Hört sich doch gut an ,aber was ist denn jetzt die Wahrheit ?
ist er jetzt mehr gut ,ich meine das bessere Übel für die meisten Türken
oder entwickelt er sich wirklich zum verhassten Dispoten.
Ich würde den Türken wünschen dass sich doch noch alles zum Guten wendet.
Wenn man bedenkt wie viele Menschenschicksale auf dem Politischen
Markt verschachert werden ,einfach so.
Die Wahrheit ist wohl, dass es in der Türkei schon seit über 150 Jahren keinen fruchtbaren Nährboden und Rahmenbedingungen dafür gegeben hat, eine Generation von überwiegend vernünftigen und moralischen Menschen und Politikern hervorzubringen.
Jeder kennt das aus seinem eigenen privaten Umfeld: je aggressiver und konfliktbehafteter eine Situation ist, umso mehr verabschieden sich Vernunft, Kompromißbereitschaft und Empathie im Umgang mit dem anderen. Und jetzt betrachtet die jüngere türkische Geschichte vor diesem Hintergrund.
Schon in den letzten Jahrzehnten des Osmanischen Reiches schwelte der Konflikt zwischen den eher westlich orientierten Kräften im Land und den Traditionalisten. Während Atatürks republikanischer Revolution wurde dem ohnehin schon gespaltenen Land und den Menschen die Moderne einfach von oben übergestülpt. Zu den bisherigen Konflikten um die Westorientierung kam nun auch noch die Unterdrückung und Verfolgung der Minderheiten dazu, die für seitdem durchgehende bürgerkriegsähnliche Zustände zumindest in Teilen des Landes seitdem sorgten. 20 Jahren Einparteiendiktatur folgte ein Jahrzehnt Regierungszeit einer anderen Partei, die zuletzt ebenfalls wieder sehr nahe an eine Diktatur heranreichte und in einem Militärputsch mit Todesurteil gegen den Regierungsführer mündete. Es folgten zwei weitere Militärputsche alle zehn Jahre, wobei sich in den Siebzigern Studenten und Schüler, die eigentlich die zukünftige Elite dieses Landes bilden sollten, wegen der Form ihrer Schnurrbärte auf der Straße abschlachteten. Anschließend herrschte in einem Drittel des Landes über ein Jahrzehnt der Ausnahmezustand, weil dort ein offener Bürgerkrieg zwischen den Kurden und dem Militär und paramilitärischen Kräften tobte. Derweil wurde in Ankara der Weg einer religiös motivierten Politik und damit der nächste Konflikt zwischen republikanisch und religiös motivierten Kräften geebnet. Die Bankenkrise um die Jahrtausendwende begünstigte dann die Machtübernahme der AKP und seitdem tobt der Kampf zwischen den Republikaner und der AKP, und zwar überwiegend auf Böhmermann-Niveau.
Wie hätte unter diesen Voraussetzungen je eine Generation von überwiegend vernünftigen und versöhnlichen demokratischen Politikern, die gleichermaßen die Interessen aller Menschen berücksichtigen, hervorgehen sollen? In Kriegen und Konflikten werden nun einmal vornehmlich Krieger und Soldaten herangezüchtet, das war schon immer so. Es muss schon eine gewisse Phase von Frieden und Einigkeit herrschen, damit es auch in großer Zahl Leute geben kann, die die Vorteile dieses Konzeptes erkennen und es herbeiführen.
Das erste Jahrzehnt der AKP-Regierung war vor diesem Hintergrund wirklich ein Lichtblick, weil die Versöhnung der traditionellen Bevölkerung mit dem Staat und der Moderne sowie die Versöhnung zwischen Kurden und Türken scheinbar vorangetrieben wurde. Außerdem war es sehr wichtig, das Militär als quasi-politische Macht, die sich jederzeit berechtigt sah, zum Schutz der Atatürkschen Reformen in die Belange des Landes einzugreifen, zu entmachten. In dieser Zeit wuchs auch die Generation heran, die die Gezi-Proteste erst herbeigeführt und möglich gemacht hat. Leider haben schon in den Gezi-Protesten selbst und seitdem die Krieger wieder das Sagen übernommen, außerdem sind die Gülen-Anhänger als regulierende und bändigende Kraft von Erdogan weggefallen, sodass wir heute wieder die Zustände haben, wie sie in den vergangenen 150 Jahren überwiegend herrschten im Land.
Es ist illusorisch zu denken, dass sich derzeit grundsätzlich etwas im Land ändern würde, wenn Erdogan abgesägt werden würde und jemand aus seinen eigenen Reihen oder aus den Reihen der Opposition seinen Posten übernähme. Es würde auf die eine oder andere Weise dasselbe in Grün herauskommen. Die Türkei muss vor allem die derzeit wieder herrschende Polarisierung überwinden, damit sich die Situation im Land allmählich wieder bessern und normalisieren kann. Aber daran scheint zur Zeit niemand ein wirkliches Interesse zu haben. Er herrscht Krieg und dieser wird von allen Seiten befeuert. Dann darf man sich aber auch nicht beklagen, wenn nur Krieger und Despoten dabei herauskommen.