(Interkultureller) Glaube, Mystik und Spiritualität

Majnomon

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20 Oktober 2009
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Berlin
„Mein Herz ist fähig zu jeder Form:

Es ist eine Weide für Gazellen und ein Kloster für christliche Mönche, ein Tempel für Götter und des Pilgers Kaaba, die Thorarolle und das Buch des Korans. Ich folge der Religion der Liebe, wohin auch immer die Karawane ziehen wird, denn die Liebe ist meine Religion und mein Glaube."

(Ibn Arabi)


Ich eröffne einfach mal einen separaten Thread für diese Thematik, weil sie einen zentralen Platz in meinem Leben einnimmt, den ich gerne von ausufernder Polemik und Respektlosigkeit freihalten will. Denn nach meiner Meinung lebt der Mensch, ganz allgemein gesprochen, "nicht vom Brot allein".


Vielleicht gelingt hier ja ein allgemeiner Austausch darüber, ohne dass es in den hundertsten Religionskrieg und die tausendste Debatte über Atheismus versus Glaube in diesem Forum mündet. Falls überhaupt ein Interesse daran besteht.


Haben alle Religionen den gleichen Ursprung?

Was ist wichtiger, die Differenz oder das Verbindende?

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen (humanistischem) Atheismus und Glauben?

Wo berühren sich Philosophie und Spiritualität/Glaube?

Welche Beziehungen gibt es zwischen der Kultur im Allgemeinen und der sie umgebenden oder gar durchdringenden Religionen?

Ist Kultur im Prinzip selbst eine Art Religion, die Sinn stiften kann und soll?
 

Skeptiker

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26 Januar 2008
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Haben alle Religionen den gleichen Ursprung?

Meiner Auffassung nach schon. Die Religion liegt in dem Wunsch begründet, dem Leben einen tieferen Sinn zu geben. Darin, daß der Mensch nicht irgendein Tier sei, sondern etwas besonderes. Des Weiteren liegt der Ursprung, meines Erachtens, darin, einer Gruppe eine Ideologie zu geben, wie Pit sagen würde, ein identitätsstiftendes Merkmal welches die eine Gruppe von der anderen abgrenzt. Zugleich natürlich, über die Institution, die Schäfchen unter Kontrolle zu halten und somit die Gemeinschaft zusammen.


Was ist wichtiger, die Differenz oder das Verbindende?

Wichtiger wäre natürlich das Verbindende, menschlich ist das Trennende.


Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen (humanistischem) Atheismus und Glauben?

Meines Erachtens nach der Anspruch darauf, die ultimative Lösung zu sein.


Wo berühren sich Philosophie und Spiritualität/Glaube?

Beide Sachen behandeln Themen, wovon sie eigentlich keine Ahnung haben (können)^^ Nein, aber im Ernst. Sie berühren sich meiner Meinung nach dahingehend, als das sie Normen für menschliches Zusammenleben aufstellen wollen.


Welche Beziehungen gibt es zwischen der Kultur im Allgemeinen und der sie umgebenden oder gar durchdringenden Religionen?

Ist Kultur im Prinzip selbst eine Art Religion, die Sinn stiften kann und soll?

Wie meinst du das?
 
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Majnomon

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20 Oktober 2009
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Die Kultur als Sinnstifter? Naja, warum malt ein Künstler seine Bilder, schreibt der Autor seine Bücher? Verschafft es ihm und seinem Publikum einen wie auch immer gearteten Sinn? Und ist darin die Kultur als fortlaufender Prozess der Religion als mutmaßliche Sinnstifterin nicht sehr ähnlich?

Das meine ich über religiöse Kunst im engeren Sinne hinausgehend, diese aber durchaus mit einbeziehend.

Naja, und der große religiöse Einfluss auf die Kultur dürfte auf der Hand liegen. Daran kommt man selbst bei Nietzsche nicht vorbei, auch wenn es sich bei ihm insbesondere in der zurückweisenden Reaktion auf jede Dogmatik, und nicht nur der religiösen, feststellen lässt. Und mit seinem Zarathustra erschafft er quasi eine neue, individualistisch-nihilistische "Religion".
 

Majnomon

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20 Oktober 2009
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Beide Sachen behandeln Themen, wovon sie eigentlich keine Ahnung haben (können)^^ Nein, aber im Ernst. Sie berühren sich meiner Meinung nach dahingehend, als das sie Normen für menschliches Zusammenleben aufstellen wollen.

Für mich berühren sie sich eher in der (unerschöpflich-unergründlichen) Frage nach des Sinn des Lebens und dem Versuch, diesen zu erkennen und zu verwirklichen. Natürlich mehr oder weniger ohne Erfolg, beide. Wobei scheitern ja auch als Chance begriffen werden kann, sowohl in der Philosophie, als auch in der Religion (Hiob).

Insofern glaube ich schon, dass sie beide eine Ahnung vermitteln können, aber kein endgültiges Wissen (genauso wenig wie die Naturwissenschaften).
 

Skeptiker

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26 Januar 2008
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Die Kultur als Sinnstifter? Naja, warum malt ein Künstler seine Bilder, schreibt der Autor seine Bücher? Verschafft es ihm und seinem Publikum einen wie auch immer gearteten Sinn? Und ist darin die Kultur als fortlaufender Prozess der Religion als mutmaßliche Sinnstifterin nicht sehr ähnlich?

Das meine ich über religiöse Kunst im engeren Sinne hinausgehend, diese aber durchaus mit einbeziehend.

