Arbeiten als Lehrerin

fritztotila

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AW: Arbeiten als Lehrerin

Der Ansatz in Finnland folgt einem anderen Prinzip: dass gerade die besten Lehrer sich für jüngere Kinder eignen, weil Motivation und Wissensdurst, womit mehr oder weniger alle Kinder ausgestattet sind, am ehesten in den unteren Klassen aufblühen oder abgetötet werden. Ältere Kinder an weiterführenden Schulen verfügen mit Glück schon über eine intrinsische Motivation, sind längst nicht mehr so abhängig davon, ob sie den Lehrer "lieb" oder "doof" finden. Mit anderen Worten: ab einem gewissen Alter ist es egal, ob man zwischendrin auch mal 'ne Niete zieht, aber zu Beginn kann sich das fatal auswirken. Das ist eigentlich bekannt und selbsterklärend, wird aber in D meines Wissens weitaus weniger berücksichtigt.

Die am gründlichsten ausgebildeten und/oder ehrgeizigsten Leute landen hierzulande an weiterführenden Schulen und Gymnasien (wobei praktische Erfahrungen und Pädagogik recht wenig Raum im Studium einnahmen oder -nehmen), und Grundschullehrer werden, glaube ich, auch schlechter bezahlt. Ob sich das inzwischen geändert hat, weiß ich nicht, aber vor einigen Jahren war das noch so.

genauso ist es nach wie vor. Umso kleiner die Kinder, umso kürzer die Ausbildung und natürlich auch umso geringer die Bezahlung.
Aber natürlich gibt es gute und schlechte Lehrerinnen (sind ja ganz wenig Männer dabei) überall, bei den kleinen ist es halt besonders schlimm, wenn sie einen "Niete" ziehen. Und Nieten, die gibt es, oh ja !!!!
 
P

Pit 63

Guest
AW: Arbeiten als Lehrerin

Ich kenne eine Frau, die mE nach im Hinblick auf Einstellung und Motivation, pädagogische und intelektuell-mentale Fähigkeiten (im allgemeinen Sinne) für die Grundschule vollkommen geeignet gewesen wäre. Sie ist leider zweimal durch die wirklich sehr schwierige Matheprüfung gerasselt, mit der seinerzeit selektiert wurde -jeweils über 80 Prozent Durchfallquote. Auch sonst war das Studium derart theoretisch, dass sie nach ein paar Semestern entnervt aufgegeben hat und Kinderkrankenschwester wurde.
Auf der anderen Seite arbeiten in den Duisburger Grundschulen, die ich in meinem ersten Leben als VersicherungMA regelmässig vor Ort betreut habe z. T. Lehrerinnen, die intelektuell sicherlich top sind und sich zumindest kurzfristig hochkompliziertes sprachliches und mathematisches Fachwissen aneignen konnten. Pädagogisch sowie im Hinblick auf Einstellung und Motivation habe ich diese Damen jedoch für ziehmlich deplaziert gehalten- und da war ich nicht der einzige. Sie wirkten auf mich zu verkopft, teilweise umständlich bzw. nicht pragmatisch oder menschlich zu distanziert.
 

therengarenk

Gesperrt
AW: Arbeiten als Lehrerin

manche Dinge nehme ich dann doch nach Hause...

Ich habe einen Schüler, der aus dem Balkan stammt. Muslimischer Roma oder Sinti. Sein Vater hat drei Frauen. Mit zwei von denen ist er nach islamischem Recht verheiratet, lebt mit ihnen, den zig Kindern und seinen Eltern in einem Haus. Die dritte ist seine deutsche Freundin. Das wissen auch alle beteiligten Personen. Der Junge selbst ist der liebste Kerl, sehr naiv, überhaupt nicht bösartig, ein richtiges Liebhabekind. Manchmal würd ichs selbst gerne einpacken und mitnehmen...
Naja auf jeden Fall kam der kleine heute freudestrahlend auf mich zu ( 11 Jahre) und erzählte mir, dass seine beiden Müttern jetzt respekt vor ihm haben müssen. Sein Vater und sein Opa hätten es den Frauen gesagt. Beide müssen den kleinen Fragen, wenn sie raus wollen, um irgendwas zu besorgen. Alleine dürfen sie auch nicht gehen. Er muss sie begleiten und wenn er keine Lust hat, dann dürfen die nicht raus. Sie müssen ihn auch von vorne bis hinten bedienen. Er freut sich am meisten wegen dem Bedienen....auf "ständig zum Rewe mitgehen wegen denen" hat er keine Lust...
Ich hab ihn gefragt, warum das so sei. Das wusste er selber nicht...

