Amerika Du hast es besser!

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Pit 63

Guest
Das nicht wirklich, kenne ich kaum US-Bürger.

Was mir aber eben sauer aufstößt ist das van mir so empfundene pauschale Amerikabashing. Die Nation ist viel zu heterogen als das man es unter "die USA" zusammenfassen könnte.

Zum Beispiel die immer wieder bemühte Amerikanisierung Europas. Das ist in den letzten 50 Jahren nicht passiert und wird auch in den kommenden 50 Jahren nicht passieren.

Warum siehst Du das so?
Wenn ich in politischen Zusammenhängen von Amerika spreche, meine ich damit die Staatsvertreter oder besser das tradierte Staatswesen und die dahinterstehenden verantwortlichen gesellschaftlichen Kräfte. Ich habe absolut nichts gegen Amerikaner an sich.
Die zunehmende Amerikanisierung Europas, insbesondere Deutschlands nach dem zweiten Weltkrieg -natürlich nicht zu 100 Prozent- ist doch aber eine offensichtliche Tatsache. Kampfarena sind die Medien, in denen die Kulturgüter transportiert werden.
In den USA sind Kulturgüter ebenfalls Wirtschaftsgüter, die vermarktet werden. Fast alles ordnet sich dort ökonomischen und damit Privatinteressen unter. Die Amerikanisierung wird also von der Wirtschaft vorangetrieben- zwangsläufig.
 

Skeptiker

Well-Known Member
@Pit 63 ja aber was ist dieses tradierte Staatswesen? Die Gründerväter, auf welche sich die Tea Party beruft? Teddys New Deal? Henry Fords Wohlstand für alle? Die Souveränität der Einzelstaaten der Konföderation? Die Neokons der Cheneys, Bushs etc. pp.?

Die Amerikanisierung Europas hat bis jetzt keinen langweiligen, staatsfinanzierten, zweistündigen französischen, als kulturell wertvoll geltenden, Spielfilm verhindert. Die Amerikanisierung hat auch in Deutschland nicht die befürchtete 1-99 Gesellschaft gefördert.....eher im Gegenteil. War die Gesellschaft in den 1960-ern in Amerika noch gerechter als in Deutschland, ist die Gerechtigkeit in Deutschland konstant gestiegen.......im Unterschied zu den USA, wo die 1:99 Gesellschaft wirklich nicht mehr weit entfernt ist.

Was ist also diese Amerikanisierung?
 
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Pit 63

Guest
Die Amerikanisierung ist ein individual- und sozialpsychologischer Prozess, der fortwährend stattfindet-gerade versärkt- siehe TTIP als nur ein Beispiel.
Zugespitzt wird folgende Mentalität vermittelt:
Wettbewerb geht über Solidarität- Profit ist wichtiger als der Mensch- Mobbing schon an Schulen ist ganz normal, sind sie zu stark, bist Du zu schwach- Familie ist alles- der Einzelkämpfer gestaltet die Welt, nicht das zusammenarbeitende Kollektiv- unbegrenzter Reichtum ist gut, the winner takes it all- Calvinismus- Sozialdarwinismus- Technokratische anstatt humanistische Bildung- Governance statt Government- eine gute show ist immer besser als die Tatsachen- Werbung und reizüberflutendes Fernsehen fürs Inn- und Ausland für alle Zielgruppen- Heterogenität besteht begrenzt im Privatbereich und wird im Zweifel ökonomischen Interessen untergeordnet- wie eigentlich alles andere auch- die Parteien sind kapitlaistisch- lobbyistisch gesteuerte Machtsysteme mit unterschiedlichem Profil, das meiste, was dabei rauskommt sind die typischen amerikanischen Show- Reden mit sentimentaler Rhetorik. Die Menschen werden offensichtlich für Kinder gehalten, die man zu Tränen rühren muss.

Auch hier in Deutschland ist das substanzlose Appelieren inzwischen Standard- nur ohne Tränen, in den siebzigern gab es das aber so noch nicht.

Die amerikanische Gesellschaft ist eine Ellbogengesellschaft. Sie fusst auf privaten Konflikten, auf der Konkurrenz der Bürger, die um Macht und Wohlstand miteinander ringen.
Das sozialdarwinistische System dominiert in allen gesellschaftlichen Bereichen (Zwischen Staat und den Staaten, den Reichen untereinander, den gesellschaftlichen Gruppen usw.). Diese Machtkämpfe werden in tradierten gesellschaftlichen Rollen und Gewändern showmässig ausgetragen. (Republikaner gegen Demokraten usw.) Diese scheinbaren Unterschiede ändern nichts an den ungeschriebenen Regeln und umfassenden kapitalistisch- lobbyistisch begründeten Sachzwängen für alle. Aus diesem Machtkorsett kommt idR keiner raus.
Natürlich, gerade in den USA ist aufgrund des Individualismus manches möglich, was woanders nicht stattfindet- Privatinitiativen entstehen und erreichen bestimmte Gerichtsentscheidungen oder politische Massnahmen . Unterm Strich sind das aber nur Schlaglichter, die den gesellschaftlichen lobbykratischen Machtprozess nicht stoppen. Der Mittelstand in den USA ist längst verschwunden. Lohndumping, Fracking, Privatfernsehen, gekauftes Recht, gewalttätiges Hegemoniestreben in der Aussenpolitik usw. usw. die Liste der Einseitigkeiten und Fehlentwicklungen aufgrund der fehlenden sozialen Komponente ist lang.
 
