Landschaftsbilder

univers

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24 Mai 2008
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Bonn
Da dieses Forum "Deutsch-Türkische Community" heißt, mal um eure Fixierung von den Wahlen, Corona und AfD aufzulösen;

Man kann ohne Übertreibung die Türkei in mindestens Drei geographischen und mit diesem einhergehend drei unterschiedlichen Gesellschaftsformen teilen.
Der Westen, vom europäischem Teil bis 400 Km westlich von Ankara, Teile Schwarzmeers und der Ägäis miteinbegriffen, in der südlichen Richtung an das Taurusgebirge angrenzend.
Diese Region ist industrialisiert, vom Rest der Welt informiert und das Einkommensniveau gleichmäßiger, die Menschen zufriedener mit den Gegebenheiten des Lebens, auch wenn Zellen des Extremlinks vorkommen eher von Extremrechts bis Links politisch.

Das Mittelmeer, wie das Klima, das durch die Taurus Gebirgskette vom Rest des Landes abgetrennt ist, sind auch die Gepflogenheiten der Menschen völlig anders. Ich führe das auf den Tourismus zurück.
Die Menschen sind aufgeschlossener, vor allem voll beschäftigt, wenn man die Zugewanderten aus den anderen Teilen des Landes nicht mit einberechnet, freundlicher, es ergibt insgesamt ein Bild von einem europäischem Menschen mit türkischem Hintergrund;). Hier muss man ausholen, wenn die Rede vom freundlichem, aufgeschlossenem Europäer die Rede ist und zwar dass dieser Mensch, also der TouristIN durch Sonne und des billigen Lebens einfach seine Sorgen ins Meer spült, es blüht auf und steckt die Einheimischen damit an.
Alle, ob einheimisch oder fremd, lachen..habe dort einige Jahre verbracht und in der Tourismusbranche gearbeitet.
Die Ägäis dürfte zu dieser Region zugerechnet werden.
Politisch konservativ bis links

Der Osten, das Raue...im Strudel des politischen Zwang verfangen muss es mit harten Umweltbedingungen zurecht kommen und da es nicht ganz gelingt, schickt es seine Söhne und Töchter in die Ferne. angefangen von Istanbul, Izmir bis nach Schweden, alten sowjetische Republiken, Afrika.
Die Mädchen noch gegen Geld in die Ehe geschickt, Großgrundbesitzer leben in Clans .Das Militär Omnipräsenz, im dem sie z.Bsp. angefangen von der iranischen Grenze bis nach Sivas an der Hauptverkehrsader, der E80, nur am östlichem Einfahrt jeder Stadt, Kreisstadt 2 m hohe Betonbarrieren, Verkehrsschickanen aufstellt und die Verkehrsteilnehmer, vor allem Reisebüße anhält und Personalien der Reisenden überprüft, bewaffnet mit Maschinengewehren und kugelsichern Westen.
Diese Menschen haben keine Interesse am Geschehen der restlichen Welt, so sehr sind sie dazu gezwungen sich zu benehmen und die meisten haben auch keine Ahnung von Shaekspeare oder Adolf Hitler, auch die inländische politische Bühne ist ihnen nebulös, denn sie werden Tagein-aus mit den in zwei Lager aufgeteilten Medien berieselt, folglich keine eigenen Meinung.
Politisch konservativ bis Extremlinks bzw. separatistisch.

Übrigens, ich habe in den erwähnten Regionen gelebt, Schwarzmeer ausgeschlossen und wenn ich von einer Region in die andere wechselte, war es mir, als ob ich in verschiedene Länder einreise.
 

univers

Well-Known Member
24 Mai 2008
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Ein anderes Land,

meine erste Bekanntschaft mit dem Typus Europäer stammte au seiner Modezeitschrift, in dem junge Frauen und Männer abgebildet waren, die ich nicht einzuordnen wusste. Einerseits waren es Antlitze, deren Gesichtszüge so perfekt waren, wie von antiken griechischen Bildhauerdass gemeißelt, das ich zweimal hinschaute, ob es Menschen aus Blut und Fleisch waren. Es verwunderte mich und ich empfand keinen Neid, denn sie waren so weit entfernt von meiner Erkenntniswelt.

