Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

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queenofhearts

Guest
AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

ach du scheiße, das liest sich wie ein schlechter film...:-( oh man wenn ich mir vorstelle in deiner situation gewesen zu sein.

hast du nicht einen moment damit gerechnet das er geht, wenn du arbeiten bist??? das er einfach weg sein wird, wenn du nach hause kommst???:frown:

also, so wie sie das geschrieben hat, war das total klar. aber vielleicht waren die wirklichen ereignisse, ein bisschen anders...
 

melegim13

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AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

oh aylin..drück dich mal :-(
das muss die hölle sein, nach hause zu kommen und die sachen sind weg..
 

Aylin2009

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AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Als er vor dem Haus seiner Mutter ankam rief er mich noch mal an um mir unter Tränen zu sagen, dass er mich liebt. Das gab mir Hoffnung. Dann hörte ich den ganzen Abend nichts mehr von ihm.
Nachts rief ich ihn dann an, immer noch völlig aufgelöst, ich hatte die ganze Zeit durchgeweint, geschrien, um mich geschlagen oder einfach nur in die Gegend gestarrt. Ich hatte nie zuvor solch einen Liebeskummer verspürt. Ich hatte nicht mal geahnt, dass ich zu solchen Ausbrüchen überhaupt in der Lage war.

Als er das Telefon abnahm klang er ganz anders. Er war ein völlig anderer Mensch. Unterkühlt und ganz sicher und gefestigt in seiner Stimme. Er hatte sich vor seiner Familie die Blöße gegeben schon nach zwei Monaten umzukehren. Nachdem er all die guten Ratschläge zuvor ignoriert hatte. Er bekam Reaktionen von Mitleid bis hin zu besserwissenden und selbstgefälligen Blicken. Aber durchweg waren alle froh, dass er zurück gekehrt war. Er verbrachte also den ganzen Abend mit seiner Familie, die gleich alle zusammen trommelten um ihm die Rückkehr leicht zu machen. An diesem Abend gewann er seinen Stolz zurück. Er fühlte sich bestätigt in seiner Entscheidung zu gehen. Ich heulte in dieser Nach am Telefon bitterlich. Er sagte mir immer wieder nur, dass es zu spät sei. Ich solle mich beruhigen. Zu meiner Mutter fahren, damit sie mich trösten kann. Ich solle mich wieder mit Freunden treffen und mein Leben weiter leben. Der Schmerz würde vergehen und dann würde ich glücklich werden. Auch er wolle jetzt glücklich werden.
Seine Mutter würde ihm ein Flugticket in die Türkei kaufen und dort würde er auf unbestimmte Zeit erst mal bleiben. Zeit mit seinen wahren Freunden verbringen und auf andere Gedanken kommen. Wenn er wieder zurück sei, in zwei oder drei Monaten, dann würde er mich sicher anrufen um mich zu fragen wie es mir geht. Vielleicht würde er auch einfach gleich zum Militär gehen und danach noch einmal neu in der Türkei beginnen. Aber das sei ungewiss, nur eine Idee.
Vor allem aber solle ich nicht traurig sein. Das Leben würde mir noch viele schöne Dinge bieten. Mit uns habe es einfach nicht sein sollen. Auch wenn er nie zuvor so sehr geliebt habe.

Er hatte mir früher immer erzählt, dass er, sollte ich ihn irgendwann verlassen, seine Mutter bitten würde, eine Frau zum heiraten für ihn zu suchen. Er sei in dem Alter um eine Familie zu gründen und würde sich nichts mehr wünschen. Und wenn es mit mir nicht klappen würde, dann würde er die Hoffnung auf die große Liebe aufgeben und eine liebe Frau heiraten, die er respektieren wolle und die ihm den Wunsch nach einer Familie erfüllt. Es hatte sich für mich immer wie eine Drohung angehört. An diesem Tag erwähnte er das Thema nicht. Aber ich wusste sofort, was passieren würde, wenn er jetzt mit seiner Mutter für mehrere Monate in die Türkei ginge.

Und so durchlitt ich Höllenqualen. Doch zu ihm war kein Durchkommen mehr. Er war wie besessen durch seinen zurück erlangten Stolz. Die Art wie ich mich selbst vor ihm erniedrigte schien ihn nur noch mehr zu stärken. Aber anstatt auf mich herabzublicken und mir meine Qualen zu gönnen, wünschte er mir nur Positives. Und diese freundlichen Worte fühlten sich herablassender an als jede Krankheit, die er hätte aussprechen können. Es war schmerzvoller als jede Ohrfeige, die er mit hätte geben können. Es war zynischer als jedes Gelächter, das ich je aus seinem Mund gehört hatte. Es hatte etwas von Endgültigkeit.
 

