Martin28
New Member
ich bin sehr neu hier.
Ursprünglich hatte ich mich hier angemeldet, weil ich mir einen Rat erhoffte, wie ich mich am besten verhalten könnte.
Jetzt ist es leider nur noch eine Geschichte, an der sich wahrscheinlich nichts mehr ändern läßt und ich nur noch wissen möchte, ob es jemand gibt, der mit mir (uns) fühlen kann, auch wenn ich damit rechnen muss, dass vielleicht auch einige sagen werden „tja, richtig so“, aber vielleicht gibt es ja doch einige, die mitfühlen können oder ähnliches erlebt haben oder gar eine Idee haben, was da noch zu retten sein könnte.
Sehrwohl ist mir bekannt, dass, da es sich um ein Mädchen mit kurdischem Hintergrund handelt, dies nicht in allen Dingen mit türkischen Umgangsformen gleichzusetzen ist, aber vielleicht bekomme ich ja, die ein oder andere Antwort oder eine Geschichte die Mut macht.
Zur Zeit halte ich aber einen Lottogewinn realistischer, als ein Happy End. :-(
Es gab ein junges Mädchen (bald 20 Jahre alt), mit einem kurdischen Vater, mit der ich mich über 1,5 Jahre traf.
Dieser Vater ist wohl ein sehr strenger. So weit ich weiss, nicht aus religiösem Hintergrund heraus, sondern eher in der Person an sich ein relativ angressiver, tyranischer Zeitgenosse. Der den Koran höchstens als Begründung für seine Verbote oder Taten nutzte, wenn ihm sonst keine andere Begründung einfiel.
Etwas, dass für mich als Einzelkind, das aus einem gutsituiertem deutschen Elternhaus entstammte, indem es weder an Geld noch an persönlicher Zuneigung mangelte, indem jedes Thema angesprochen und gelöst werden konnte, egal wie heikel oder vielleicht auch aus Sicht der Eltern unangenehm es gewesen sein könnte, besonders schwierig zu begreifen war, dass die deutsche Mutter von diesem traumhaften Mädchen, mit dem Vater an einem Strang zog.
Sie ordnete sich also dem Ehemann total unter und half Ihren Kindern bei Auseinandersetzungen mit dem Vater kein Stück.
Neben der „normalen“ körperlichen und seelischen Gewalt kam es sogar soweit, dass dieses hübsche Mädel für einige Tage ins Frauenhaus ging, weil Ihr Vater Ihr nachts wohl näher trat, als es sich für einen Vater gehört. Was ich damit meine, brauch ich denk ich nicht weiter zu umschreiben.
Sie jedoch nach kurzer Zeit in das Elternhaus zurückging, vielleicht auch gerade weil, wenn es zu Anzeigen gekommen wäre, das Jugendamt die Familie zerrissen hätte und sie dann dafür wohl die Schuld aus Sicht der Familie bekommen hätte.
Aus diesem Grunde war es zumindest so, dass einige Geschwister ihr glaubten (sich aber keinesfall gegen den Vater aussprachen) oder zumindest ein Auge auf sie geworfen haben und diesbezüglich dafür sorgten, dass sie zumindest in Ruhe schlafen konnte.
Es gab sogar einen kleinen Bruder, sowie eine ältere Schwester mit Ihrem Ehemann, die von uns wussten. Die älteren Brüder ahnten wahrscheinlich auch etwas, sie halfen Ihr insofern, dass wenn der Vater ihr Handy „eingesackt“ hatte, wenn dort eine sms einging, dass sie diese ungelesen entfernten.
Da Ihre Schwester mit Mann uns unterstützt hätten, mich in die übriege Familie einzuführen, zumindest die Geschwister so nach und nach kennenzulernen und auch das „Decken“ durch die Brüder mir Hoffnung machte, dass zumindest die Generation bis 35. Lebensjahre uns wohl recht schnell akzeptiert hätte, gab es die Überlegung, anfang des kommenden Jahres die Familie einzuweihen.
Da ich beruflich (bin zur Zeit Sachbearbeiter für Hartz IV und habe eine Ausbildung in Verbindung mit einem Studium bei städtischen Ordnungsbehörden gemacht) sehr viel mit Vereinen, die Menschen mit Migrationhintergrund helfen, zu tun habe, hatte ich auch jemanden, der uns von aussen hätte als Vermittler helfen können (unter anderem Vorsitzender eines Freundschaftsvereines)....
