lieber Zerd

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mar

Guest
AW: lieber Zerd

Das Suchen nach einer Konvergenz zwischen Physik und Mystik haben ja schon in vorangegangene postings auch mein Suchen nach Rationalität im Einklang / Ergänzung zur Intuition mit Ereignissen und Erfahrungen aufgeworfen.

Man lebt im Gleichklang dahin, so meint man. Trotz offenen Geistes erschließt sich die Welt nicht im wissenschaftlichen Sinn, sondern im intuitiven, im wahrnehmenden Sinne. Doch auch Wahrnehmungen sind verfremdet oder nicht aufschlüsselbar, weil Grundmodelle der modernen Physik nicht immer eingängig dem Menschen offenbart werden , sie auch als mystische innere Abläufe der Seinswerdung zu erkennen.
MAR


es ist an einem samstag mal die zeit gewesen, sich durch alte beiträge zu forsten - nicht, das ich nicht des öfteren mal hier in "lieber zerd" reingeschaut hätte. es ist ja mehr oder weniger ein rückblick auf fast zwei jahre ,nachdem dieser thread eröffnet wurde...die unregelmässigen abstände der postings und die LEERE, die scheinbar ziwschen dem letzten datum und dem heutigen liegt, hat mich verleitet, am letzten psoting ein bisschen anzuknüpfen , aber auch die LEHREN, die das vergangene jahr in diese oder jene leben gestreut wurden, zu beleben.

wie sich die zeit wandelt, und doch zugleich stehenbleibt.
das man vergangenes wieder in die jetzt-zeit holt, ist wie ,als wenn man die relationen von zeit und raum zu minimieren versucht ; so, als würde man etwas ausserhalb jedes gewesenem dieses einen stück gegenwart abringen, welches eben genau in diesen heutigen tag passen würde.

im gewissen sinne begleiten ja viele worte, erkenntnisse und situationen, auch die des virtuellen lebens, unsere wahrnehmung. wie ein mensch, der durch peripherisches sehen alles aus den augenwinkeln betrachtet und alles was er wahrnimmt , zu einem ganzen verschnüren kann.
unsere unbewusste perzeption hilft dabei, die wesentlichen dinge tatsächlich als wesentlich zu erfassen, sie abzuspeichern und in einem moment, wenn man darauf zurückgreifen möchte, dies auch tun kann.
es ist nicht nur die blosse erinnerung, die aufgewühlt wird, es ist auch erkennen, das das menschliche SEIN immer in einem ausnahmezustand zu sein schein...
im zeit- und raumgefüge des universums sind diese kurzen lebensformen wie das des menschlichen lebens tatsächlich ausnahmeformen. was sind 70 jahre in einem schmelztiegel von jahrmillionen.

was sind worte im meer der millionen worte, die tagtäglich geschrieben und gesprochen werden. nichts.
es sind verflüchtigte lettern, von denen ganz wenige "verzeitlicht" werden können. es sind ganz wenige, die bestand haben vor dem millionen augen, die darüber gleiten und am nächsten tag schon nicht mehr wissen , was sie gelesen haben.

das sein des menschen ist für viele andere menschen nur ein weisser fleck auf ihrer innern landkarte, das sein als lebensform eines menschen ist besiegelt durch das erste einatmen bei der geburt. und wie so vieles ist die geburt der auslöser , auch über den tod nachzudenken.
früher hatte ich in erzählungen oder märchen immer im ohr: wenn ein mensch geboren wird, stirbt anderswo jemand.
in geschichten wird das so plastisch dargestellt , das man wirklich meinen könnte, da ist ein kommen und gehen wie am fliessband. heute weiss ich, das es die in märchen verpackten wahrheiten über den sinn des lebens sind. es ist die volksnahe philosophie, das wir alle irgendwann an der anderen seite des "fliessbandes " stehen und das wir als SEIENDE ins SEIN zurückkehren.

es ist der moment, wo sich entscheidet, ob unser leben, unser sein, unser wirken durchlässig für andere menschen sein wird. ob etwas hinterlassen wird, was irgendwann jemand in weiter ferne das, was von uns blieb, in seine zeit hineinheben wird.

