"Mariologie" im Koran? Die gibt es noch nicht einmal im Neuen Testament.
Dazwischen liegen die ökumenischen Konzile. Die mit der Christologie nebenher auch Maria verhandelt haben. Wenn Christus Wahrer Mensch und Wahrer Gott ist, ungetrennt in einer Person, dann hat Maria nicht nur den Menschen, sondern auch den Gott Jesus geboren. Dann heißt sie Theotokos, Gottesgebärerin.
Das wurde übrigens auf dem Konzil in Ephesos verabschiedet; Ephesos, in dem das Artemision stand, der gewaltige Tempel der Artemis, der Großen Göttin, eines der sieben Weltwunder der Antike. Als Paulus dort predigte, haben ihn die Göttinenfigürchenschnitzer noch davon gejagt, er verderbe ihr Geschäft. Als Jahrhunderte später aus der Konzilskirche nach außen drang, daß beschlossen worden war, Maria sei die Mutter Gottes, da haben die umgeschulten Marienfigürchenschnitzer das spontan gefeiert mit einem festlichen Fackelzug durch die Gemeinde. Kirche reagierte offensichtlich auf die Nachfrage mit einem annehmbaren Angebot.
Der Koran wiederum nimmt dagegen elaboriert Stellung. Zumindest in der Praxis artet das in Beigesellung aus, also entziehen wir dem auch in der Theorie, schon im Mythos jegliches Fundament.
"Und wenn Gott sagt: O Jesus, Sohn Marias, bist du es, der zu den Menschen gesagt hat: 'Nehmt mich und meine Mutter außer Gott zu Göttern'?, wird er sagen: 'Preis sei dir! Es steht mir nicht zu, etwas zu sagen, wozu ich kein Recht habe.'" (Sure 5, Vers 116)
Weiterführende Literatur:
Jesus und Maria spielen im Islam keine Rolle? Weit gefehlt: Tatsächlich misst der Koran den beiden Figuren eine herausragende Bedeutung zu und nennt Jesus sogar "Wort Gottes". Bei näherer Betrachtung zeigen sich noch andere ungeahnte Verbindungen zwischen Christentum und Islam.
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Wenn es so etwas wie um den Marienkult geht, der scheint mir im 19. Jahrhundert entstanden zu sein
Der Marienkult hat ihre Anfänge überwiegend in den Ostkirchen genommen und ist mit den Kreuzzügen vor allem zu uns rüber geschwappt, enorme Aufwertung hat sie noch mal in der Gegenreformation erfahren. Der Linke Niederrhein war mit den Niederlanden durch und durch protestantisiert, bis es die Gottesmutter barmte und sie einem fahrenden Händler in Kevelaer erschien. An Säkularisation hatten da noch nicht einmal die Reformierten zu denken gewagt.