Später als ich dem Europäer von Angesicht zu Angesicht stand, empfand ich es als was natürliches an, als dass es mich erschreckte oder verwunderte, okay ich bewunderte schon ihre blauen Augen und die blonden Augen.
Und ich mischte mich unter ihnen, lernte ihre Ängste, Sorgen, Freuden kennen.
Und dann sah ich das Elend der Obdachlosen und ich schloss mich freiwillig ihnen an, um von innen zu sehen, was da abgeht, denn ich konnte mir aus der Ferne kein Bild davon machen, wie und wieso mein kein eigenen Dach über den Kopf hatte, ich kannte es nur so. sei es auch ein Lehmhaus..
Es lag am System, in dem man ein Rädchen war und wenn man mal Verschleißerscheinungen gezeigt hatte, wurde man einfach ausgetauscht, aus dem Rad genommen und weggeschmissen.
Das System kannte keine Erneuerung, sondern nur Ersatz.

Und ich sah das Elend der "Aussteiger", die sich vorgenommen hatten solch ein System abzuhäuten und statt dessen auf sich gestellt zu sein, jedoch war das System so versponnen,, dass diese Aussteiger keine Nische fanden und sie entdeckten die Drogen;
ich war mit dem Zug nach Frankfurt unterwegs und musste in Koblenz umsteigen, jedoch lag eine lange Zeitspanne für den nächsten Zug und so begab ich mich auf den Vorplatz vorm Bahnhofsgebäude und wollte eine Kleinigkeit essen, es war am Tag und sonnig, da war eine mobile Imbissbude, wo ich mich auch hinbegab, bestellt eine Currywurst mit Fritten, inmitten der Bewegung einen Biss in den Mund zu nehmen erstarrte ich.
Dort auf dem Vorplatz, wo ich gerade entlang gelaufen war, war eine Gruppe junger Menschen beider Geschlechts um die 20, die Jungen trugen lange Haare.
Eigentlich hätte man sie nicht für eine geschlossene Gruppe halten können, denn sie hielten sich mit einigem abstand zueinander auf dem Platz auf, aber ihr Auftreten verschmolz sie unbestreitbar zu einer Gruppe, ein junger Mann lag auf dem Boden, so als würde er schlafen und mit einem Abstand zu diesem noch zwei junge Frauen, die aufm Boden lagen, einer harrte in der Brückenhaltung, zugegeben das letzte Bild verleitete mich zu dem Gedanken, ob dies eine Demonstration gegen das System war. Ich ging näher zu diesem Brückenbauer und sah, dass es schlief, war es doch Yoga?
Ich sah junge Frauen, die auf den Strich gingen nur um Drogen zu kaufen.
Natürlich sah ich auch Menschen emsig auf der Arbeit, oder die sich den Freuden des Lebens verschrieben hatten, na ja diese Seite kennt ja auch ihr.

Aber das Bild des Europäers wie aus der Modezeitschrift war eine Lüge, über die ich nicht enttäuscht war, denn es war spannenderer den wahren Europäer zu erleben.
 

univers

Well-Known Member
24 Mai 2008
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Bonn
Ohne Worte deshalb, weil die architektonische Schönheit unbestreitbar ist...abeer;
vorweg, ich wollte euch nicht hinters Licht führen, jedoch will ich die Fakten aus meiner Sicht zu dieser Moschee darlegen und klagen.