Aylin2009

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AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Es vergingen zwei oder drei Tage. Lange war es nicht, auch wenn es mir wie eine Ewigkeit vorkam. Wir sprachen viel. Über mich und ihn und was schief gelaufen war. Mir wurden plötzlich meine Fehler bewusst. Auch er hatte vieles Falsch gemacht. Aber ich hatte ihm in meinem Wahn jegliche Freiheiten genommen gehabt. Die Worte, unsere Wohnung habe ein Schloss werden sollen, doch am Ende war es sein Gefängnis, gruben sich mir tief ins Gedächtnis. Plötzlich verstand ich meine Fehler. Und es machte mich fertig, keine Chance zu haben um es wieder gut zu machen. Um an mir zu arbeiten. Um ihm zu beweisen, dass ich verstanden hatte.

Immer wieder rief ich ihn an und bat ihn um eine letzte chance. Immer wieder schrieb ich sms. Immer wieder blieb er hart. Das Datum für seine Abreise in die Türkei in der nächsten Woche stand bereits fest. Bis er mich plötzlich aus heiterem Himmel anrief und mir sagte, er habe mit seinem alten Chef gesprochen. Er würde am morgigen Tag seinen alten Job wieder aufnehmen. Ich wusste nichts mit dieser Information anzufangen. War einerseits heidenfroh, dass er sich nicht noch mehr von mir entfernen würde. Andererseits war das auch die Gewissheit, dass er nicht wieder zurück nach Deutschland kommen würde. Ich fragte ihn dann, ob er nicht ein wenig Urlaub vertragen würde und ob es nicht besser wäre für zwei drei Wochen in die Türkei zu fliegen. Vielleicht würde ich ihn eine Woche besuchen kommen. und danach die Arbeit wieder aufzunehmen... „Nein, ich muss arbeiten. wir brauchen jetzt das Geld, Bebisim“ war seine Antwort.

In diesem Moment hatte ich das Licht der Welt zum zweiten Mal erblickt. Später führte er dann aus, dass Deutschland für ihn gestorben sei. Er würde in dieser Wohnung, nach der ganzen Einsamkeit und Kränkung, die er durch mich erlitten habe, nicht mehr glücklich werden. Er würde mich aber um nichts auf der Welt verlieren wollen. Wir müssten eben weiter eine Fernbeziehung führen bis ich eines Tages zu ihm käme…
Ich war so am Boden, dass ich jeden Vorschlag, der nicht unsere trennung bedeuten würde, dankend angenommen hätte. Und so stimmten wir uns auf Fernbeziehung ein. Seine Stimme wurde wieder liebevoller. Er ließ wieder Gefühle durch. Er fing wieder an mich zu vermissen.

Er nahm seinen Job wieder auf und spürte, dass ihn das nicht glücklich machte. Genau drei Tage später entschied er, zu mir zurück zu kommen. Nur auf Zeit. Er nahm nicht alle Sachen mit. Er war lediglich der Meinung, nach dieser Geschichte müssten wir uns wieder in die Augen sehen. Er würde für ein paar Wochen kommen und dann entscheiden, wie es weiter gehen solle. Und so kündigte er seinen neuen alten Job und kam zu mir zurück.
 

