Türkei: 24.Juni vorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen

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Wahrscheinlich wachen viele erst auf, wenn die Wirtschaft nicht nur strauchelt, sondern völlig am Boden liegt.

Das Aufwachen wird kommen. 7,4 Prozent Wirtschaftswachstum wie jetzt nützt nicht all zu viel, wenn die Inflation in einem Jahr um 15 Prozent liegt. Viele türkische Unternehmer müssen ihre Kredite in richtiger Währung USD, Euros zurück bezahlen. Viele türkische Unternehmen stehen bereits vor dem Bankrott. Die Lira zukünftig wird weiterhin nur in eine Richtung gehen. Die ersten NULLEN sind programmiert. Erdogan wird viele Türken zu Millionären machen. Freuen könne sich nur Billig-Urlauber.
 
Kann man das so einfach? Sicher auch eine Frage innerer Verbundenheit. Wer Familie und Freunde im Land und womöglich einen Teil der Kindheit dort verbracht hat, tut sich oft schwer damit.
Das ist richtig! Ich selbst habe Verwandte in der Türkei. Allerdings habe ich keinen wirklichen Bezug zu denen, zumal ich kaum türkisch spreche.

Die Türkei hatte ich bis um die 2006-2008 herum als extrem rückständig betrachtet. Erst als ich ab dann Mal im Urlaub war, konnte ich diesen Gedanken in mir etwas entkräften.

Ich selbst bin hier in der BRD aufgewachsen und mein Umfeld besteht eigentlich nur aus Deutschen und wenigen Kurden, Syrer, Iraner und einigen Libanesen. Mehr auch nicht.

Keine türkischen Kulturveranstaltungen. Kein Türkisch. Ich kenne zum Großteil auch die türkischen Festivitäten nicht usw. Mein Vater hat sich nie wirklich die Mühe gemacht, mir (uns) das beizubringen.

Daher bewerte ich vieles was ich in der Türkei sehe, kenne und zum Teil dort nicht finde, mit deutschen Maßstäben. Arbeitsleistung, Sauberkeit. Strom und Wasser ist hier in der BRD selbstverständlich. In der Türkei wird gerne mal rund um die Uhr abgeschaltet.

Gekreische und herumgehampel bis Nachts um 4 Uhr auf den Balkonen der Wohncontainer (Wohnblöcke), wo man kein Auge zu bekommt. Dann so ein Spinner, der Nachts mit seiner Buschtrommel durch die Straßen zieht und die Leute beim Schlafen stört (wurde von mir so wahrgenommen).

Interessant für Urlauber sind sicherlich die Großsstädte und Urlaubsdomizile der Tükei. Halt billig! 2 Wochen in der Sonne braten lassen und kaum vor die Tür kommen, weil draußen zu heiß ist. Und den fettgeladenen Körper mit noch mehr Fressi Fressi vollstopfen.

Auch wenn ich gerade etwas angefressen bin, was das Ergebnis der Wahlen in der Türkei betrifft, so muss man sich eingestehen, dass die Türken halt so gewählt haben.

Geschichte wiederholt sich halt. Das ist überall so. Politik. Familie, usw.

Die Türken in der Türkei müssen da selbst durch. Die Not scheint dort noch nicht groß genug zu sein, um eine Veränderung zu begünstigen. Erst wenn die Preise eklatant in die Höhe schießen und man anfängt am Hungertuch zu nagen, erst dann wird sich das Volk erheben.

Was man mit Sicherheit sagen kann ist folgendes: Die Ära Atatürk ist zu Ende. Die Türken in der Türkei müssten dies am Besten wissen, wenn sie nicht voller Nationalstolz verblendet wären. Erdogan und Atatürk gehen nicht.
 
Kann man das so einfach? Sicher auch eine Frage innerer Verbundenheit. Wer Familie und Freunde im Land und womöglich einen Teil der Kindheit dort verbracht hat, tut sich oft schwer damit.



Inzwischen kenne ich mehr und mehr Leute, die es so gemacht haben wie du, @santiago . Ausländer sowieso, aber auch Türken, so weit sie das konnten. Andere träumen nur davon, sitzen aber fest. -