ich stelle sehr oft fest , das das, was ich lese auch wahr nehme. damit meine ich nicht das "bis auf die haut heranrücken" , sondern das aus der distanz sehende.
erst die distanz kann wesentlichen dingen einen sinn verleihen. aus der distanz wandeln sich die begriffe zu begriffsmetapher und nimmt mich damit "aus der zeit heraus" .
ich versuche das mal anhand unserer forumsbeiträge zu erklären...wir loggen uns morgens ein und werde von einer fülle an mitteilungen überschwemmt. mitteilungen aus der vergangenheit. gestern oder gestern nacht ist nicht heute .
ich kann also nicht gegenwärtig sein mit dem gesagten eines anderen , weil ich erst heute dieses gesagte in meine reale zeit hineinnehmen kann. man ist sozusagen ohnehin schon "ausser der zeit". meine wahrnehmung registriert es aber im ersten moment als "gegenwärtig" .
also trete ich ( imaginär) ganz bewusst einen schritt zurück, um diese empfundene gleichzeitigkeit wieder aufzulösen.
diese leere oder distanz ist notwendig, um die wirkung des wortes in seine ursprüngliche bedeutung "zurückzuweisen". der mächtigkeit eines satzes oder eines begriffes kommt somit nur die macht zu, die ihr in ihrem sprachwirken zusteht.
unsere antworten , die aus dem heute kommend auf eine wortkette von gestern eingeflochten werden, müssen praktisch gestriges ins gegenwärtige einbinden.
unser ICH weiss das und erkennt , das wir mit variablen arbeiten. wir lesen uns texte durch und selektieren diese nach wirkungsmächtigkeit oder nach nachhaltigkeit . dieses betrachten und sortieren bewirkt , das gelesenes haften bleibt, subtil. es bewirkt, das wir den wiedererkennungsmechanismus aktivieren und schon vorhandenes mit dem neuen verbindet.

man lernt subtil zu differenzieren und sogar, das man statt einen schritt zwei schritte zurücktreten muss, wenn sich durch andere verkettungen ein- und derselben worte der sprachliche terminus zur mauer wird, anstatt zum grenzüberschreitenden , zeitüberwindenden austausch.
.... wenn man geschriebenes liest und dieses geschriebene an einem datum festgemacht wird, liegt es in der natur des menschen, sich auf dieses datum zu berufen. in meinem zeitempfinden ist es für mich eigentlich unmöglich, gedanken, die man lange vorher hatte und erst heute niederschreibt, ihre wirksamkeit an diesem datum festzuklammern, an dem sie "schriftpräsenz " erhielten.
das geschriebene hat eigentlich "nur" das SEIENDE in eine ästhetische form gebracht.
das wissen wir alle, das das , was man in sich trägt und was einem wichtig erscheint, eine ganz besonderer form bedarf, um es den menschen nahe zu bringen, die sich in "meiner zeit" bewegen . und natürlich soll es menschen erreichen, die sich nicht scheuen, eine zeitreise zu machen.
das ist nichts galaktisches oder surreales, von dem ich spreche, sondern ich meine die möglichkeit, sich worte, texte , geschichten durchzulesen, um damit die "zeit und den raum" eines anderen menschen als etwas innerliches zu erfassen und zu begreifen.

Wenn ich anderswo schreibe, der sinn des lebens ist das SEIN, dann ist das die stark verkürzte form aller inhalte der philosophischen ausrichtungen ; eine quintessenz dessen, was uns als menschen möglich macht , sich im SEIN zu bewegen, ohne unser leben an einem datum festzumachen.
wenn wir zeit und raum als den hintergrund eines menschlichen erdenlebens wahrnehmen, in dem wir einen schritt zurückgehen, aus der distanz betrachten, was letztendlich mit uns zu tun hat, aber auch ohne uns bestehen kann, dann ist das die eintrittskarte zur inneren erkenntnis und zur wahrnehmung die mit WAHR zu tun hat...