Naja, und der große religiöse Einfluss auf die Kultur dürfte auf der Hand liegen. Daran kommt man selbst bei Nietzsche nicht vorbei, auch wenn es sich bei ihm insbesondere in der zurückweisenden Reaktion auf jede Dogmatik, und nicht nur der religiösen, feststellen lässt. Und mit seinem Zarathustra erschafft er quasi eine neue, individualistisch-nihilistische "Religion".

Deswegen fragte ich nach, weil für mich die Kulturen der Völker nicht von der Religiösität getrennt werden kann. Die Religion ist quasi ein Teil der Kultur.


Für mich berühren sie sich eher in der (unerschöpflich-unergründlichen) Frage nach des Sinn des Lebens und dem Versuch, diesen zu erkennen und zu verwirklichen. Natürlich mehr oder weniger ohne Erfolg, beide. Wobei scheitern ja auch als Chance begriffen werden kann, sowohl in der Philosophie, als auch in der Religion (Hiob).

Mag das für die Religion zutreffen (die Suche nach dem Sinn des Lebens) sehe ich dies bei der Philosophie eher nicht. Die Philosophie versucht eher die menschliche Gemeinschaft zu ergründen, Zusammenhänge zu schaffen und Lösungsansätze für das perfekte Zusammenleben von Menschen innerhalb einer Gemeinschaft zu geben. Wobei die Bandbreite bei den philosophischen Ansätzen von extrem elitär/restriktiv (Kommunismus z.B.) bis hin zu absolut Tolerant (Vertragstheorien z.B) reichen. Eine Bandbreite, die in den religiösen Ansätzen nirgends zu finden ist.
 

Majnomon

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20 Oktober 2009
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Mag das für die Religion zutreffen (die Suche nach dem Sinn des Lebens) sehe ich dies bei der Philosophie eher nicht. Die Philosophie versucht eher die menschliche Gemeinschaft zu ergründen, Zusammenhänge zu schaffen und Lösungsansätze für das perfekte Zusammenleben von Menschen innerhalb einer Gemeinschaft zu geben. Wobei die Bandbreite bei den philosophischen Ansätzen von extrem elitär/restriktiv (Kommunismus z.B.) bis hin zu absolut Tolerant (Vertragstheorien z.B) reichen. Eine Bandbreite, die in den religiösen Ansätzen nirgends zu finden ist.

Auch hier gilt für mich Deine Aussage:

Wichtiger wäre natürlich das Verbindende, menschlich ist das Trennende.

Ich denke, dass auch die Philosophie der Sinnfrage nachgeht, wenn sie sich darüber Gedanken macht, wie das gesellschaftliche Zusammenleben gestaltet werden soll oder kann. "Wie wollen wir leben" impliziert doch, dass es um ein sinnvolles, produktives und weitgehend harmonisches Zusammenleben geht.

Den sozialen Aspekt des Daseins klammert dann auch keine Religion aus. Nächstenliebe, Mitgefühl, Barmherzigkeit, Gerechtigkeit etc. weisen deutlich darauf hin.

Und wenn man die Gesamtheit aller Religionen mit jedem einzelnen Anhänger in ihrer Pluralität gelten lassen kann, dann ist die Vielfalt in diesem Spektrum sicherlich nicht geringer als in der Philosophie.

Diesen Ansatz verfolge zumindest ich mit der Erstellung dieses Threads. Es steht natürlich jedem frei, es anders zu halten.

Ausnehmen davon würde ich persönlich allenfalls Fanatismus und Engstirnigkeit jedweder Couleur, sowohl im religiösen als auch im philosophischen Gewand.

Aber vom mystischen Standpunkt aus hat auch das seinen Stellenwert: "Keine Schneeflocke fällt jemals auf den falschen Platz." Wäre nur eine andere Betrachtungsweise.


Womit ich zu meiner wahrscheinlich allseits bekannten Auffassung über den gemeinsamen Ursprung der Religionen wie auch des Lebens selbst komme, im positiven Sinne: Sein an sich als die Quelle selbst, das ICH BIN, Gott, Leben, Liebe als ewig unfassbares Allumfassendes.
 

alterali

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19 April 2007
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mittenmang
Der/die Sinn/losigkeit des Lebens/Seins/Alls?
Wie kann man so eine dämliche Frage überhaupt stellen.

Religion/Glaube/Aberglaube eine und dieselbe InstinktWurzel.

Musik/Tanz/Malen/Schrift/Kultur wird ich jetzt damit nicht vermengen.
 

Majnomon

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Bender

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13 Januar 2013
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Haben alle Religionen den gleichen Ursprung?

In der Sinnfrage, ja, denke schon.

Was ist wichtiger, die Differenz oder das Verbindende?

schwer zu verallgemeinern. ich würde sagen; differenzieren, wenn es um differenzieren geht und verbinden, wenn es um verbinden geht.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen (humanistischem) Atheismus und Glauben?

In Ansätzen, ja.

Wo berühren sich Philosophie und Spiritualität/Glaube?

Im Unbewusstem, im Moral, im Denken, im Glauben, im immateriellen über materiellem....

Welche Beziehungen gibt es zwischen der Kultur im Allgemeinen und der sie umgebenden oder gar durchdringenden Religionen?

kommt ganz auf die Kultur an, ansonsten ist es stark verbunden.

Ist Kultur im Prinzip selbst eine Art Religion, die Sinn stiften kann und soll?

je nach dem, kann man es so betrachten, ja.

mag alles sehr allgemein klingen, aber irgendwie ist doch alles zusammen verflochten.
 
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