Aylin2009

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AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Obwohl es nur vorübergehend sein sollte, wusste ich, dass er bleiben würde. Er hatte seine Playstation und den Fernseher mitgebracht….
Wir befinden uns jetzt zeitlich bei Mitte Juli.
Die erste Zeit war sehr emotional. Wir weinten viel und sprachen über unsere Fehler. Ich hatte Sorge davor, dass er jetzt glauben würde, sich alles herausnehmen zu können, nachdem er gesehen hatte, wir abhängig ich von ihm bin. Aber er nutzte es nicht aus. Er gab sich viel Mühe auch an sich selbst zu arbeiten.
Er nahm seinen Sprachkurs wieder auf. Ich ließ ihm seine Freiheiten. Es kam dann eine Phase in der er nocheinmal zurück musste, weil es Probleme mit den belgischen Behörden gab. Wir hatten zu dieser Zeit große Geldprobleme. Deswegen beschlossen wir, von unserem ursprünglichen Plan Deutsch im Intensivkurs zu lernen, abzurücken. Stattdessen sollte die Jobsuche beginnen, sobald er wieder zurück war. Gesagt getan. Nur leider waren wir viel zu naiv an die Sache heran gegangen. Er hatte keine großen Ansprüche, aber ein sozialversicherungspflichtiger Vollzeitjob sollte es schon seien. Wir versuchten viel. Schriftliche Bewerbungen auf Stellenangebote, Initiativbewerbungen. Er ging durch sämtliche türkische Läden und sprach die Leute an. Er meldete sich auf Internetjobbörsen an. Er hatte sogar zwei Bewerbungsgespräche. Einen Tag klapperte er sämtliche Adressen von Unternehmen, die wir herausgesucht hatten, ab, um dort seinen Lebenslauf abzugeben. Aber sobald die Leute merkten, wie wenig er deutsch sprach, verloren sie das Interesse. Und mein Freund verlor seine Motivation. Das ist immer so bei ihm. Er hat plötzlich tolle Einfälle und strotzt nur so vor Energie und Motivation. Aber genauso schnell wie diese Energie kam, ist sie auch wieder hinüber.
Nach ca. zwei Wochen war da gar nix mehr. Er verfiel in einen ähnlichen Trott wie zuvor schon, nur mit dem Unterschied, dass er dieses Mal nicht mal mehr zu seinem Sprachkurs ging.
Und so wurde die Stimmung zwischen uns wieder angespannter. Jedoch war ich sehr vorsichtig in allem was ich tat und sagte, weil ich wusste, das schlimmste wäre für mich, wenn er mich erneut verlassen würde.
Er versank in einer mittelschweren Depression. Im Haushalt, wo er vorher tatkräftig mit angepackt hatte, machte er plötzlich gar nichts mehr. Wenn er vormittags aufwachte, dann setzte er sich vor den Laptop und blieb in der gleichen Position sitzen, bis ich von der Arbeit kam. Ich machte Vorschläge, wo er sich noch bewerben könne. Ich legte ihm nahe wieder sein Deutschbuch hervorzuholen. Ich schlug ihm vor, er solle sich Fußballschuhe kaufen gehen, damit wir ihm einen Sportverein suchen können. So würde er Anschluss finden. Gerne in einer türkischen Mannschaft. So würde er Bewegung haben. Und wieder raus kommen. Und vielleicht würde er auf diesem Wege auch an einen Job kommen. oder Freunde finden. Aber selbst dazu war er nicht mehr zu motivieren. Als er mich vor einigen Tagen in der Mittagspause anrief und mir sagte, er habe gerade gute Fußballschuhe bei Ebay entdeckt, da wusste ich, dass bei ihm jegliche Energie dahin war.
Und sein destruktives Verhalten raubte auch mir all meine Energie. Ich konnte ihn verstehen. Ich weiß dass es schwer war. Aber er hätte sich da irgendwie rausziehen müssen. stattdessen steigerte er sich immer mehr in was rein.

Aber ich verbot mir selbst in an die Hand zu nehmen und ihn zu führen. Ich untersagte mir, ihn für sein Verhalten zu kritisieren. Ich unterließ jede Forderung an ihn, sondern packte alles in watteweiche Vorschläge, die seine Motivation wecken sollten. Ich hatte ihm versprochen ihn sein Ding machen zu lassen. Ihn einen erwachsenen Menschen sein zu lassen.
Nun hatte er was er wollte. Oberflchlich verstanden wir uns gut Ich nörgelte nicht und forderte nichts. Er kriegte nichts auf die Reihe. Und innerlich fühlte er sich einsamer denn je.
 

Aylin2009

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AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Für mich war es die Hölle. Ich konnte diese Beziehung nicht mehr genießen. Jeden Morgen wachte ich auf mit diesem innerlichen Druck, irgendeine Lösung finden zu müssen. Wieder vergaß ich mich selbst völlig. Es machte mich alles schrecklich traurig. Und ich konnte nicht mal mehr offen mit ihm über meine Gefühle reden, weil ich Angst hatte, er würde es wieder als Nörgeln auslegen und ich würde ihn unter Druck setzen und ihm seine Playstation nicht gönnen.
Er war so schlapp. Nicht mehr der energische Mann, der mich zum Lachen brachte. Nicht mehr der von Grund auf positiv denkende Mann, der mir hoffnungsvoll von unserer glücklichen Zukunft erzählte. Da war kein Stolz mehr. Er war nur noch ein Häufchen Elend, dem ich nicht mal helfen durfte. Ich trat in dieser Zeit, Anfang September, einen neuen Job an, der mich sehr forderte. Ich war maßlos überfordert. Mit allem.
Ich glaube, hier begann ich, innerlich mit der Beziehung abzuschließen. Unbewusst.

Ich hatte Angst vor der Endgültigkeit. So spielte ich ihm weiter etwas vor. Ich hätte es wahrscheinlich ewig hinausgezögert. Loslassen konnte ich noch nie. Ich wollte einfach nicht einsehen, dass es vorbei war. Der Traum ausgeträumt. Tief in mir drinnen hoffte ich, dass es sich doch noch zum Guten wendet. Nach all den turbulenten und unglücklichen Monaten, musste doch irgendwann auch mal das Glück auf unserer Seite stehen.

