Was lest ihr gerade?

László

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4 März 2019
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Mit dem Thema Türkei ist es eben zur Zeit absolut schwierig. Wenige aus dem Forum fliegen zur Zeit in die Türkei und die zwei, drei TN die direkt in der Türkei wohnen äußern sich nur noch selten. Verstehe ich völlig, bei der derzeitigen Lage ist es absolut nicht ratsam Kritik zu äußern. Ganze Foren wurden aufgelöst und die verbliebenen äußern sich auch nur sehr spärlich. Es gibt auch nur wenige offizielle Informationen. Es fehlt uns nun der Input um uns wirklich darüber austauschen zu können.
Wir wollen aber das Forum nicht "eingehen" lassen vielleicht kommen ja auch mal wieder bessere Zeiten.

An der Eingangstür steht halt ...

«turkish-talk.com versteht sich als ein Forum für den Meinungs- und Erfahrungsaustausch aller deutschsprechenden Türken, all ihrer Freunde und derer, die sich für sie interessieren.

Unser Ziel ist, ein gemeinsames Verständnis der Unterschiede und Berührungspunkte der jeweiligen Alltagswelten, Lebensstile und Bedürfnisse zu fördern und zu erreichen. Auch finden Sie in unserem Forum viele Informationen rund um die Türkei.»

Ist es dann verwunderlich, wenn jemand erwartet dies dann auch vorzufinden?

Die Einstellung, das Forum nicht „eingehen lassen zu wollen“, ist lobens- und begrüßenswert. Es erwartet wohl auch niemand wirklich dass sich hier ein Widerstandszentrum gegen irgendwas oder irgendwen formiert, sich Menschen durch aktive Teilnahme in Gefahr oder auch nur in Schwierigkeiten bringen. Und anscheinend sieht hier auch nicht jeder diese Gefahr als tatsächlich gegeben.

Es muss sich ja nicht immer um die aktuelle Tagespolitik drehen ... die Türkei auf die Ära Erdogan zu beschränken wäre ebenso falsch wie Deutschland nur auf die Zeit der Weimarer Republik zu beschränken. Die moderne Türkei ist aus dem Osmanischen Reich hervorgegangen, wird sich weiterentwickeln und in der Zukunft anders aussehen als heute. Das liegt in der Natur der Sache, im normalen Verlauf der Dinge. Deutschland wird sich ebenfalls verändern.

Ich kenne eine total liebe Türkin, in Deutschland geboren, beide Eltern aus Izmir und zwischenzeitlich verstorben. Sie ist mit einem Deutschen verheiratet, ihre einzige Schwester von einem Türken in Deutschland geschieden. Sie hat 1 Kind, die Schwester 3 Kinder.

Sie hat mir verboten sie auf Türkisch zu begrüßen, mit ihr über die Türkei zu sprechen. Sie verfällt in Schockstarre, wenn sie türkische Musik hört ... besonders türkische Folklore auf den klassischen Instrumenten gespielt. Sie hat Angst vor türkischen Männern.

Es hat lange gedauert, bis sie sich mir gegenüber soweit geöffnet hat, dass mir dies begreiflich wurde. Zwischen ihrem 12 und 19 Lebensjahr hatte sie täglich Todesangst ... fürchtete außer um das eigene Leben auch um Schwester und Mutter.

Der Vater kommt von der Arbeit nach hause, spielt diese Musik auf dem Plattenspieler ab, wird melancholisch, greift zur Flasche, besäuft sich, wird jähzornig, wird brutal, prügelt Frau und Töchter.

Die Ehe wird geschieden, die Töchter flüchten sich in eigene Ehen ... die Schwester kommt in ihrer Ehe mit einem türkischen Mann vom Regen in die Traufe. Heute total verbittert, alleinerziehend mit 3 Söhnen, bittere Armut.

