Rumänischer Präsident Iohannis hetzt gegen ungarische Minderheit

Dieses Thema im Forum "Aktuelle Ereignisse" wurde erstellt von EnRetard, 4 Mai 2020.

  1. EnRetard
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    EnRetard Well-Known Member

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    Nö, ich meine allenfalls, dass du das nationalistische Gepolter von Klaus Iohannis verniedlichst, weil du ihn magst und die Sozialdemokraten hasst wie die Pest.
     
  2. Burebista
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    Burebista Well-Known Member

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    :)
     
  3. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    @Burebista Kann man Orbans Politik mit den Auslandsungarn vergleichen mit Erdogan und den Auslandstürken? Oder geht das tatsächlich weiter, in Richtung auf ein Groß-Ungarn, nicht morgen natürlich, aber auf lange Sicht?

    Es gibt ja rein ungarische Dörfer in Siebenbürgen, seit jeher ungarische Dörfer, wie ja Städte früher ausschließlich Deutschen vorbehalten waren. Das ist ja mehr als das, was wir bei uns „Parallelgesellschaften“ nennen, also allenfalls Stadtviertel, die sich absodern von einer Mehrheitsgesellschaft, von der sie aber nach wie vor umgeben sind.
     
  4. Burebista
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    Burebista Well-Known Member

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    Also, weiss nicht genau welche die Politik von Erdogan mit den Auslandstürken ist. Was Orbán will ist nicht Großungarn als Staat wieder herzustellen. Kann er nicht. Der heutige Staat Slowakei war ja im ganzen ein Teil von Großungarn und mehr als die Hälfte des heutigen Kroatien war Großungarn. Das Territorium Siebenbürgen ist mit etwa 10.000 qkm größer als der heutige ungarische Staat. Diese Grenzen können nicht mehr geändert werden. Was Orbán will ist die Erhaltung der kulturellen und spirituellen ungarischen Nation im ganzen Karpatenbecken, also auf dem Territorium des ehemaligen Großungarns. Hier in Osteuropa bedeutet Nation die Ethnie und nicht die Staatsbürgerschaft. Also die Ungarn aus Rumänien werden als Teil der ungarischen Nation betrachtet mit (oder auch mit) rumänischer Staatsbürgerschaft (die meisten haben doppelte Staatsbürgerschaft). Darum finanziert die Regierung aus Budapest die Ungarisch-sprechende Medienlandschaft, die ungarischen Kirchen, die Ungarisch-sprechenden Kulturinstitutionen, wie Theater, Bibliotheken, Musen, die ungarischen Farmer aus Siebenbürgen (diese können EU-Gelder aus Brüssel auch durch Bukarest und auch durch Budapest beantragen) oder auch ungarische Firmen. Sogar alle Schüler der ungarischen Minderheit, die in den staatlichen rumänischen Schulen mit ungarischen Lehrsprache lernen, bekommen Stipendien aus Budapest. Dazu muss man noch hinzufügen, dass die rum. Regierung mehrere Schulprogramme (Olympiaden, Schulwettbewerbe) für die Minderheiten organisiert und auch subventioniert. Hier nur eine Liste (man kann die Website auch auf Deutsch sehen).
    https://www.edu.ro/invatamant-minoritati-nationale

    Dann finanziert die rumänische Regierung auch die ungarischen Kirchen (proportionell nach der Bevölkerung) und sogar durch Spezialsubventionen ("Minderheitssubventionen") deutlich mehr die Kulturinstitutionen der Minderheiten (also auch der Rumänienungarn) als die der rumänischen Kulturinstitutionen.
    So kommt es dazu, dass die ungarisch-sprachigen Theater oder Museen und auch Schulklassen besser subventioniert sind als die rumänischen (wegen er speziellen Minderheitssubvention) und dann noch dazu Gelder aus Budapest fließen.

    Unter Parallelgesellschaft meine ich nicht abgesonderte Viertel, sondern dass ein Teil der rumänischen Staatsbürger und kulturellen Institutionen aus diesem Land in einer doppelten Welt leben: Manche schauen nur auf Bukarest, andere auch auf Bukarest, aber auch auf Budapest und fühlen sich mehr als Ungarn als als rum. Staatsbürger.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6 Mai 2020
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  5. Berfin1980
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    Berfin1980 Well-Known Member

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    Mal eine Frage, wie viele Siebenbürger Sachsen haben eigentlich damals den 20.000 Flüchtlingen geholfen, die Rumänien den Rücken kehrten, nachdem die Regierung ihnen den Lebensraum nahm?

