohner sind in die größeren Orte gezogen, weil die Felder brachlagen, alles trocken war, es kein Wasser mehr gab. Afghanistan wird in Zukunft noch sehr viel ärmer sein und diese Armut ist natürlich explosiv. Damit muss dann das Taliban-Regime umgehen und ich habe meine Zweifel, dass die dann imstande sind, auf Dauer die Leute mit religiösen Sprüchen zufriedenzustellen. Irgendwann muss sich auch wirtschaftlich was in diesem Land bewegen und da sehe ich im Moment keine Perspektive.
 
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