AW: Kann man zwei Menschen lieben?
So, nun zur zweiten Geschichte von mir (sie stimmen übrigends beide, also real life). Ich muss leider nochmal von einer anderen Freundin berichten. Ich habe zwar auch männliche Freunde, die fremd gehen, aber Männer machen das ganz anders, sie gehen fremd auf ner Party, Geschäftsreise, oder wo auch immer, geben aber nicht ihre Nummer her und fangen auch nicht an, sich ins Gefühlschaos zu stürzen, sondern haben Spaß und Haken dran. Sie sind sich manchmal glaube ich im Klaren, dass sie ihren Frauen nicht so gut was vorspielen/ vormachen können und deswegen gehen sie nicht das Risiko ein, sich emotional an jemand anderen zu binden. Dann geht es wirklich nur um ... und Liebe, Nähe, etc. gibt es zu Hause.
Aber nun zu meiner anderen Freundin T:
N. hat einen Mann, der beruflich sehr erfolgreich ist. Er ist permanent unterwegs, hat eine eigene Firma, viel Stress, wenig Zeit und auch noch sehr viele Hobbies (Fußball jedes Wochenende, Golfen, etc.). Sprich, N. sieht ihren Mann zwar, aber nicht wirklich jeden Abend und regelmäßig. Ihr Mann ist kein bisschen eifersüchtig, denkt aber auch, dass er eine ganz brave Frau an seiner Seite hat, die ihn immer wohlwollend unterstützt. N. wird von ihren Schwiegereltern geliebt, alle mögen sie, sie ist selbst beruflich auch erfolgreich, aber ist eben auch junggeblieben und ein Mensch der gerne tanzt, Party macht, was trinkt, etc. Im Grunde hat sie zwei Gesichter: Kostümtragende Karrierefrau unter der Woche, Partymaus am Wochenende. Ihr Mann geht fast nie mit aus in Clubs, etc. weil er am Wochenende ausgebrannt ist, geht gerne früh schlafen und kann mit Weggehen nichts anfangen. N. (so wurde sie auch meine Freundin), geht trotzdem aus, er hat auch nichts dagegen und macht jedes Wochenende was mit ihren Freundinnen oder auch unter der Woche wenn ihr Mann beruflich unterwegs ist. Die Beziehung von N. und Mann ist nach Aussen hin ideal. Keiner würde jemals etwas vermuten, wirklich. Fakt ist: Wenn ihr Mann weg ist, kommt ihr Freund. Ihr Freund ist auch in etwa so alt, aber genau das Gegenteil von ihrem Mann: derzeit hier und da am jobben, gelernter Maurer, kein bisschen so intelligent, aber sehr warmherzig. Sie hat sich in ihn verliebt, ihm aber gleich gesagt, dass sie ihren Mann nie verlassen kann und wird. Schon alleine nicht, weil so viel dran hängt, aber auch weil sie ihn sehr liebt. Tja, mit dem Maurer hat sie Spass, macht Ausflüge an Seen, wilde Parties, etc. und mit ihrem Mann geht sie Sonntags sicher in die Kirche. Sie hat am Anfang lange nichts erzählt, weil sie dachte ich würde sie verurteilen. Ich hätte das bei ihr mit ihrem Unschuldsengelgesicht auch nie gedacht. Das Risiko erwischt zu werden, ist immer da. Aber sie sagt, sie hätte die genialste Zeit ihres Lebens, ist zum ersten Mal rundum glücklich und egal wie groß der Schmerz noch sein wird, der Maurer ist ihr nicht so wichtig wie ihr Mann, aber er hat indirekt ihre Ehe verbessert, da diese nun auch wieder besser funktionieren würde. Ab und an weint sie, dann geht es ihr schon schlecht, vor allem weil sie sehr gläubig ist und denkt sie müsste irgendwann dafür ganz schlimm büßen, aber sie sagt, sie hat auch irgendwie für sich akzeptiert, dass ihre Ehe mit einem Mann, der so wenig Zeit hat für sie, nur dann funktionert, wenn sie nebenher noch jemanden hat, der ihr Zeit, Aufmerksamkeit, Anerkennung gibt. Der Maurer weiss, dass sie eigentlich nicht seine Liga wäre und er ist glücklich, weil er nirgendwo etwas vergleichbar wunderbares finden kann. Sie ist froh, weil sie beim Maurer so sein kann, wie es ihr eben gerade wirklich geht. Sie lebt in meinen Augen zwei Leben. Ich weiss nicht, wie sie die Balance schaffen kann, ich stelle es mir sehr sehr anstrengend vor, aber sie sagt, dass das Leben so kurz ist, und sie praktisch zwei komplett voneinander losgelöste, gänzlich unterschiedliche Leben lebt. Und irgendwie stelle ich mir das auf der anderen Seite auch wieder ziemlich faszinierend vor.