Männer suchen mit dem Herzen, Frauen mit dem Hirn
Viele Single-Männer vertrauen laut Paartherapeuten bei der Partnerwahl auf romantische Klischees – und genau zwei Auswahlkriterien. Doch es gibt bessere Strategien, um die große Liebe zu finden.
Stefan ist 42 Jahre alt, erfolgreicher Architekt, ein gutaussehender humorvoller Typ – und seit zwei Jahren Single. „Ich finde einfach nicht die Richtige“, sagt Stefan. „Wahrscheinlich bin ich zu wählerisch.“ Vielleicht geht Stefan das Projekt „Traumfrau fürs Leben gesucht“ aber auch einfach nicht optimal an.
Beziehungscoach Christian Thiel jedenfalls sagt, dass viele Männer sich bei der Partnersuche allzu sehr von romantischen Klischeevorstellungen leiten lassen. Frauen würden Hollywoodschnulzen zwar anschauen, aber nicht daran glauben – ganz im Gegensatz zu den Männern.
So seien die meisten Männer beispielsweise felsenfest davon überzeugt, dass es die Liebe auf den ersten Blick gibt. Sehnsuchtsvoll warten Single-Männer darauf, dass die echte, große und einzigartige Liebe einschlägt wie ein Blitz. „Doch Liebe auf den ersten Blick ist keine Liebe, sondern eine Kombination aus erotischer Anziehung und Egostreicheln“, sagt Thiel. Wer das Begehren in den Augen des anderen wahrnimmt, fühlt sich geschmeichelt. Das Problem: Ob der andere auf Dauer zu einem passt, darüber sagt solch ein magischer Moment wenig aus. Doch viele Männer seien der Überzeugung, dass es egal ist, in wen sie sich verlieben – Hauptsache, die Emotionen sind überwältigend.
Große Gefühle statt Realismus
Auch Stefan sind solche Gedanken nicht unbekannt. Er gibt gern Gas nach dem ersten Treffen. „Wenn ich ein gutes Gefühl mit einer Frau habe, dann zeige ich ihr das auch.“ Männer sagen generell früher „Ich liebe dich“ als Frauen. Beim ersten Date würden laut Studien sieben Prozent der Männer ihrem Gegenüber offenbaren, sich unsterblich verliebt zu haben. Lediglich ein Prozent der Frauen sei da schon zu derartigen Gefühlsausbrüchen bereit, sagt Thiel. Männer kassierten im Rausch der Gefühle etwa fünf- bis zehnmal so viele Körbe wie Frauen. Die seien tendenziell sehr viel rationaler in Liebesdingen als Männer – und daher erheblich wählerischer und vorsichtiger, das sei wissenschaftlich belegt.
Männer verlassen sich auf den schönen Schein
Nicht nur, dass Männer sich gern und oft auf ihre Gefühle verlassen, sie vertrauen bei der Suche nach ihrer Traumfrau auch auf ein eng begrenztes Arsenal an Auswahlkriterien. „Rund 80 Prozent aller Männer sind nur zwei Kriterien wichtig“, sagt Thiel. Erstens: Sieht sie gut aus? Und Zweitens: Ist sie nett zu mir?
Unter „nett“ verstehen Männer, dass ihre Partnerin ihnen ernsthaftes Interesse, Anerkennung und Begeisterung entgegen bringt. Frauen dagegen hätten deutlich mehr Kriterien, darunter nicht nur das Äußere, sondern auch Fragen, die Status, Bildung und Einkommen betreffen – und den Charakter.
Thiel rät, nach jemandem Ausschau zu halten, der einem vom Wesen her wirklich ähnlich ist. „Wer nach einem charakterlich komplett gegensätzlichen Partner sucht, der empfindet die eigene Persönlichkeit als mangelhaft.“ Moderate Gegensätze seien zwar bereichernd, wer sich aber nach dem Motto „Gegensätze ziehen sich an“ an einen Menschen bindet, der einen völlig konträren Lebensstil hat, der werde häufig enttäuscht.
Die Hunderterregel
Der Beziehungscoach plädiert für viel Realitätssinn und Pragmatismus auf der Suche nach dem Partner fürs Leben. Das gelte für Frauen und Männer. Deshalb empfiehlt Thiel, aktiv und gezielt nach dem Traumpartner zu suchen, denn „Gelegenheit macht Liebe“. Seine Lieblingsstrategie ist das Verkuppeln im Freundeskreis. „Wer das durchzieht, schafft es, in kurzer Zeit auf gute Zahlen zu kommen.“ Überlässt eine Frau es dem Zufall, müsse sie statistisch 100 Männer treffen, bis der Richtige dabei sei.