- Ich klage an, das während im Osten des Landes zu dieser Jahreszeit ganze Ortschaften wegen den Witterungsbedingten Umständen über Monate von der Zivilisation abgeschnitten sind..
- Hierzulande mit dem Mindestlohn ca 300 Liter, hingegen z.Bsp. in Deutschland etwa 900 Liter man sich leisten kann..
- Kinder zw. 10 - 15 Jahren, wie hier in der Stadt der prächtigen Moschee/Ankara wiederverwertbares Müll von den Strassen aufsammeln..
Straßenhunde ausgemart bis auf's Knochen den Müll durchwühlen..
- Immer noch Soldaten in unerklärbaren Auseinandersetzungen sterben und in den Medien als Helden gepriesen werden..
- Die Städte im Osten des Landes militärisch abgeschirmt sind..

und dann setz man immer noch Energie ein, um solche Bauten zu errichten.
Für wen, was?
Dort wo nunmehr die Moschee seit drei Jahren steht, gab es annähernd 100 Händler, die vom Tabak bis hin Handys verkauften, mindestens 400 Menschen ernährten sich von diesen Läden. Wo sind sie hin, wie ermöglichen sie jetzt ihr Auskommen?

Ich stand dort vor der Moschee und ihr schönes Anblicks täuschte nicht über das Morbide hinweg und ich dachte, diesen Kummer muss ich bei euch loswerden :)
 

Mendelssohn

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17 Januar 2016
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Ich kenne nur die türkischee Küste im Westen und Süden. Nirgends waren die Menschen freundlicher, geradezu liebenswert, als im Süden. Im Westen waren sie sehr wohlhabend, Hunde und Katzen sind dort wohl gelitten und gut genährt, offenbar mit einem Zuhause. Der Flair der kleinen Dörfer an der Westküste erinnerte mich an die Riviera. Nur wenn die Moschee zum Gebet rief, war es anders als in der Cinque Terre (wo ja dauernd die Glocken aus bestimmtem Anlass läuten, der für Einheimische am Glockenschlag zu identifizieren ist). Stell dir vor, du liegst in kristallblauem Wasser, allein mit ein paar Wassevögeln und abgewandt von der Mittagssonne mit Blick auf Dorf und Berge und dann ruft der Muezzin zum Gebet, erinnert dich an deine Kleinheit im Großen Mosaik der Menschheit und der Natur. In dem Augenblick bist du ein Teil von all dem, aufgenommen in der Fremde, ob du die Worte verstehst oder nicht. Du wirst angesprochen, integriert. Jeder, der das Wort hört, einen Augenblick anhält, gehört dazu. Es ist mehr Kultur als Religion und weit weit weg von Taliban, Muslimbrüdern oder IS. Das Dorf heißt Göltürkbükü. Fast noch schöner als Monterosso al Mare.
 

univers

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Stell dir vor, du liegst in kristallblauem Wasser, allein mit ein paar Wassevögeln und abgewandt von der Mittagssonne mit Blick auf Dorf und Berge und dann ruft der Muezzin zum Gebet, erinnert dich an deine Kleinheit im Großen Mosaik der Menschheit und der Natur. In dem Augenblick bist du ein Teil von all dem, aufgenommen in der Fremde, ob du die Worte verstehst oder nicht. Du wirst angesprochen, integriert. Jeder, der das Wort hört, einen Augenblick anhält, gehört dazu. Es ist mehr Kultur als Religion
Das nenne ich platonische Liebe..
du verdrängst die harte Realität, aber ich versteh dich in dem Sinne, dass es mir als Nichtchristlicher bei Kirchenglocken auch so erging, aber diese Empfinden geht weder von Kirchenglocken, noch vom Müezzinruf aus, sondern ist das eigene Empfinden, dass man den Ruf oder den Glockengeläut ohne Vorurteil als ein Teil vom Ganzem/Kultur akzeptiert.
Täte man dies nicht, würde man sich ob der Splitterung unwohl fühlen, jedoch ist das eine andere wahre Schiene der Wahrnehmung, die aber wenn auch aneckend in der "harten Realität" einmündet.