Was denkt Ihr gerade? (38)

sommersonne

Well-Known Member
Musst Du es abschütteln?
Ich meine ein Jeder, so auch Du, kann aus dieser ungeheuerlich menschenverachtenderer Zeit für die Menschheit was lernen, zumindest ein großzügiges Verständnis. Einzusehen und einzugestehen zu welcher Bestialität der Mensch fähig sein kann, dabei ist es zweitrangig welches Volk welch anderem Volk dies angetan hat.
Wären da nicht die ständigen Pogromen m.u. der Deutschen seit annähernder Tausend Jahren gerade gegen die Juden.
Nein, muß ich nicht. Ich bin ja damit einverstanden und habe auch in der Zeit damals viel darüber gelesen. Es gibt nicht den leisesten Zweifel über die schrecklichen Vorkommnisse.
Ich also nicht, aber es muss doch insgeheim noch anders denkende gegeben haben, die ihre Nachkommen mit ihrer Meinung "vergiftet" haben, so das die neuen Nazis genug Anhänger hier gefunden haben.
Ich glaube nicht das Burebista so denkt.
 

Alubehütet

Well-Known Member
In der DDR wurde man von Kind an erinnert was für Schuld Deutschland auf sich geladen hat. Das ist nur schwer abzuschütteln.
Interessant. Bei uns im Westen geht die Erzählung, in Ostdeutschland sage man, die DDR sei unschuldig: In jeglicher Hinsicht Nachfolger des Dritten Reiches sei die BRD, da seien die alten Nazis immer noch an der Macht; die DDR sei Erbe des Antifaschismus, der Guten, Honnecker saß schließlich selber im KZ.
 
Zuletzt bearbeitet:

Bintje

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Interessant. Bei uns im Westen geht die Erzählung, in Ostdeutschland sage man, die DDR sei unschuldig: In jeglicher Hinsicht Nachfolger des Dritten Reiches sei die BRD, da seien die alten Nazis immer noch an der Macht; die DDR sei Erbe des Antifaschismus, der Guten, Honnecker saß schließlich selber im KZ.
Ja, so war's. Aber Neonazi-Aussteiger wie Ingo Hasselbach haben dann widerlegt, dass es im Osten anders als im Westen angeblich keine Rechtsextremen gab. Und diese Doku hier kann man sich am mal anschauen (unbedingt!), dauert nur 30 Minuten. Der Text ist ebenfalls lesenswert.


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sommersonne

Well-Known Member
Interessant. Bei uns im Westen geht die Erzählung, in Ostdeutschland sage man, die DDR sei unschuldig: In jeglicher Hinsicht Nachfolger des Dritten Reiches sei die BRD, da seien die alten Nazis immer noch an der Macht; die DDR sei Erbe des Antifaschismus, der Guten, Honnecker saß schließlich selber im KZ.
Ha, ha also erst einmal: Herr Honecker saß nur im Zuchthaus und hatte ein Techtelmechtel mit einer Wärterin. Da hält sich mein Mitleid im ganz kleinen Rahmen. Sein Leid war demzufolge ziemlich klein. Er war als Widerstandskämpfer kaum präsent. Seine Karriere begann nach dem Krieg in der Jugendorganisation und später hat er dann ziemlich kaltschnäuzig den Walter Ulbricht abgesägt und sich als Nachfolger präsentiert.

Ja, die DDR hielt sich für das gute Deutschland welches nicht zulässt das Nazis unbehelligt bleiben. Es wurden auch ein paar Altnazis enttarnt und bestraft. Insofern könnte man mit Augen zugedrückt schon sagen die DDR als Staat war auf diesem Gebiet unschuldig. Das bezog sich aber auf die Gegenwart. Die Vergangenheit wurde nicht geleugnet und oft und immer erwähnt. Zur Vorbereitung auf die Jugendweihe in der 8. Klasse ging es neben ähnlichen Themen in das KZ Buchenwald. Bei der Feier bekam dann jeder ein Buch, hieß Weltall, Erde, Mensch und auch darin war das Thema präsent.
Deshalb war ich auch lange ziemlich fassungslos und konnte mir nicht erklären woher die vielen neuen Nazis kamen. Wir hatten ja alle die gleichen Schulen, Hochschulen oder Berufsschulen durchlaufen und auch im Beruf hörte das Thema nicht auf.
 

Alubehütet

Well-Known Member
Da kommt wohl sehr viel zusammen. Hauptfaktor dürfte die Auswanderung sein; 4 Millionen sind nach der Wende rübergemacht. Wo sind die Grünen-Wähler in Neufünfland? Im Westen.


Ich denke, ein Moment ist auch, daß der Antifaschismus in der DDR von oben verordnet war, Staatsraison. Aber in seinem breiten Bild: Faschismus als wesentliches Merkmal des Spätkapitalismus, der sich nicht mehr anders zu erwehren wisse, als mit Gewalt. Der umfasst dann auch Spanien, Italien, ... bis hin zu damals aktuell Chile. Auschwitz ist dann nur ein brutaler Höhepunkt eines allgemeineren Phänomens. Antifaschismus: repräsentiert insbesonders von der widerständigen Arbeiterklasse, die mit dem Kapitalismus schließlich jeglichen Boden des Faschismus aus der Welt schaffen werden würde.

Im Westen war Antifaschismus alles andere als von oben verordnet. Verschweigen, Laß uns nicht mehr drüber reden war angesagt, die anderen haben ja auch, Relativierung. Insbesondere mit den Frankfurter Auschwitz-Prozessen (dokumentiert auf der Theaterbühne durch Peter Weiss), auch mit Hochhuths „Stellvertreter“ wurde klar: Nein, die Shoah läßt sich nicht subsumieren. Das war eine Ungeheuerlichkeit. Nicht zu relativieren durch andere Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Das hätte niemals passieren dürfen. Antifaschismus war erst Recht dann mit der Studentenbewegung von unten von der Zivilgesellschaft ertrotzt.

Letztlich: Der Inbegriff des bundesrepublikanischen Antifaschismus war Auschwitz. Der in der DDR Buchenwald.

Nur eine These, die auch alles andere sein will als eine Gesamterklärung.
 

sommersonne

Well-Known Member
Ich denke, ein Moment ist auch, daß der Antifaschismus in der DDR von oben verordnet war, Staatsraison. Aber in seinem breiten Bild: Faschismus als wesentliches Merkmal des Spätkapitalismus, der sich nicht mehr anders zu erwehren wisse, als mit Gewalt.
Ja klar war das von oben angeordnet oder besser initialisiert. Deshalb muss ich mich auch nicht wundern wo jetzt die neuen Nazis her kommen.
Kapitalismus wurde im Zusammenhang mit dem dritten Reich nicht explizit heraus gestellt. Er war der aktuelle Feind Nr. 1.
 

univers

Well-Known Member
i think, ihr wisst nicht, was "Döner" bedeutet bzw. kann beruhigt davon ausgehen, dass ihr es nicht wisst, weil kein türkischer Muttersprachler unter euch gibt.
Aber nicht Mark Zuckerberg danach fragen;)
 
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