Sie selbst ist in ihrer Ehe auch nicht glücklich, die Beziehung zum Ehemann basiert auf Dankbarkeit und Respekt, nicht auf Liebe. Dankbarkeit dafür, dass er sie aus bitterer Armut geholt und bei Ausbildung und Berufswahl unterstützt hat. Sie ist dennoch melancholisch und depressiv, war mehrfach in Therapie.

Auf dem Totenbett der Mutter, vor 3 Jahren, hat sie versucht Mutter und Schwester zu versöhnen ... und ist gescheitert.

Die eigene Tochter bekommt keinen Bezug zur Heimat der Mutter vermittelt, hat einen „urdeutschen“ Vornamen. Nichts in ihrem Leben hat eine türkische Seite ... keine Oma, keinen Opa ... keine Tante oder Cousins ... kein Urlaub in der Türkei. Keinerlei türkische Kultur im eigenen Leben. Keine Antwort auf die völlig normalen Fragen „wer bin ich“, „wo komm ich her“, „wo kommt Mama her“ ... usw ... .

Jetzt komme ich hier her und versuche Dinge zu verstehen und vielleicht erklärt zu bekommen. Sind solche Familienverhältnisse repräsentativ für türkische Familien in Deutschland? Nein, dann gut. Ja, dann warum? Wie kann man helfen? Wie kann man einen solchen Teufelskreis durchbrechen. Traditionsproblem? Kulturproblem? Religionsproblem?

Der Ansatz, wie in der Forenbeschreibung angedeutet, findet sich aktuell (für mich) nicht ... darum wühle ich auch verstärkt im „Archiv“ ... in der Regel ist halt in der „Packung“ auch das drin, was draufsteht.

Ausnahmen bestätigen natürlich immer wieder die Regeln, siehe hierzu die linksradikale Fraktion der ewig gestrigen, verloren im ewigen Klassenkampf „gegen Rechts“. Wer allerdings so stramm links marschiert, darf sich nicht wundern, wenn er irgendwann im rechten Lager ankommt ... die Welt ist halt keine Scheibe.

Im Englischen nennt man diese Gruppe auch treffend „the moral mobsters“, äußerst treffend, wie ich meine.

Die Annektion der moralischen Deutungshoheit („das sagt man nicht“ / „das schreibt man nicht“ / „das denkt man nicht“) manifestiert tatsächlich schon „the mob“ („die organisierte Kriminalität“).

Ich wollte in die Türkei ... gelandet bin, so scheint es, in Nordkorea. :D
 

Alubehütet

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29 Januar 2017
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Die Familiengeschichte, die Du hier berichtest, für sowas haben wir eigentlich immer ein offenes Ohr. Probleme mit deutsch-türkischen Beziehungen, Schwiegereltern, die nicht akzeptieren, autoritäre Stinkstiefel als Vater ... Kopiere das mal in einen neuen Thread, Du bekommst bestimmt Antwort.
 
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sommersonne

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19 März 2017
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Muss man nicht? :mad: Na, dann hoffen wir mal, dass niemand dem Betreiber dieses Forums eine Abmahnung mit Unterlassungserklärung reinhaut.
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Man stiehlt also fremdes geistiges Eigentum und gibt es für eigenes Hirnschmalz aus. Was für ein Armutszeugnis. Aber wer's nötig hat...
Mal ernsthaft, wieso denn? Wenn man den Titel des Buches nennt und meinetwegen einen Absatz daraus zitiert, dann hat man doch mit dem Titel des Buches die Quelle genannt. Was nützt eine Verlinkung auf Amazon?
 
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László

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4 März 2019
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Und wir wissen doch, dass es hier keineswegs um die Bücher, die Zitate oder irgendwas anderes geht ... als um die tief empfundene Liebe für László. Es ist nichts anderes als ein gequälter Schrei nach Liebe. Na, sie lieben doch, lieben doch alle Menschen ... sie setzen sich doch ein. ;)

Dabei habe ich sie doch auch ganz fest in mein Herzchen geschlossen. :D
 

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