AW: Gefühle und ein gesundes Maß Realitätssinn
Liebe TT`ler,
nun bin ich seit vorgestern wieder aus der Türkei zurück und möchte meinen thread hier zu Ende bringen. Vorneweg kann ich sagen, dass ich in meinem bisherigen thread doch einiges an „Müll“ geschrieben habe. Da habe ich großartig von Vernunft und Realismus geredet und bin jetzt doch emotional total gefangen. Aber nun der Reihe nach:
Am 22.10. ging es mit meiner Freundin D. endlich in unseren heißersehnten Urlaub. Die Nacht vor unserem Abflug konnte ich kaum schlafen, war wahnsinnig aufgeregt. Unser Flug war eine Totalkatastrophe wegen des schlechten Wetters. Ich habe wirklich Ängste ausgestanden. Dennoch hat natürlich die Vorfreude überwogen. Je näher wir zum Hotel gekommen sind, umso wilder hat sich mein Magen aufgeführt. Wir haben nur schnell unsere Koffer aufs Zimmer gebracht und sind gleich runter zum Strand, wo wir sofort Ihm über den Weg gelaufen sind. Da L. noch gearbeitet hat, konnten wir uns nicht begrüßen nur anlächeln.
Kaum waren wir wieder auf dem Zimmer, rief er mich an und wir verabredeten uns in 15 Minuten. Das wollte der Wettergott aber nicht zulassen- just zum Treffzeitpunkt kam ein solches Unwetter, dass wir beinahe 1 Stunde im Hotel warten mussten. Ich bin fast verrückt geworden- ihn so nahe zu wissen und nicht bei ihm sein zu können. Kaum hatte der sintflutartige Regen nachgelassen, bin ich gleich losgestürmt. Als wir uns schließlich im Arm lagen, war es für mich, als sei ich nie weggewesen. Es hat sich alles so vertraut und einfach nur richtig angefühlt. All die Probleme, die Trauer, die ich in den letzten Monaten wegen privater Schwierigkeiten hatte, waren wir weggeblasen. Mir ging es einfach nur gut.
Dieses Gefühl hat mich eigentlich die ganzen Tage begleitet, die wir zusammen waren. Wir hatten so unglaublich viel Spaß miteinander, haben so viel gelacht. Er hat uns mit zum Fußballspielen mit all seinen Kollegen genommen, hat damit quasi auch „offiziell“ gezeigt, dass ich zu ihm gehöre. Wir waren zusammen im Theater, er hat sich extra frei genommen. Dies bedeutet für ihn viel, da er unglaublich engagiert arbeitet und sich bei der Arbeit sehr einsetzt.
Kleinere Diskussionen gab es durchaus auch, da ich mir anfangs unsicher war, welchen „Status“ ich nun habe- nur die Touristenbekannte oder eben mehr. Aber er hat mehrfach betont, dass es ihm egal sei, wenn die Anderen mitbekommen würden, dass mehr zwischen uns ist, da dies ja eine Sache sei, die wir miteinander vertreten müssten.
Es tut mir leid, dass alles so lang und durcheinander wird. Aber es ist so schwierig, Tage und so viele Erlebnisse und Gedanken in wenige Worte zu fassen. Ich hoffe, es wird nicht zu langweilig für Euch.
Naja, wie gesagt, wir hatten schöne Tage und seit langer Zeit (eigentlich seit beinahe über 2 Jahren) konnte ich mich richtig fallen lassen und hatte einfach das Gefühl, dass alles so sein muß wie es ist und genau so richtig ist. Unseren letzten Nachmittag haben wir zu viert am Strand verbracht (L., meine Freundin und L.`s Freund A.). L. und ich haben einen sehr langen Spaziergang gemacht und intensiv darüber gesprochen, wie es weitergehen könnte. Er meinte dabei schon, dass es eben auf die Entfernung sehr schwierig sei, da wir beide sehr an unseren Familien hängen würden und damit die Frage auftauche, wer irgendwann sein Land und seine Familie verlassen würde. Ich habe dies natürlich gehört, innerlich auch aufgenommen und konnte ihm keine Antwort geben. Aber ich dachte mir, wenn man möchte, wird sich ein Weg finden.
Tja, und dann an unserem Abreisetag war L. nach dem Frühstück, bei dem er noch gearbeitet hatte, plötzlich verschwunden. Ich habe ihm eine sms geschickt, er schrieb zurück, er sei unterwegs. Ich habe gelitten wie ein Hund, mussten wir doch bis abends halb sechs auf unseren Transfer warten. Ich habe dauernd gehofft, dass L. doch noch kommt, um sich zu verabschieden. Aber er kam nicht. Für mich unfassbar- nach der Vertrautheit, die wir zusammen hatten, lässt er mich ohne Abschied abreisen!
Gestern kam nun eine sms von ihm, dass wir nicht zusammen passen würden, er mir nicht weiter weh tun wolle.
Irgendwie stehe ich wie unter Schock. Ich weiß, viele von Euch werden lächeln, wenn ich schreibe, dass er kein typischer askim ist. Aber das ist er wirklich nicht. Denn er ist ein sehr überlegter Mann, der viel auch nachdenkt und ehrlich seine Meinung sagt. Es haben ihn ja nun bereits 2 Freundinnen von mir kennengelernt, die ihn gleich einschätzen wie ich. Auch eine Frau, die bereits seit 30 Jahren im Hotel Stammgast ist und neben mir saß, hat ihn sehr gelobt. Ich denke daher nicht, dass er mich nur für einen netten Flirt missbrauchen wollte. Vielleicht sieht er nur realistischer die Distanz und die Schwierigkeiten, die eine Beziehung mit sich bringen würden.
Auch wenn ich diese auch sehe, hätte ich es versuchen wollen. Am meisten bricht es mir das Herz, dass ich nicht wusste, wann unser letzter Augenblick, unser letzter Kuß stattfindet, da ich ja sicher war, wir würden uns persönlich verabschieden. Warum konnte er mir nicht ins Gesicht sagen, dass er keine Zukunft sieht?
So, vielen Dank an die, die sich durch diesen ganzen Wust hier durchgelesen haben. Der Aufprall in die Realität ist verdammt hat. Ich habe wieder einmal gelernt, dass es wohl besser für mich ist, einfach niemanden mehr in mein Herz zu lassen, dann kann mir auch niemand mehr so fehlen und mir weh tun.
Liebe Grüße von einer tieftraurigen Annie