In der letzten Woche ermutigte ich ihn noch einmal seinen einzigen Kumpel in der Stadt anzurufen. Sie kannten sich eigentlich so gut wie gar nicht, aber waren in einer ähnlichen Situation. Wir hatten das deutsch-türkische Paar übers Forum kennengelernt, in der Hoffnung, dass er einen Freund finden würde. Durch ein paar unglückliche Umstände (unter anderem seiner längeren Rückkehr nach Belgien) ist es zwischen den Männern nie zu einem engeren Kontakt gekommen. Immerhin - und das ist eine Sache, für die ich sehr dankbar bin - habe ich dadurch eine neue Freundin gewonnen (Danke für deine Unterstützung Gizelle!). Die Männer telefonierten und plötzlich hatte er wieder ein Lächeln auf dem Gesicht. Ich dachte, vielleicht könnte es doch noch etwas werden. Für Samstag, den 2. Oktober, waren wir verabredet.
 

Aylin2009

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AW: Jetzt wird es ernst...(meine Geschichte)

Am Freitag holte er mich von der Arbeit ab. Sein Gesicht war wie versteinert. Ich fragte ihn was los sei. Er erzählte, dass er zu einem Dönerladen in meinem alten Viertel gefahren sei um dort nach einem Job zu fragen. Ich war fast schon erstaunt, dass er von alleine noch mal die Initiative ergriffen hatte. Aber auch dort erhielt er eine Absage. Man habe keinen Job und kenne auch niemandem, der ihm irgendwie helfen könne. Er solle doch in ein paar Wochen noch mal wieder kommen, man würde sich solange umhören….
Als er den Laden verließ, rief sein Bruder aus Belgien an. Das Unternehmen in dem er arbeitet, suche gerade dringend zwei Mitarbeiter. Er würde sehr gut verdienen. Es ist ein staatliches Unternehmen, nach einer Probezeit ist man quasi unkündbar. Er brauche nur seinen Lebenslauf fertig machen und rüber schicken. Alles weitere würde sein Bruder regeln. Nächste Woche könne er anfangen.

Viel mehr sagte er zunächst nicht. Auch ich schwieg. Dann fing er an sich zu erklären. er müsse jetzt an seine Zukunft denken. Er würde hier einfach nicht weiter kommen. Es sei nicht meine Schuld. Ich habe diesmal gar nix falsch gemacht. Aber er wisse ganz sicher, dass er in Berlin niemals glücklich werden könne. Er sei schon fast dreißig und habe noch nichts erreicht. Er fühle, dass dieser Job seine Chance sei. Er würde zurück nach Belgien gehen. Gutes Geld verdienen. Und im nächsten Jahr würde er ein Haus kaufen. Das müsse er tun, er dürfe sein Leben nicht so vergeuden. Er würde ein tolles Haus in Belgien kaufen, ganz nach meinem Geschmack. Und es würde nach meinen Wünschen eingerichtet werden. Wenn ich wollte könnte ich die Möbel aus unserer Wohnung auch einfach mitbringen. Er wisse ja, wie sehr ich diese Möbel, die wir uns so hart verdient haben, liebe. Der Transport würde nur 200 euro kosten. Als er von diesem neuen Plan erzählte, hatte er plötzlich wieder Hoffnung in den Augen. Da war wieder etwas woran er sich festhalten konnte. Eine Vision, die ihm hier so gefehlt hatte.
Er wolle mir alle Zeit der Welt geben. Ich soll meine Probezeit hier beenden. Ich solle mich auf gute Jobs in Belgien bewerben. Und dann, wenn ich soweit sei, solle ich zu ihm kommen. Er würde in der Zeit alles für uns organisieren. Und er würde auf mich warten, egal wie lange ich brauche. Denn er wolle mit keiner anderen Frau zusammen sein als mit mir. Aber in Berlin könne er einfach nicht glücklich werden.

Dann fing er an zu weinen und fragte, ob ich glaube, dass wir das schaffen können.
Und unter Tränen fragte er mich, ob ich ihn heiraten würde. Er würde immer für mich da sein und alles dafür tun, dass ich glücklich bin. Er würde sich dort drüben wieder wie ein Mann fühlen und mir jeden Wunsch erfüllen können. So wie, als wir uns kennenlernten. Ich würde mit meiner Ausbildung auf jeden Fall einen tollen Job finden. Irgendwie. Und solange ich diesen nicht habe, würde er genug für uns beide verdienen. Er weinte bitterlich und wiederholte immer wieder den Satz „heirate mich, bitte heirate mich“.
 
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