Ja soweit war dies die Geschichte bis zum letzten Wochenende.
Letzten Freitag haben wir uns das letzte Mal gesehen, dort erzählte sie beiläufig, dass sie wohl ein Onkel, der etwas älter ist als Sie, gefragt hätte, ob sie heiraten wollten. Sie hatte dies jedoch verneint und ihr Vater würde zwar vieles machen, aber sie niemals zwingen, jemanden zu heiraten, den sie nicht will.
Am Samstag bekam ich, sowie eine gemeinsame Freundin mehrere SMS, in denen sie von einer neuen Flucht erzählte und ob wir Zeit hätten, da Ihre Sie Ihre Schwester, von der sie sich Hilfe erhoffte nicht erreiche.
Leider war ich zu dem Zeitpunkt nicht in der Nähe, so dass ich hätte eingreifen oder helfen können.
Abends sagte sie mir, sie würde noch gehen, aber es halt verschieben.
Sonntags teilte sie mir mit, dass sie, wenn sie fliehen sollte, doch wohl weiter wegginge, aber sie es erstmal den Gedanken noch nicht weiter verfolgen würde und sie sich schon auf ein baldiges Wiedersehen mit mir Freue.
Am Dienstagabend schrieb sie mir, dass wir uns nicht mehr sehen könnten, da sie wohl besagten Onkel heiraten wird. Sie teilte mir mit, dass Sie von sich aus „Ja“ gesagt hätte, dies kann ich mir aber nur vorstellen, dass es daran gelegen haben muss, dass ihr niemand in den Tagen vorher geholfen hatte, nichtmal Ihre Schwester.
Auch die folgenden SMS und Emails bis halb 4 nachts hatten Inhalte, aus denen zu erkennen war, dass sie lieber bei mir wäre und das sie eine andere Form Ihres Lebens wünschte.
So wird es wohl so sein, dass sie vielleicht gezwungen wurde, aber dass es Ihr doch „recht nahe gelegt wurde“, diesen Onkel zu heiraten und da sie in den Tagen vorher keiner unterstütze oder unterstützen konnte, hatte sie wohl aufgegeben.
Nach Dienstagnacht um halb 4 habe ich nichts mehr von Ihr gehört und die letzte Email hatte den Abschluss „ich werde immer an Dich denken, ich werde Dich niemals vergessen“.
Die ältere Schwester ist leider für unsere gemeinsame Freundin auch nicht mehr erreichbar.
Das ich daran wohl nichts mehr ändern kann ist mir klar.
Ich kann Ihr nur noch anbieten, dass, wenn sie jemand braucht, der Ihr hilft, ich für sie da wäre.
Bloß so wie es jetzt ist, weiss ich weder , wie es ihr geht, oder ob es sie überhaupt noch gibt.
Ich hätte nichteinmal jemanden, der mir dann sagen könnte, wenn es soweit käme, wo ihr grabstein steht.
So wie ich sie kennengelernt habe, wird sie an dieser Situation zu Grunde gehen, wenn sich nicht gerade widererwartend der Onkel als „Traummann“ darstellen sollte.
Zum einen deutete sie mal an, falls jemals heiraten muss, wird sie sich am Abend vorher selbst richten.
Zum anderen fühlt sie sich als Deutsche, als sie letzes Jahr, das erste mal seit Kleinkindalter wieder im Osten der Türkei war, sagte sie ganz klar, da will sie nie wieder hin.
Dies bedeutet, wenn sie ein Leben führen wird, dass sie nicht will, weil sie sich nicht zugehörig fühlt, wird sie schnell von Depressionen geplagt werden, so dass dann, wenn die Kraft zum Ausbruch nicht mehr vorhanden wird, auch in den Selbstmord treiben wird. Das die Familienmitglieder anfällig ist für solche Verzweiflungstaten, , hat der Selbstmordversuch des Bruders vor 3 Wochen bewiesen, der aus meiner Sicht auch ein Auslöser ist, dass sie aufgegeben hat, Ihren Wunsch zu leben.
Abschließend möchte ich jetzt jedem Danken, der es geschafft hat, bis hierhin zu lesen. Vielleicht hast Du/Ihr ja tröstende oder aufbauende Worte oder ich habe einfach hier nur etwas geschrieben, was jemand aus seinem eigenen Umfeld auch her kennt.