Kaffee nannte man früher ja auch "Türkentrank", dazu gab es ja noch dieses absolut idiotische Lied. In Anbetracht, wie altbacken und vorsintflutlich dieses Begriff klingt (und zum Glück auch nicht verwendet wird) finde es ebenso unangebracht im Jahre 2013 Begriffe wie "Negerkuss" oder "Zigeunersoße" zu verwenden
Na das Beispiel hier ist doch eine Steilvorlage. "Türkentrank" ist nunmal zunächst ein Getränk (Trank), den Türken gewohnt waren, zu trinken (hier: Kaffee). Als Kaffeesäcke vor Wien vergessen worden waren, hielt man das für Kamelfutter. Auf die Idee mit dem Getränk kam man später. "Türkentrank" ist nichts weiter als eine wertneutrale Beschreibung für ein Getränk, vor allem, da für viele damals der exotische Name "Kaffee" viel zu kompliziert gewesen sein dürfte. Sollte "Türke" als diskriminierend empfunden werden, dann lache ich an dieser Stelle mal, den schließlich bezeichnet sich das Volk selbst so seit Ewigkeiten, entweder in eigenen Schriftzeugnissen oder selbstbezeichnend erwähnt in chinesischen Chroniken.
Die Verknüpfung mit dem Lied ist nun höchst interessant, da es perfekt zeigt, wie ein neutraler Begriff durch das "Umfeld" in die negative Konnotation rutscht. Das Lied ist erst einmal vor allem eines: Anti-Kaffee, warnt vor Nebenwirkungen (was in der Zeit Gegenstand vieler Diskussionen) war. Da das gesamte Textumfeld des Liedes den Kaffee negativ konnotiert, rutschen "Türkentrank" und "Muselmann" ebenfalls in die negative Konnotation mit hinein.
"Muselmann" ist eine damals typische Bezeichnung für einen Moslem (einen Anhänger "Mahomets"), abgeleitet aus türk. müslüman, bzw. weiteren arabischen, persischen Begriffen. Insofern neutral. In der Epoche wird die Konnotation durch das Textumfeld bestimmt. Seine negative Konnotation heute hat der Begriff dadurch, dass mit einem "Muselmann" bis auf die Knochen abgemagerte KZ-Häftlinge bezeichnet wurden.
Geht man in die Epoche zurück, in der der "Türkentrank" in Mode kam, wird man wenig Feindseligkeit (vor Wien hatte es schließlich zum 2. Mal nicht geklappt, die Türken waren keine Gefahr mehr), aber viel Faszination und Interesse für den islamischen Kulturkreis spüren. Neben der "Turquerie" entstanden die Orientgesellschaften, Mevlana und andere Sufi-Denker wurden zuerst ins Deutsche übersetzt und mit "Nathan der Weise" ist auch erstmalig mit einem jahrhundertealten Feindbild aufgeräumt: ja, ein Moslem kann selbstredend auch ein guter Mensch sein.