Wer könnte es ihnen verdenken, man ist nur einmal jung, die kurze Zeit der körperlichen Schönheit, der Frische und Unbefangenheit ist schnell vorbei.
So richtig ich diese Gedanken finde und auch dankbar bin, daß sie angesprochen werden, ich würde die Schwerpunkte anders setzen. Was Du ansprichst, das sind ja nun doch nicht nur zwei Jahre im Menschenleben; die Zeit, wo man sich von zuhause abnabelt, eigene Bude, Experimente mit Alkohol, die auch schon mal schiefgehen, gefährliches Leben und anstrengendes, wenn man durchnächtigt zum Job oder zur Vorlesung erscheint oder auch blau macht, das kann auch eine Dekade sein von 20-30, und man kann auch mit Kleinkind & Lebenspartner noch bei Rock am Ring zelten.
Mehr Sorgen mache ich mir da schon um die ersten vier Semester Studium. Für
@Bintje ist natürlich toll, Tellekolleg 2.0, jetzt interaktiv! Sie können mit dem Mann im Fernseher sprechen!, man kann mit Komollitonen bei Discord chatten, Hausarbeiten als
user generated content ins Netz und zur Diskussion stellen, und hoffentlich bleibt da viel von. Geisteswissenschaftliches Studium aber findet nicht nur statt in Vorlesungen und Seminaren, sondern auch auf dem Flur, vor dem Kaffeeautomaten, in der Mensa und in Freistunden in der Cafetaria: Wenn man das Gelernte sacken läßt, gemeinsam verarbeitet, bespricht. Und dann ganz wichtig auf den Parties, die die WGs veranstalten, wo man mit ganz anderen, Fachfremden in Berührung kommt, seine erworbenen Skills zur Anwendung bringt, intellektuelles Florettfechten betreibt. Gut; da sagt man noch: Ausgeglichen wird das dadurch, daß mit der Generation Corona auch eine groß wird, die ungeheuer selbstständig ist, sich Wissen selber erarbeitet, sehr viel improvisieren muß, nicht in eingetretenen Bahnen fährt. Neulich im Internet in meiner Uni gewesen: Der FB Philosophie macht alles digital. Alles nur noch Zoom. Mein Studium lief noch wesentlich mit Collegeblock und Kugelschreiber. Das macht etwas. Was, wird man sehen müssen.
Pubertät, die Jahre zwischen 13 und 15, die wird man nicht nachholen können. Mädchen werden nicht beobachten können, was das bei anderen macht, wie anders sie wahrgenommen werden, wenn ihnen Hügelchen unter dem Pullover wachsen. Diskos sind zu, Parties sind abgesagt, weitgehend sind Zusammenrottungen abgesagt, gemeinsames Abhängen, Chillen selbst unter freiem Himmel. Gelegenheiten also, wo man jenseits der Kindheit neues Miteinander erproben, ein- und durchspielen, auch ausfechten muß. Noch kein erwachsenes, aber auch kein naives, kindliches, spielerisches Miteinander mehr.
GANZ fatal die allerersten beiden Schuljahre. 7., 8. Schuljahr, das kann man, sich durchstolpernd, nachholen, meine Güte, und Solons Gesetzesreformen bei den Griechen im sechsten vorchristlichen Jahrhundert kann man auch wirklich schlabbern. Aber mangelnde Lese- und Rechtschreibfähigkeiten, wenn die die mit sich rumschleppen, die holen die wirklich nie mehr auf bzw. verstolpern darüber weiteres wichtiges; wenn wir die nicht pauschal sitzenbleiben lassen, dann ist diese Generation verloren.