Ich denke, es wird weitergehen wie bisher. Die Leute haben sich scheinbar abgefunden, die Mehrheit will offenbar nicht anders (- wie auch immer man 'Mehrheit' unter solchen Umständen definiert). Heute gehen sie wieder zur Arbeit, einkaufen, ihren täglichen Geschäften nach. Etliche ballen wohl die Faust in der Tasche, aber es ändert nichts. Gezi ist 100 Jahre her, und man hat ja gesehen, was dabei herauskam. Wahrscheinlich wachen viele erst auf, wenn die Wirtschaft nicht nur strauchelt, sondern völlig am Boden liegt.
Ich war vor drei Jahren das letzte Mal in der Türkei. Solange der Geiselnehmer dort herrscht, habe ich nicht vor, die TR wieder zu besuchen. Dafür müsste sich so einiges grundsätzlich ändern. Solange einen dort jede kritische Äußerung und selbst ahnungslose Kontakte zu Menschen, von deren Familie vielleicht mal jemand ein Gülen-Stipendium genossen hat, in Schwierigkeiten bis hin zur Inhaftierung bringen können, werde ich keinen Fuß in das Land setzen. Ich finde das höchst bedauerlich, aber so ist es nun mal.
Die 52,5% Tayyip-Wähler (abzüglich der Marge wegen der irregulären Wahlkampf-Bedingungen) sind für mich aber kein Grund, der TR fernzubleiben. Knapp 40% haben demokratische Kandidaten gewählt, wenn man Meral hinzunimmt, sogar über 45%. In Westeuropa haben wir einen ebenso hohen Anteil von Bürgern, die mit den Werten einer liberalen Demokratie nichts anfangen können, aber wenigstens ist man in den meisten westeuropäischen Ländern, demnächst hoffentlich auch in Spanien, vor willkürlichen Festnahmen deutlich sicherer.
 
Zuletzt bearbeitet:
Vor ca 2 Minuten habe ich für paar Sekunden im Wohnzimmer eine kurze Doku zu den Wahlen gestern gesehen.

Sagt der Eine doch glatt: "Ich habe keine Ahnung vom Präsidialsystem. Aber ich habe den gewählt, der auch sonst die Macht hatte." (Sinngemäß zitiert).

Ich musste schlagartig an ihn hier denken:


Gestern Abend hatte ich noch ein Bild eines Journalisten auf DerStandard.at gesehen:

Dort war ein Journalist oder Autor oder so abgebildet, der irgendwann 1995 bereits sagte (sinngemäß). "Die Islamisten werden das Land übernehmen. Sie werden überall Imam-Hatip-Schulen errichten und das Land vollständig übernehmen."

EDIT: AZIZ NESIN

Tja! Passiert.
 
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(...)Die Not scheint dort noch nicht groß genug zu sein, um eine Veränderung zu begünstigen. Erst wenn die Preise eklatant in die Höhe schießen und man anfängt am Hungertuch zu nagen, erst dann wird sich das Volk erheben.

Was man mit Sicherheit sagen kann ist folgendes: Die Ära Atatürk ist zu Ende. Die Türken in der Türkei müssten dies am Besten wissen, wenn sie nicht voller Nationalstolz verblendet wären. Erdogan und Atatürk gehen nicht.

Das sehe ich genauso. Vor einiger Zeit hatte ich mal eine lesenswerte Analyse des früheren ARD-Korrespondenten Dieter Sauter verlinkt, der sich mit der Frage beschäftige, wer eigentlich noch Erdoğan wählt - und warum.
Wer das gelesen hat, konnte gestern nicht mehr überrascht sein.
http://www.dieter-sauter.com/texte/...lt-eigentlich-noch-tayyip-erdogan-und-die-akp

Ich war vor drei Jahren das letzte Mal in der Türkei. Solange der Geiselnehmer dort herrscht, habe ich nicht vor, die TR wieder zu besuchen. Dafür müsste sich so einiges grundsätzlich ändern. [...]

Ich habe auch lange überlegt, wie ich damit umgehe und würde lieber heute als morgen wieder hin.
Aber erstens gibt es keinen objektiv zwingenden Grund; zweitens würde sich nichts ändern, wenn ich für die Dauer eines Urlaubs so täte, als wäre alles wieder gut. All-inc-Urlauber können das; das Drumherum interessiert sie nicht. Mir geht das anders. Ich käme mir verlogen vor. Und es käme mir falsch vor, aus vielerlei Gründen. Die Furcht vor einer theoretisch denkbaren Festnahme spielt dabei die geringste Rolle, so wichtig bin ich nicht. Aber die türkische Opposition ist Kummer gewöhnt - und ihre einzige Chance ist m.E. ein durch die Talfahrt der Wirtschaft wachsender Veränderungsdruck. Auch bei Menschen, die Tayyip zurzeit noch aus pragmatischen, sprich: finanziellen Gründen wählen. Beziehungsweise gewählt haben. Und ich denke, das wissen sie auch.
 
Solange der Geiselnehmer dort herrscht, habe ich nicht vor, die TR wieder zu besuchen. Dafür müsste sich so einiges grundsätzlich ändern.
Bei dieser Aussage muss man jedoch die Entwicklungen in Europa mit im Auge behalten. Wenn hier bald wieder die Hacken aneinandergeschlagen werden und freundlich mit der rechten Hand (Arm) gegrüßt wird, wird's auch für uns "normalo Migranten" brenzlig. Tendenzen nehme ich in diese Richtung wahr.

Auch wenn es vielleicht nicht so schlimm kommen mag, wie damals halt, so wird uns das Leben hier dennoch nicht einfacher gemacht.

Daher ist die Entwicklung in der Türkei auch für uns sehr von Bedeutung, da man nicht 100% absehen kann, wo die Reise hier in der BRD (EU) noch hingeht.
 
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