    Das Problem heißt NATIONALISMUS! Ganz einfach!

    Was für ein Problem hat man mit den Banater Schwaben, wollte ich noch fragen?
     
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  6. Burebista
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  7. Burebista
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    Erkläre bitte Deine Frage. Verstehe wirklich nicht was Du meinst. :(
     
  8. Berfin1980
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    Berfin1980 Well-Known Member

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    Und!

    Hat man ein Problem mit den Banater Schwaben in Rumänien?
     
  9. Burebista
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    Danke für den Link. Es kamen Erinnerungen an.
    In den letzten Jahren der Ceausescu-Zeit war der rum. National-Kommunismus extrem. Es gab im Radio und TV fast nur patriotische nationalistische Lieder zu hören und zu sehen (deswegen hörte fast keiner mehr Radio Bukarest, nur Free Europe aus München). Die ungarische Minderheit wurde als Feind angesehen und man gab vielen Leute Pässe, um auszuwandern. Die Pässe musste man beantragen und bekam sie fast nie und man durfte nicht reisen. Nach etwa 1986 wurden Pässe an Ungarn doch gegeben, in der Hoffnung, dass sie Rumänien verlassen und von der Reise nicht zurückkehrten.
    Die ethnischen Rumänen hatten kaum diese Möglichkeit.
    Was die dt. Minderheit betrifft: Nach 1966 hat man mit den Deutschen das gemacht, was man ab Mitte der 50ger mit den Juden gemacht hat: man gab Ausreisefreiheit im begrenzten Maße (eine gewisse Zahl pro Jahr), aber gegen Bezahlung aus Deutschland oder Israel. Es war eigentlich de fakto ein Menschenhandel. Deutsche (Siebenbürger Sachsen, Banater Schwaben) und Juden durften raus / auswandern, aber gegen Bezahlung von der BRD und Israel. Pro Person mussten diese 2 Staaten bis zu 10.000 DM bezahlen (je nach der Bildung der Ausreisenden). Die Prozedur: man schickte an die Botschaft den Antrag zur Ausreise aus Rumänien und Einreise nach Deutschland. Man bekam von der Botschaft eine sogenannte RO-Nummer. Man wartete bis man die Bewilligung aus Deutschland bekam (durch Post von der Botschaft - die sogenannten "kleinen Akten"). Und man dauerte dann noch eine Weile (auch Jahre) bis die sogenannten "großen Akten" von der Botschaft kamen, mit der Planung der Ausreise, der Aufnahmelager in Deutschland usw. usf. Die "großen Akten" wurden nur dann geschickt, nachdem die Bundesregierung das Geld überwies. Es blieb nun den Betroffenen einige Monate Zeit, ihr Gepäck zu machen, das Hab und Gut zu verschenken oder sehr billig zu verkaufen, und sogar die Häuser zu lächerlichem Preis dem Staat zu "verkaufen" (falls keine Anverwandten noch blieben). Alle Personalpapieren wurden konfisziert und die Betroffenen wurden entlassen (mein Grundschullehrer wurde auch entlassen, musste die Zeit als einfacher Arbeiter in einer Fabrik schuften). Mit 2-3 Koffer durfte man endlich Rumänien als Staatslose verlassen. Und kam dann in Deutschland ins Aufnahmelager.
    Etwa die Hälfte der ethnischen Deutschen aus Rumänien haben das Land auf dieser Weise bis 1990 verlassen. Die andere Hälfte wanderte in den nächsten 2 Jahren aus, man durfte dabei das Hab und Gut in Rumänien behalten.
    Meine Stadt Mediasch hatte 1989 etwa 88.000 Einwohner. Nach ein Paar Jahre waren es nur etwa 55.000. Die Deutschen sind massiv Anfang der 90ger ausgewandert.
    Es folgte dann die 3. Migrationswelle der ethnischen Rumänen nach 2002.

    Da Du über die Banater Schwaben gefragt hast: Siehe hier eine Reportage des Bayrischen Rundfunks aus 1971. Lohnt sich, anzuschauen, wie das Leben damals aussah :)
     
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  10. Alubehütet
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    Alubehütet Well-Known Member

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    Danke für die ausführliche Antwort. Das macht vieles klarer und erinnert mich tatsächlich mehr an Erdogan als an Revisionismus („Schlesien bleibt unser!“).
     
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