MAR 19.1.2008
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mar

Guest
AW: lieber Zerd

es ist an einem samstag mal die zeit gewesen, sich durch alte beiträge zu forsten - nicht, das ich nicht des öfteren mal hier in "lieber zerd" reingeschaut hätte. es ist ja mehr oder weniger ein rückblick auf fast zwei jahre ,nachdem dieser thread eröffnet wurde...die unregelmässigen abstände der postings und die LEERE, die scheinbar zwischen dem letzten datum und dem heutigen liegt, hat mich verleitet, am letzten posting ein bisschen anzuknüpfen , aber auch die LEHREN, die das vergangene jahr in diese oder jene leben gestreut wurden, zu beleben.

wie sich die zeit wandelt, und doch zugleich stehenbleibt.
das man vergangenes wieder in die jetzt-zeit holt, ist wie ,als wenn man die relationen von zeit und raum zu minimieren versucht ; so, als würde man etwas ausserhalb jedes gewesenem dieses einen stück gegenwart abringen, welches eben genau in diesen heutigen tag passen würde.

im gewissen sinne begleiten ja viele worte, erkenntnisse und situationen, auch die des virtuellen lebens, unsere wahrnehmung. wie ein mensch, der durch peripherisches sehen alles aus den augenwinkeln betrachtet und alles was er wahrnimmt , zu einem ganzen verschnüren kann.
unsere unbewusste perzeption hilft dabei, die wesentlichen dinge tatsächlich als wesentlich zu erfassen, sie abzuspeichern und in einem moment, wenn man darauf zurückgreifen möchte, dies auch tun kann.
es ist nicht nur die blosse erinnerung, die aufgewühlt wird, es ist auch erkennen, das das menschliche SEIN immer in einem ausnahmezustand zu sein schein...
im zeit- und raumgefüge des universums sind diese kurzen lebensformen wie das des menschlichen lebens tatsächlich ausnahmeformen. was sind 70 jahre in einem schmelztiegel von jahrmillionen.

was sind worte im meer der millionen worte, die tagtäglich geschrieben und gesprochen werden. nichts.
es sind verflüchtigte lettern, von denen ganz wenige "verzeitlicht" werden können. es sind ganz wenige, die bestand haben vor dem millionen augen, die darüber gleiten und am nächsten tag schon nicht mehr wissen , was sie gelesen haben.

das sein des menschen ist für viele andere menschen nur ein weisser fleck auf ihrer innern landkarte, das sein als lebensform eines menschen ist besiegelt durch das erste einatmen bei der geburt. und wie so vieles ist die geburt der auslöser , auch über den tod nachzudenken.
früher hatte ich in erzählungen oder märchen immer im ohr: wenn ein mensch geboren wird, stirbt anderswo jemand.
in geschichten wird das so plastisch dargestellt , das man wirklich meinen könnte, da ist ein kommen und gehen wie am fliessband. heute weiss ich, das es die in märchen verpackten wahrheiten über den sinn des lebens sind. es ist die volksnahe philosophie, das wir alle irgendwann an der anderen seite des "fliessbandes " stehen und das wir als SEIENDE ins SEIN zurückkehren.

es ist der moment, wo sich entscheidet, ob unser leben, unser sein, unser wirken durchlässig für andere menschen sein wird. ob etwas hinterlassen wird, was irgendwann jemand in weiter ferne das, was von uns blieb, in seine zeit hineinheben wird.

ich stelle sehr oft fest , das das, was ich lese auch wahr nehme. damit meine ich nicht das "bis auf die haut heranrücken" , sondern das aus der distanz sehende.
erst die distanz kann wesentlichen dingen einen sinn verleihen. aus der distanz wandeln sich die begriffe zu begriffsmetapher und nimmt mich damit "aus der zeit heraus" .
ich versuche das mal anhand unserer forumsbeiträge zu erklären...wir loggen uns morgens ein und werde von einer fülle an mitteilungen überschwemmt. mitteilungen aus der vergangenheit. gestern oder gestern nacht ist nicht heute .
ich kann also nicht gegenwärtig sein mit dem gesagten eines anderen , weil ich erst heute dieses gesagte in meine reale zeit hineinnehmen kann. man ist sozusagen ohnehin schon "ausser der zeit". meine wahrnehmung registriert es aber im ersten moment als "gegenwärtig" .
also trete ich ( imaginär) ganz bewusst einen schritt zurück, um diese empfundene gleichzeitigkeit wieder aufzulösen.
diese leere oder distanz ist notwendig, um die wirkung des wortes in seine ursprüngliche bedeutung "zurückzuweisen". der mächtigkeit eines satzes oder eines begriffes kommt somit nur die macht zu, die ihr in ihrem sprachwirken zusteht.
unsere antworten , die aus dem heute kommend auf eine wortkette von gestern eingeflochten werden, müssen praktisch gestriges ins gegenwärtige einbinden.
unser ICH weiss das und erkennt , das wir mit variablen arbeiten. wir lesen uns texte durch und selektieren diese nach wirkungsmächtigkeit oder nach nachhaltigkeit . dieses betrachten und sortieren bewirkt , das gelesenes haften bleibt, subtil. es bewirkt, das wir den wiedererkennungsmechanismus aktivieren und schon vorhandenes mit dem neuen verbindet.

