Quo vadis Türkiye?


Ich sag's ja, Attentate und Putschversuche sind Teil des Programms... Dass Erdogan kein Stück besser sein mag, ist eine andere Sache.

Die Sympathien der Gülenbewegung für die Geziproteste gründeten sich vermutlich vornehmlich auf den gemeinsamen Gegner AKP.

Und weder Gülen noch Erdogan sind ausgewiesene Demokraten. Was sie dereinst geeint hat, war ihre Gegnerschaft zum Kemalismus, der natürlich auch seine Leichen im Keller hat.

Vielleicht sollte man sich auch einfach mal von der Illusion verabschieden, dass Staatspolitik eine besonders saubere Angelegenheit ist. Da unterscheidet sich der Westen sicherlich nicht wesentlich von der Türkei.
 
Ich sag's ja, Attentate und Putschversuche sind Teil des Programms... Dass Erdogan kein Stück besser sein mag, ist eine andere Sache.

Die Sympathien der Gülenbewegung für die Geziproteste gründeten sich vermutlich vornehmlich auf den gemeinsamen Gegner AKP.

Und weder Gülen noch Erdogan sind ausgewiesene Demokraten. Was sie dereinst geeint hat, war ihre Gegnerschaft zum Kemalismus, der natürlich auch seine Leichen im Keller hat.

Vielleicht sollte man sich auch einfach mal von der Illusion verabschieden, dass Staatspolitik eine besonders saubere Angelegenheit ist. Da unterscheidet sich der Westen sicherlich nicht wesentlich von der Türkei.


Sauber nicht, aber bestimmt nicht so krass wie in der Türkei.


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Sowohl Leo als auch Du habt in eurer Replik vor allem den Unterschied in den demokratischen Standards thematisiert, der in meinem Beitrag ja in keinster abgestritten, sondern im Gegenteil angeführt und sogar von jedem Zweifel erhaben angesehen wird.

Dann können wir ja in der Tat allesamt ganz locker bleiben. :)


Des weiteren bestätigst Du auch in Deinem neuerlichen Beitrag, dass sich der demokratische Standard im Westen ebenfalls zurückentwickelt, auch wenn der Abstand zur Türkei noch groß sein mag. Und ob es sich um eine gleichläufige Bewegung handelt oder eine gegenläufige, hängt eben von der Entwicklungsrichtung ab und nicht vom Abstand.
Ich habe eine gegenläufige Bewegung der AKP-Regierung zum Demokratiekonzept Europas festgestellt und das Demokratiekonzept Europas nicht an vorübergehende Strömungen des peripheren Zeitgeists geknüpft, sondern an eine ziemlich lange Denktradition, deren Erinnerer bis heute noch die materiellen Mittel in der Hand haben, Kleindiktatoren vor die Wahl zu stellen: Entweder mit uns oder ohne uns.
Daß die EU an dem gegenläufigen Kurs der AKP nicht unschuldig ist, steht auf einem anderen Blatt.
Und daß das Geschacher um Flüchtlinge Auslöser ist für ein EU-Angebot an die Türkei ist, steht nochmal auf einem ganz anderen Blatt.

Vielleicht können wir uns ja so einigen: es gibt gleichläufige und gegenläufige Bewegungen in der EU und der Türkei. Erdogan läuft mit Pegida, AfD, PIS und Orban gleich, aber läuft der Idee eines weltoffenen, kriegsabstinenten und zensurfreien Europas entgegen?
 
Der BND erledigt die Drecksarbeit für die USA in der Türkei wie genau?

Nicht nur in der Türkei, aber wie der BND das genau macht kann ich Dir nicht sagen - explizite Staatsgeheimnisse verrät mir besagter Freund als ehemaliger Mitarbeiter des militärischen Abschirmdienstes der Türkischen Marine dann doch nicht.

Um mich (und sich) zu schützen, wie er sagt. Ich will's ehrlich gesagt auch gar nicht wissen.

Im Allgemeinen scheint das allerdings sowas wie ein offenes Geheimnis zu sein.

Und wie immer in solchen Fällen: alle Angaben ohne Gewähr... ich bin der ausgewiesene König der Narren! :cool:
 
Nicht nur in der Türkei, aber wie der BND das genau macht kann ich Dir nicht sagen - explizite Staatsgeheimnisse verrät mir besagter Freund als ehemaliger Mitarbeiter des militärischen Abschirmdienstes der Türkischen Marine dann doch nicht.
Der BND ist sein Geld nicht wert, wenn er dem türkischen Geheimdienst nicht hilft, Anschläge zu verhindern. Daß er Kenntnisse über geplante Anschläge in der Türkei im Namen der USA verschweigen würde, halte ich für verschwörungstheoretisch.
Ich glaube, daß der deutsche Geheimdienst die türkische Politik genausowenig kontrolliert wie der türkische Geheimdienst. Deutschland und die Türkei sind in ihrer Region jeweils nur Mittelmächte, also abhängig von den Verhandlungen der Großen. Wenn sie überhaupt mitreden wollen, werden sie nicht gegeneinander arbeiten, sondern sich irgendwie verbünden. Deutschland braucht die Türkei nicht nur zur Eindämmung der Flüchtlingsbewegungen, auch als Kommunikator der Märkte. Die Türken werden noch gebraucht, wenn Siemens et al die Infrastruktur wieder aufbauen, weil sie den Zuschlag bekommen wegen Merkel Flüchtlingsfreundlichkeit. Aber davon haben weder Verschwörungstheoretiker, noch die AfD eine Ahnung. Rassismus ist immer von vorgestern.
 
Nachdem nun die Russen ihren Abzug aus Syrien angekündigt haben, ist ja die Frage, wie Erdogan darauf reagiert. In den vergangenen Tagen hat er als Reaktion auf den neuen Anschlag in Ankara kurdische Stellungen im Nordirak angegriffen (in Syrien darf er wohl nicht mehr), auch wenn der Weltöffentlichkeit nicht ganz klar ist, was die Kurden im Nordirak mit dem Anschlag in Ankara zu tun haben.
Überhaupt sieht die Weltöffentlichkeit eine sehr hilflose türkische Regierung, denn sie kann keine innere Sicherheit herstellen. Die türkische Wirtschaft steht enorm unter Druck.
Ich befürchte, daß Erdogan seine Kriegshandlungen ausdehnt und dadurch der Krieg immer tiefer ins eigene Land kommt. Heutzutage gibt es keine militärischen Siege mehr. Nur noch wirtschaftliche. Und sein Krieg gegen die Kurden (statt gegen den IS) stürzt sein Land in eine Krise.

Heute abend: http://www.arte.tv/guide/de/064537-000-A/inside-rakka-is-deserteure-packen-aus

Eine Dokumentation über IS-Aussteiger, die von der Türkei aus Leidensgenossen zur Flucht aus Rakka verhelfen.

Hier hätte Erdogan sein Militär zur Unterstützung einsetzen können.
 
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