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Pit 63

Guest
Im Bereich Unterhaltung waren und sind die Amerikaner Top, das ist keine Frage. Im Entertainment geht es darum, Stimmungen zu erzeugen und das können sie sehr gut.
Die Europäer schnallen einfach nicht, dass es im Unterhaltungssektor primär eben nicht darauf ankommt, was man sagt sondern wie man es sagt.
Wenn dann die story dann noch gut ist, ist es perfekte Unterhaltung.
Selbst eine schlechte story kann noch so gut verpackt werden, dass man sich die Sache anschauen kann, wenn man aufs Nachdenken verzichtet während die beste story einfach nur nervt, wenn sie schlecht umgesetzt ist.
 
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Pit 63

Guest
Die Macht der amerikanischen Waffen- oder der Knastlobby sagt exemplarisch eigentlich schon alles über den Zustand der US-Gesellschaft. Für sich genommen zeichnen die Statistiken über Gefängnisinsassen, Waffenhalter oder Schusswaffenopfer bis hin zu kleinen Kindern das Bild einer gewaltgeilen kriminellen Nation- was die amerikanische Bevölkerung an sich nicht ist, das ist mir klar.
 

Skeptiker

Well-Known Member
Ich sehe es evtl nur nicht so schwarz wie du. Sicher, due von dir genannten Themen sind essentiell, aber für jedes dieser Beispiele gibt es ein Gegenbeispiel in der amerikanischen Gesellschaft, die eben diese anprangert. Lassen wir die Amerikaner ihr System und wir kümmern uns um unseres. Da sehe ich ebenfalls nicht schwarz. Selbst wenn TTIP billige US-Amerikanische Waren nach Europa schwemmen sollte, ist hier, besonders in Frankreich oder den Vereinigten Königreichen, der Lokalpatriotismus noch so hoch, das jene Produkte, welche nicht dem europäischen Geschmack entsprechen, einfach nicht ankommen werden. Der Markt bestimmt und der Markt ist das Volk. Wenn man keine genmanipulierten Nahrungsmittel will, dann wird das auch nicht gekauft.
 
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Pit 63

Guest
Ich sehe es evtl nur nicht so schwarz wie du. Sicher, due von dir genannten Themen sind essentiell, aber für jedes dieser Beispiele gibt es ein Gegenbeispiel in der amerikanischen Gesellschaft, die eben diese anprangert. Lassen wir die Amerikaner ihr System und wir kümmern uns um unseres. Da sehe ich ebenfalls nicht schwarz. Selbst wenn TTIP billige US-Amerikanische Waren nach Europa schwemmen sollte, ist hier, besonders in Frankreich oder den Vereinigten Königreichen, der Lokalpatriotismus noch so hoch, das jene Produkte, welche nicht dem europäischen Geschmack entsprechen, einfach nicht ankommen werden. Der Markt bestimmt und der Markt ist das Volk. Wenn man keine genmanipulierten Nahrungsmittel will, dann wird das auch nicht gekauft.

Nachfrage wird geschaffen. Gerade in schlechter werdenden Zeiten schauen die Leute auf den Preis. Die anderen kaufen das, was legal ist und beworben wird.
Wenn Du mal Zeit hast, lies mal die Beiträge zum Thema und schau Dir vielleicht auch mal die Links dazu an.
Das Problem sind die Arbeits- und Lebensbedingungen die mit der Produktion und dem Verkauf zusammenhängen. Darüberhinaus geht es um grundsätzlich um die zunehmende massive lobbyistische Einflussnahme der Multis auf Politik, Wissenschaft und Gesetzgebung. (TTIP- TABC- TBN und zahlreiche Netzwerke, die als Drehtür zwischen Lobbyvertretern, verwaltenden und gesetzgebenden Politikern, Wissenschaftsvertretern und den Medien fungieren- oder die privaten nicht öffentlichen Schiedsgerichte zwischen Privaten und Staaten ausserhalb der ordentlichen nationalen und internationalen Gerichtsbarkeiten)

Das sind gewaltige Probleme, die da auf die Gesellschaft zukommen, wenn man diese fortwährende Einflussnahme weiter zulässt. Hier steht die Freiheit und Unabhängigkeit der Menschen gegenüber dem sog. freien Handel auf dem Spiel. Die geheime Manipulation durch amerikanische/westliche Lobbyisten auf höchster Ebene unter Umgehung der Öffentlichkeit, ausserhalb des demokratischen Prozesses und zu Lasten des Gemeinwohls lässt sich nicht mit dem Verweis auf Geschmacksfragen oder Lokalpatriotismus wegwischen.
Du scheinst die Macht des Geldes und der zunehmenden lobbyistischen Vernetzung privater Geschäftsinteressen vollkommen zu unterschätzen. Das mag daran liegen, dass sie idR im verborgenen wirken und kaum greifbar sind, sofern die Zusammenhänge nicht ausgeleuchtet und offenkundig gemacht werden. Hier wären wiederum die Medien gefordert, die ihrer Aufgabe offensichtlich nicht nachkommen, da sie selbst mit drinhängen. Andererseits bekommt heutzutage nicht einmal der gemeine Volksvertreter die entscheidenden Informationen an die Hand oder nur eingeschränkt oder ist parteiintern an Geheimhaltung gebunden. Ein demokratischer, rechtsstaatlicher Irrsinn ist das.
 
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Pit 63

Guest
Zur Position der USA in der Ukrainekrise ein Ausschnitt aus der Rede von Joe Biden in Harvard:
Die Europäer wollten das nicht aber wir haben die EU zu Sanktionen gegen Russland gezwungen.


 
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