Ich würde sagen, dass es eher etwas gefährliches ist. Ehrlich gesagt habe ich größere Bedenken gegenüber dem Wähler, statt dem Präsidenten. In der Türkei (und vermutlich auch hier in der Bundesrepublik) muss man sich mehrfach umsehen, bevor man sich kritisch über den Präsidenten äußert. Das kann sehr schnell einer der falschen 50'er (50% Wähler) an die Ohren kommen und schwupps kannste dich warm einpacken. Da kannste schnell mal an Gehirnbeschränkte geraten, die dich bei lebendigem Leibe lynchen und dir alle Knochen brechen.
Musst dir mal Facebook geben (Deutsch Türkische Nachrichten Seite). Da wird regelrecht ein "Herr Recep Tayyip Erdogan" Namenskult betrieben. Manche Fanatiker sind dermaßen beschränkt, da beginnt und endet jeder Satz mit "Herr Recep Tayyip Erdogan". Wehe dem, man lässt da ein böses Wort dranne kommen. Man sollte sich auch Fragen, welcher Fanatiker die Extra3 Wurst dem Präsidenten schmackhaft gemacht hat. Von alleine wird dieser kaum deutsche Fernsehsender verfolgen.
Ich kenne kaum Türken aus der Westtürkei, die mit Erdogan etwas anfangen können. Seine Hauptwählerschaft dürfte aus der Provinz kommen. Dennoch glaube ich, daß die traditionell konservative türkische Wählerschaft in Deutschland nicht zufrieden sein dürfte mit Erdogans Vielfrontenkrieg. Sich zugleich mit den USA, Rußland und der EU zu überwerfen, wird den treuesten Anhänger skeptisch stimmen. Jedenfalls hier, wo die Informationslage ja nicht so einseitig ist. Ich glaube, daß Erdogan dabei ist, seinen Kredit zu verspielen. Und gerade deshalb sind seine Anhänger so aggressiv und wahlweise devot.
In der Türkei wird der Erdogan support dann aufhören, wenn die Folgen der Rezession spürbar werden, welche die Provinz noch deutlicher treffen, als die Stadt.
Was wir hier tun können: für Bildung sorgen. Von hier schwappt es am besten in die türkische Provinz.
Wir dürfen nicht vergessen, daß eine der Erdogan-Maschen ist, die Diskriminiereung der Türken in Deutschland anzuprangern. Wenn wir diesem Argument den Stoff entziehen durch verbesserte Bildungsgerechtigkeit, dann hört der AKP-Fischfang in Deutschland auf. Es gibt durchaus gesellschaftliche Gründe, warum sich Türken in Deutschland hinter Erdogan versammeln. Diese Gründe müssen beseitigt werden. Der soziale Aufstieg von Türken in Deutschland wird der Türkentumsliga ihr Hauptargument gegen den sittenlosen Westen nehmen.
Also wir, die Weltbürger, müssen gegen zwei Fronten kämpfen: gegen die Deutschnationalen und die Türknationalen, wenn wir Erdogan stürzen wollen. Der Weg ist lang und auf beiden Seiten die gleiche Nummer. Der Vorteil hier ist, daß die AfD nicht in Regierungsverantwortung ist. Wäre sie es, wäre es hier auch nicht mehr leicht, sie los zu werden. Die Stabilität der AKP spricht allerdings auch nicht für die Opposition. Der Kemalismus müßte sich m. E. ordentlich reformieren.