man lernt subtil zu differenzieren und sogar, das man statt einen schritt zwei schritte zurücktreten muss, wenn sich durch andere verkettungen ein- und derselben worte der sprachliche terminus zur mauer wird, anstatt zum grenzüberschreitenden , zeitüberwindenden austausch.
.... wenn man geschriebenes liest und dieses geschriebene an einem datum festgemacht wird, liegt es in der natur des menschen, sich auf dieses datum zu berufen. in meinem zeitempfinden ist es für mich eigentlich unmöglich, gedanken, die man lange vorher hatte und erst heute niederschreibt, ihre wirksamkeit an diesem datum festzuklammern, an dem sie "schriftpräsenz " erhielten.
das geschriebene hat eigentlich "nur" das SEIENDE in eine ästhetische form gebracht.
das wissen wir alle, das das , was man in sich trägt und was einem wichtig erscheint, eine ganz besonderer form bedarf, um es den menschen nahe zu bringen, die sich in "meiner zeit" bewegen . und natürlich soll es menschen erreichen, die sich nicht scheuen, eine zeitreise zu machen.
das ist nichts galaktisches oder surreales, von dem ich spreche, sondern ich meine die möglichkeit, sich worte, texte , geschichten durchzulesen, um damit die "zeit und den raum" eines anderen menschen als etwas innerliches zu erfassen und zu begreifen.

Wenn ich anderswo schreibe, der sinn des lebens ist das SEIN, dann ist das die stark verkürzte form aller inhalte der philosophischen ausrichtungen ; eine quintessenz dessen, was uns als menschen möglich macht , sich im SEIN zu bewegen, ohne unser leben an einem datum festzumachen.
wenn wir zeit und raum als den hintergrund eines menschlichen erdenlebens wahrnehmen, in dem wir einen schritt zurückgehen, aus der distanz betrachten, was letztendlich mit uns zu tun hat, aber auch ohne uns bestehen kann, dann ist das die eintrittskarte zur inneren erkenntnis und zur wahrnehmung die mit WAHR zu tun hat...

MAR 19.1.2008


...................ps. versehentlich vergessen, die großen buchstaben zu ändern. liebe andrea , bitte diese posting mit der großen schrift löschen ,
 
M

mar

Guest
der mensch als fremder ort

nach süddeutschen gefilden , nach dialekten, die keiner versteht, nach erlebnissen mit geizigen mitbürgern und häuslebauenden "guten vatis " , nach gesprächsthemen, die mich fragen lassen, ob ganz deutschland " bestrickt " wird mit zopfmustern, nach abgeschiedenheit , nach schupfnudeln mit reis und sauerkraut, nach nächtlichen fast-minusgraden, nach weltmeisterschaften im skispringen , nach martinsbräubier und fusskühlendem "bächle", nach oswaldkapelle und jedwediger männerabstinenz, nach wanderungen nach der kuckucksuhr, nach rundbeleibter gemütlichkeit , nach merkwürdigen gedanken der ureinwohner, nach tatsächlich noch existierender moorhühnern, nach dörflicher kneipenidylle, nach treckerfahrenden zwölfjährigen und birklehoffestspielen, nach autobahnenstreiks und geröllverschütteten eisenbahngleisen, nach schmetterlingen und bienen, nach sattgrünen barockenen wäldern, nach klöstern und nonnen, nach viadukten aus der römerzeit und schwytzertytschen zöllnern, nach schwarzwälder kirschtorte und "pflümlikuche" vom cafe unmüssig, nach holundersekt und der besten pizza der welt von pino, nach hola und ole, nach fahrstühlen, die steckenbleiben , nach " esse sie mal, das aus ihne was wird" ( 150 kilofrau zu 68 kilofrau) , nach 12 ausgelesenen büchern und 5 geschriebenen kapiteln, nach einer beschwerlichen heimfahrt und baustellen auf bahnhöfen, nach dem schnuppern von berliner luft und dem ersten biss in einen simit von meiner bäckerei---- stelle ich fest: nirgends ist es schöner als als hier , wobei man hier wieder in abertausende fragmente zerlegen könnte....


