Gedichte und Gebete

Majnomon

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20 Oktober 2009
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Berlin
Ich, und dem Wein entsagen... (Hafis)

Ich, und dem Wein entsagen!
was soll das Sagen sein?
Sollt’ ich so unverständig
in alten Tagen sein?

Der ich mit Pauk’ und Zimbel
den Heilsweg brach bei Nacht,
Sollt’ ich des Wegs nun kriechen?
was soll das Sagen sein?

Ganz schlug ich noch zur Schenke
nicht ein den rechten Weg;
Ganz muß erst in den Wind recht
die Scheu geschlagen sein.

Fehlt dieser Weg dem Frommen,
entschuldigt ihn! Der Weg
Wird ohne Gottes Leitung
nicht einzuschlagen sein.

Ich bin der Knecht des Wirtes,
der mich von Wahn befreit;
Was unser Herr uns auflegt,
das wird zu tragen sein.

Der Frömmling und sein Beten,
ich und mein Rausch, wer weiß,
Wem Gnade wird zu schenken,
wem zu versagen sein!

Nachts ließ es mich nicht schlafen,
daß ein Gelehrter sprach:
»Wenn Hafis wieder zechet,
wird Grund zu klagen sein.«
 
G

Goethe_Parmach

Guest
O Herr,
wenn du mich ein bißchen lieb hast,
bitte lass es Freitag werden.
 

Majnomon

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20 Oktober 2009
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Berlin
"Know that you yourself are essential to this world. Believe that. Understand both the blessing and the burden of that. You yourself are desperately needed to save the Soul of this World.
Did you think you were put here for something less?"

-Chief Arvol Looking Horse
Native American Peace & Environmental Activist
19th Generation Keeper
of the Sacred White Buffalo Calf Pipe
 

HeyÖzgürlük

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7 Februar 2010
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In meinen Augen bewahre ich deine Schönheit auf
Was immer ich auch betrachte, da bist Du zu finden
In meinem Herzen halte ich deine Liebe geheim
Keinen Fremden lasse ich ein, denn da bist Du zu finden

Das Fundament meiner Liebe ist, dass Du in Menschen bist
Du bist im Gespräch die Liebe, im Reden das schöne Wort
Du bist das Willkommensein, der Gruß, den mir der Freund schickt
Erhört nehme ich es auf, denn da bist Du zu finden

Die verschiedensten Blumen, die grünen Blätter
Durch Füllung der Farben umhüllt er sein Gemälde
Aus dunklen Nächten, am hellen Morgen
erwacht die ganze Welt, denn da bist Du zu finden

Der im Geschaffenen innewohnende Kraftakt
kam durch Dich zustande, Du gabst das Leben
Es gibt keine andere Ewigkeit außer Dir
So bin ich verleitet zu glauben, denn da bist Du zu finden

„Herr“ rufend erzittern die gespielten Saz´s,
Tosend werden die Wellen, stürmisch werden die Meere
Geboren wird die Sonne, verdeckt werden die Sterne
Gesprüht werden die Funken, denn da bist Du zu finden

Du warst es bestimmt, der den VEYSEL zum Singen brachte
Nun bewegt sich der Narr von Ast zu Ast, bis er müde wird
Wärst Du ein Baum, wäre jeder von uns ein Blatt am Ast
Du bist der KERN in der Frucht,

denn da bist Du zu finden.


Asik Veysel
 
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Majnomon

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20 Oktober 2009
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Der schwarze Fürst Liebe

Liebe hat mich des Schlafs beraubt: Das tut Fürst Liebe.
Fürst Liebe pfeift auf "Seele" oder "Vernunft".
Ein schwarzer Löwe ist er, hungrig und wild,
Der nur das Herzblut trinkt von Liebenden.
Fürst Liebe packt dich sanft und schleift dich dann
Zur Grube: Stürzt du hinein, schaut er gelassen zu.
Fürst Liebe ist ein Despot, ein herzloser Richter,
Der Unschuldige foltert und mißbraucht.
Fall' du ihm in die Hände, und du weinst Ströme,
Entflieh' ihm, und du gefrierst zu Eis.
In jedem Augenblick zerschlägt er tausend Becher,
Näht hundert Kleider und reißt sie dann in Fetzen.
Zehntausend Augen bringt er zum Weinen,
Und ihn bringt das zum Lachen.
Tausend metzelt er hin, und sie sind ihm einerlei.
Niemand entrinnt seinen Ketten durch List oder Wahnsinn,
Niemand entschlüpft seinen Netzen, wie weise er auch sei.

(Rumi)
 

Majnomon

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20 Oktober 2009
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If you could untie your wings
and free your soul of jealousy,
you and everyone around you
would fly up like doves.

~ Rumi
 
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Majnomon

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20 Oktober 2009
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Binde zwei Vögel zusammen.
Sie werden nicht fliegen können, obwohl sie jetzt vier Flügel haben.

(Rumi)
 

eruvaer

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7 April 2014
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Liebe.
∼ Er ist's ∼


Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
– Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Eduard Mörike (1804-1875)



Mondnacht
Es war, als hätt der Himmel
die Erde still geküsst,
dass sie im Blütenschimmer
von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
die Ähren wogten sacht,
es rauschten leis die Wälder,
so sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
weit ihre Flügel aus,
flog durch die stillen Lande,
als flöge sie nach Haus.

Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (1788-1857)
 
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