AW: Angst
liebe alsahada,
was für ein trauriger anlass zu posten. weißt du, ich sitze hier vor meinem pc und überlege, wie ich irgendwie helfen kann.
also, stück für stück (und sicherlich nicht vollständig): ich denke, die meisten menschen sind durchaus nicht desinteressiert oder lieblos. sie sind hilflos - sie wissen nicht, wie sie dir zur seite stehen sollen.
weißt du, es gibt so eine gewisse geschwätzigkeit, die sprachlosigkeit überbrückt soll. ist es das?
man kann es sich und seinem umfeld einfacher machen (ich weiß nicht, ob dieser weg für dich gangbar ist - mir hat es geholfen): sprich einzelne punkte, für die du hilfe brauchst, direktl an.
frag freundin anna, ob sie für deine mutter einkauft. und freundin belanna, ob sie einmal die woche staubsaugt usw.
die, die helfen wollen, werden darauf eingehen - glaube mir. und wenn eine last auf viele schultern verteilt wird, wird sie doch um einiges leichter.
pflege kranker angehöriger ist psychisch anstrengend - also pass auf dich auf. sei egoistisch. nicht 24 stunden am tag - aber 5 minuten solltest du für etwas, was nur dir spaß macht, abknapsen.
man tankt in den 5 minuten unwahrscheinlich viel kraft auf, die letztendlich auch deiner mutter zu gute kommt.
dein mann - kommt mir so ein bisschen vor wie vogel-strauß-politik. wenn ich so tu, als ob alles normal sei, ist bestimmt auch alles normal ...
kann es sein, dass er sich einfach nur enorm hilflos fühlt? ich weiß es nicht.
mir hilft es, in solchen und ähnlich gelagerten fällen "ich-botschaften" zu versenden.
"ich habe angst - du würdest mir helfen, wenn du dich eine minute neben mich setzt".
ganz wichtig war mir der kontakt zu "geichgesinnten" - in meinem fall war das eine frau, die mir in einer sehr schweren zeit zur freundin wurde.
sie war es, die mich mit ein paar zeilen wieder aufrichtete und der ich unendlich viel verdanke.
ach alsahada, ich glaube, das schimmste, was du jetzt durchstehen musst, ist diese verdammte ungewissheit.
einerseits möchte man diese op so schne wie möglich hinter sich haben und danach nach vorne sehen.
andererseits birgt diese op viele risiken - das ist grund genug, die op nun doch nciht so schnell herbei zu sehnen.
und diese hin- und her geht an die substanz.
ich glaube, das diese op dir und den deinen (und auch uns, die wir ihier deine geschichte lesen) die endlichkeit, die zerbrechlichkeit eines menschenlebens vor augen führt. und diese endlichkeit liegt wie ein drohender schatten über euch, wie eine schwere last auf euch.
gern würde ich dir etwas tröstliches sagen, würde dir sagen: "ach, alles nur ein böser traum". das kann ich nicht . liebe alsahada, ich denke hier ganz doll an euch. he, deine mutter ist da!
du kannst sie umarmen, berühren, ihr etwas erzählen, beziehung leben - und das ist es letztendlich doch, was zählt
alles liebe
manuela