kennt ihr das auch? man ist für längere zeit nicht zu hause , eigentlich gut so, aber wenn man dann langsam in den heimatlichen bahnhof einfährt, bemerkt man, wie sehr man doch verwurzelt ist mit gewohnheiten und erinnerungen, mit der stadt, in der man längere zeit lebt. es sind ganz merkwürdige gefühle.... in der ersten nacht zu hause weiss man oft nicht , wo man ist, wenn man aufwacht und man ist irritiert und durcheinander...
es ist so, als hätte man mehrere orte in sich und der körper weiss nicht mehr, wohin er gehört. man wacht in der nacht auf und denkt: nanu, irgendwoher kenne ich doch dieses zimmer...erst nach einigen tagen findet man wieder zu sich und stellt fast wehmütig fest, das man als kosmopolitischer dauertraveler so etwas wie heimweh hat...
nach was hat man heimweh ? das kann doch nicht nur die tasse kaffee aus der espressomaschine sein....

wie ich schon einmal festgestellt habe, ist der mensch ein fremder ort, den man immer und immer wieder zu bereisen wünscht . erst dann, wenn man von aussen oder nach einer reise, nach langer abwesenheit sich einem menschen und sich selbst eingeschlossen wieder nähert, stellt man fest, das man sich besser erkennt, sich selbst wiederfinden möchte im vertrauten oder fast vergessenem. vielleicht ziehen uns deshalb manchmal verlassene orte oder leerstehende häuser so magisch an, weil man möglicherweise erwartet, dort etwas von dem wiederzufinden, was man vor langer zeit verloren
glaubte ? ich weiß es nicht mit sicherheit, so wie man vieles andere nie sicher wissen kann. es ist der rhythmus des lebens, der pulsschlag , der die neugier zur lebensphilosophischer metapher verwandelt und mich, kaum das ich gelandet bin, schon wieder auf reisen schickt....auf reisen ohne fahrkarte und ohne flugticket. einfach auf reisen in die jüngste vergangenheit, die sich als alltägliches puzzle präsentiert und mir sogar sogenanntes langweiliges als nachdenkenswertes in die tagträume schickt...

und ich stelle fest , das gedanken an weniger spannendes auch erfrischend sein können- und sei es, das sie meinen innerlichen spiegel blankputzen


MAR 2008
 
H

hatira

Guest
AW: lieber Zerd

So isses,genau so issses!!

Sich wieder rückbesinnen,Werte erkennen....:lol:

Auch wenn du dich ein bißchen moquierst - dein Urlaub war schön (lese ich heraus).:wink:
 
M

mar

Guest
Wenn die Welt zu klein wird und man sich trotzdem verliert

Zitat aus http://www.turkish-talk.com/343561-post61.html:… wenn ich anderswo schreibe, der Sinn des Lebens ist das SEIN, dann ist das die stark verkürzte Form aller Inhalte der philosophischen Ausrichtungen ; eine Quintessenz dessen, was uns als Menschen möglich macht , sich im SEIN zu bewegen, ohne unser Leben an einem Datum festzumachen.
wenn wir Zeit und Raum als den Hintergrund eines menschlichen Erdenlebens wahrnehmen, in dem wir einen Schritt zurückgehen, aus der Distanz betrachten, was letztendlich mit uns zu tun hat, aber auch ohne uns bestehen kann, dann ist das die Eintrittskarte zur inneren Erkenntnis und zur Wahrnehmung die mit WAHR zu tun hat... Zitat Ende


Der Schatten zittert. Ich sehe, wie das Grau sich auf dem besonnten Weg fast haarscharf einbrennt. Sogar die zarten Blütenränder dieser Malvenblüte ziert wie ein Druck auf einem gelben Stück Stoff diese Strasse. Das Quart der Steinumrandung bildet einen natürlichen Rahmen um das Schattenbild. Ich bleibe stehen und versinke in diesem Bild. Ich verliere mich in diesem Schatten, der das Abbild der Wirklichkeit ist. Ich gehe spazieren mit meinen Gedanken. Ich verlasse die Wirklichkeit einer zartblauen Malvenblüte und bin in der Wirklichkeit der Schatten angelangt. Die Welt reduziert sich auf dieses Bild. .
Alles ist hier vorhanden. Das Licht, der Schatten, die Begrenzung und die Weite und Tiefe. Die Wirklichkeit und ihr Abbild. Die Ruhe und die Bewegung. Die Begegnung und die Trennung. Der Augenblick und die Unendlichkeit.

