Juni überleben wir nicht.
Wir reden hier so viel über epidemiologische oder sogar virologische Spekulationen und Modellrechnungen, obwohl sowohl über den Virus, als auch die Krankheit, die er auslöst und die verschiedensten Annahmen, die wir über seine Ausbreitung machen oder die möglichen medizinischen Fortschritte, die es geben könnte, kaum etwas wissen. Wir reden ins Blaue hinein, auf Sicht sozusagen bei diesem wunderbaren Frühlingswetter.
Dabei könnten wir doch, durchaus konkreter, über diesen hier zitierten und auch in der öffentlichen Debatte immer öfter fast gebetsmühlenhaft wiederholten Satz sprechen: Unser Ende ist nah! Mir ist er irgendwie zu unspezifisch und mir kommt es fast so vor, als ob das durchaus so gewollt ist. Keinerlei Hintergrundinformationen dazu, keine spezifischen Annahmen, keine schönen Kurven usw. Einfach nur: das überleben wir nicht!
Dem gesunden Menschenverstand drängen sich da sofort ein paar Fragen auf. Ok, der Osterurlaub musste millionenfach gestrichen werden, ebenso das entspante Abhängen in Discos und Bars oder regelmässige Besuche in Rotlichtvierteln oder Tinder-Dates. Und klar, die Beschulung aler Kinder und Heranwacchsender über das Netz hat natürlich auch nicht die Qualität wie der tägliche gemeinsame Unterricht an der Schule (obwohl es bildungspolitisch zuletzt ja ganz stark in diese Richtung tendierte). Aber "überleben"?
Sind durch SARS CoV 2 in irgendeiner Weise der landwirtschaftliche genutzte Boden oder unsere Tiere bedroht, die den Großteil unserer Lebensmittel produzieren? Bringt das Virus Gebäude zu Fall, die wir bewohnen, greift es unsere Wissenschaft und Technologie an? Zerstört es irgendwelche Waren oder Produktionsstätten, Maschinen, Strassen? Rafft es zu viele derer Davon, die die ganze Maschinerie bis vor kurzem am Laufen hielten?
Wenn all diese Fragen mit Nein beantworten können, worum geht es dann also genau, wenn davon gesprochen wird, dass wir bspw den Juni nicht überleben werden? Warum redet darüber keiner? Warum geht jeder stillschweigend davon aus, dass es nach Corona genau so weitergehen müsse wie zuvor, suggeriert jeder, dass wir gar keine andere Wahl hätten, weil wir sonst schmählich zugrunde gehen würden.
Klar, wenn alles so weitergehen soll und mus wie bisher, dann wird es schwierig, außerst schwierig sogar und das sogar unabhängig von Corona, denn wir waren weiß Gott schon vor Corona nicht schon so weit, unsere drängensten Fragen die Zukunft und zukünftiger Generationen betrefend gelöst zu haben (von denen manche sich interessanterweise in dieser Krisenzeit ganz von alleine erledigen!).
Das BDI sprach heute von einem erwarteten wirtschaftlichen Rückgang von 6 Prozent. Wenn ich bedenke, dass das ungefähr der Wert ist, den die Börsen weltweil jährlich zulegen und dann auch noch der Versicherung glauben schenke, dass an den Börsen der tatsächliche Wert der Unternehmen gehandelt wird, dann hätten wir praktisch gerade mal die Gewinne eines Jahres verloren und hätten noch ein ganzes Jahrzehnt Zeit, bis die Gewinne all derer, die in den letzten Jahrzehnten an der Börse zu Millardären geworden sind, verprasst sind. Meines Wissens geht keines der pessimistischsten Szenarien von so einem langen Lockdown aus.
Also: es geht außer bei den schwer an Covid!9 erkrankten bei niemandem sonst ums tatssächliche Überleben, wenn wir davon ausgehen, dass wir heute oder spätestens dann, wenn es erforderlich wird, noch zu denselben produktive Leistungen zur Lebenerhaltung fähig sind wie vor Corona. Was auf der Kippe steht, ist einzig und allein die Art und Weise, wie wir dieses Ganze, die Arbeit, den Gewinn, das Vergnügen und die Lust, organisieren und verteilen, also ein reines Struktur und Verständigungsproblem.
Im Grunde ist das so! Aber auch ich zweifle nicht daran, dass es erst einige Zerrüttungen und vielleicht sogar Kriege erfordern wird, bis sich eine Mehrheit der Menschen zu dieser im Grunde unvermeidlichen Erkenntnis durchringen wird. Aber keine Sorge, weder wird das im Juni der Fall sein, noch werden diese Zerrüttungen und Kriege unser Ende sein. Und je mehr wir jetzt schon darüber reden, umso größer ist die Chance, dass wir einen groben Plan haben werden, wenn es soweit und eben nicht den dümmsten Weg gehen müssen.