Mit einem Schritt zurück oder einem Schritt vorwärts trete ich schon in die nächste kleine Welt. Und noch einen Schritt weiter und ich bin in der Distanz, um zu sehen, wie der Tag in tausende Schatten zerspringt, wie er die Erde aufbricht und Wahrnehmungswelten erzeugt.
Mein Körper wirft seinen Schatten. Im Gehen sehe ich, wie er länger wird, dünner und am Ende bleibt ein Punkt. Alles wirft lange Schatten. Auch das Sein, selbst wenn es Nacht wird.
Dort wird der Schatten zu einem einzigen großen dunklen Bild. Und irgendwo dazwischen ist der Punkt, der übrigblieb, von diesem einzigen Augenblick meiner Betrachtung.
 
M

mar

Guest
Türme? Nein, Türen!

Türme? Nein, Türen!

Der Mensch ist ein fremder Ort , er ist der Turm von Babel , der zwar hoch hinaufragt und weithin sichtbar im Gedächtnis der Menschheit als geflügeltes Wort beheimatet ist , der aber auch als synonym für Unverständnis und Sprachgewirr steht. Der Mensch als Raum, als Gefäß für die Sprachen der Welt, für die Kulturen der Welt...
Beim Blättern in einer Museumsbuchhandlung entdeckte ich zufällig das Bild vom Turmbau zu Babel von Gustave Dorè , dessen Bilder und Illustrationen mmer einen Hauc von Science-Fiction haben und das, obwohl er aus einem ganz anderen Jahrhundert stammt als die, die sich gern seiner Bilder bedienen.
Vor dem wolkenverhangenen konischen Turm von Babel richtet sich in fast verzweifelter Pose ein Mensch auf, der mit den geöffneten Händen den Himmel anzuflehen scheint.
Ich war und bin immer sehr weit entfernt von mystisch-verklärten , biblischen Darstellungen, aber unter dem Blick , sie als Allegorie zu erkennen, die der literarischen Metapher gleich, gerade DURCH das "andere ausdrücken" die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, blieb ich bei diesem Bild nachhaltig berührt.
Ich war am Samstag mit Kindern und Jugendlichen im Museum. Es war die Ausstellung von Candice Breitz, die sich mit dem Starkult Jugendlicher auseinander gesetzt hat und auf sehr eindrucksvolle Weise reflektiert. Nach dem Besuch ist eigentlich vor dem Besuch, denn wie auch beim Lesen öffnen sich plötzlich geistige Türen und Schleusen und ehe man sich versieht , plant man schon den nächsten Besuch, das nächste Buch, die nächste Ausstellung.
Nach der Ausstellung gingen wir ins Café und das Postkartenbild legte ich auf den Tisch.
Dieser kurze Absatz ist für Euch Lesende schon ein babylonische Sprachgewirr? Was hat Dorès Bild mit Starkult zu tun und wieso sind biblische Themen in der Malerei mitunter wie eine Eintrittskarte zu sich selbst ?
Ich versuche es auf einen Nenner zu bringen. Beim Betrachten des Bildes fiel mir ganz spontan das Wort "Identität" ein . Wie die Geschichte um den Turmbau von Babel zustande kam, kennt eigentlich jede, zur Erinnerung die Kurzfassung: r... die EINE Sprache, die bis dahin alle Völker sprachen, zerfiel in 70 Sprachen und alles, die sich vorher mühelos verständigen konnten, wurden der gemeinsamen Sprache beraubt.
Breitz' Ausstellung: zusammengetragene Aufzeichnungen von nachgestellten und nachgesungenen Songs von Popstars durch jugendliche Fans : ... wie eine Suche nach der verlorenen Identität, wie das Vergessene noch vergessener machen, wie das Daherschenken seiner selbst zugunsten einer fremden Identität.
Identität ist so wie es scheint Heimat ; so wie ich diese Verlorenheit des flehenden Menschen auf dem Bild von Dorè deute, ist es nicht nur der Schmerz über den Verlust der Sprache, sondern auch der Schmerz um den Verlust der Heimat, die den Menschen offensichtlich als kollektives Erinnern oder kollektives Gedächtnis bis heute prägt . Identitätssuche, Identitätsfindung geht doch immer einher mit Sprache.
Im Gespräch mit den Jugendlichen über die Problematik von Starkult, über die Selbstaufgabe bis hin zur Starhysterie zu Gunsten von Fanclubs etc. , spannte sich ohne weiteres Zutun der Bogen bis hin zu diesem Bild , welches im Cafehaus auf dem Tisch lag. Ich nahm im Gespräch keinen großen Bezug auf die Genesis, weil es mir in diesem spontanen Miteinander weniger um religiöse Malerei als um Selbstentdeckung, Selbstfindung und Selbsterkenntnis von Teenagern ging.
Ja, man kann sehr gut erklären, das wir alle "fremde Orte" sind. Wir alle sind ein Stück vom Turm , sprachverloren, ständig auf der Suche nach dem Ich, nach dem, was uns ausmacht, nach dem , was uns miteinander verbindet und uns ähnlich macht.
Nicht selten stürzen wir uns ins Sprachgewirr und versuchen, die Worte zu entziffern, zu verstehen und selten will man sich eingestehen, das man NICHT so weit ins Gedächtnis der Menschheit zurückgehen kann, um ALLES zu begreifen, was die Einzigartigkeit eines jeden einzelnen ausmacht. Nicht selten müssen wir uns damit zufrieden geben, wenn wir uns selbst manchmal nur ansatzweise verstehen können.

Der Mensch ist ein fremder Ort , und es lohnt sich, ihn aufzusuchen, ihn zu bereisen. Wie ? Redet miteinander ! Auch wenn der Schatten des Turm von Babel auf Euch fällt. Auch wenn man dreimal nachfragen muss... Auch wenn man eine andere Sprache lernen muss. Redet. Und vielleicht ist eine Postkarte oder ein Lied der Anfang dazu.
 
H

hatira

Guest
AW: lieber Zerd

Wunderbar Mar.
Sollten eigentlich alle hier im Forum lesen.:wink: (Speziell jetzt)
 
M

mar

Guest
AW: lieber Zerd

Wunderbar Mar.
Sollten eigentlich alle hier im Forum lesen.:wink: (Speziell jetzt)

:wink: ich bin sicher, das HIER kaum jemand liest ...
ich komme mir manchmal in diesem thread vor wie in einem ballsaal und ich habe so viel platz um mich herum zum tanzen, sogar das orchester ist ganz weit weg...ab und zu hat jemand lust walzer oder tango zu tanzen, aber gesellschaftstänze sind dann doch zu steif oder nicht mehr zeitgemäß. und so kommt es , das der eintritt hier ganz umsonst ist und freue mich, das du dich immer hierher bemühst :-D
 

Sina08

Well-Known Member
AW: lieber Zerd

:wink: ich bin sicher, das HIER kaum jemand liest ...
ich komme mir manchmal in diesem thread vor wie in einem ballsaal und ich habe so viel platz um mich herum zum tanzen, sogar das orchester ist ganz weit weg...ab und zu hat jemand lust walzer oder tango zu tanzen, aber gesellschaftstänze sind dann doch zu steif oder nicht mehr zeitgemäß. und so kommt es , das der eintritt hier ganz umsonst ist und freue mich, das du dich immer hierher bemühst :-D


Liebe Mar,
seit ich mich angemeldet habe...tanze ich manches mal ganz bewußt durch diesen "ballsaal" wie du es nennst..:wink: für mich ist es eiine oase der ruhe..um manches mal kraft zu schöpfen,oder einfach diese stille einzuatmen.
Ab und zu verlasse ich dieses therad mit einen lächeln im herzen das mich dann durch den tag begleidet..und ab und zu gibt er mir den glauben an die menschen wieder zurück .......ich möchte diesen ort nicht mehr missen.

Wie schon anouk hier mal sagte:

Die Buschtrommeln schweigen.Also wieder ab ins Bett...:-D
 
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