Was ziehen diese Leute nur für Menschen heran? Vom Kind zum Monster. Mich macht das so wütend :twisted:
 

hilal74

Well-Known Member
AW: Arbeiten als Lehrerin

manche Dinge nehme ich dann doch nach Hause...

Ich habe einen Schüler, der aus dem Balkan stammt. Muslimischer Roma oder Sinti. Sein Vater hat drei Frauen. Mit zwei von denen ist er nach islamischem Recht verheiratet, lebt mit ihnen, den zig Kindern und seinen Eltern in einem Haus. Die dritte ist seine deutsche Freundin. Das wissen auch alle beteiligten Personen. Der Junge selbst ist der liebste Kerl, sehr naiv, überhaupt nicht bösartig, ein richtiges Liebhabekind. Manchmal würd ichs selbst gerne einpacken und mitnehmen...
Naja auf jeden Fall kam der kleine heute freudestrahlend auf mich zu ( 11 Jahre) und erzählte mir, dass seine beiden Müttern jetzt respekt vor ihm haben müssen. Sein Vater und sein Opa hätten es den Frauen gesagt. Beide müssen den kleinen Fragen, wenn sie raus wollen, um irgendwas zu besorgen. Alleine dürfen sie auch nicht gehen. Er muss sie begleiten und wenn er keine Lust hat, dann dürfen die nicht raus. Sie müssen ihn auch von vorne bis hinten bedienen. Er freut sich am meisten wegen dem Bedienen....auf "ständig zum Rewe mitgehen wegen denen" hat er keine Lust...
Ich hab ihn gefragt, warum das so sei. Das wusste er selber nicht...

Was ziehen diese Leute nur für Menschen heran? Vom Kind zum Monster. Mich macht das so wütend :twisted:

Die armen Frauen.Wer macht sowas denn mit?:-?
 
P

pauline09

Guest
AW: Arbeiten als Lehrerin

(...)
Naja auf jeden Fall kam der kleine heute freudestrahlend auf mich zu ( 11 Jahre) und erzählte mir, dass seine beiden Müttern jetzt respekt vor ihm haben müssen. Sein Vater und sein Opa hätten es den Frauen gesagt. Beide müssen den kleinen Fragen, wenn sie raus wollen, um irgendwas zu besorgen. Alleine dürfen sie auch nicht gehen. Er muss sie begleiten und wenn er keine Lust hat, dann dürfen die nicht raus. Sie müssen ihn auch von vorne bis hinten bedienen.(....)

Oh je, oh je. Da wirst Du als Lehrerin nur begrenzt gegensteuern können, Renga - falls überhaupt. :-( So werden die kleinen Paschas herangezogen, und die Frauen kennen wahrscheinlich nichts anderes und glauben, keine andere Wahl zu haben. :-?

Erinnert mich nebenbei fatal an eine etwas jüngere Freundin, die in D aufgewachsen ist, aber als Teenie zu Verwandten in die Nähe von Kayseri geschickt wurde (die Eltern leben ebenfalls wieder dort). Sie ist gläubig, trägt aber aus Prinzip kein Kopftuch. Die Familie hält sich für liberal: was auch immer das in ihrem Wertesystem bedeutet, denn es hielt sie nicht davon ab, die Tochter in ganz jungen Jahren mit einem bedeutend älteren Mann zu verheiraten. Als sie ihm davonrannte und wieder nach Hause ging, war die "Schande" aus Sicht der Eltern so groß, dass sie erstmal daheim eingesperrt und bearbeitet wurde, zu ihrem Mann zurückzukehren. Sie weigerte sich, setzte sich schließlich durch - und 'durfte' später eine Zeitlang an der Küste arbeiten, um Geld für die Familie dazuzuverdienen. Als ich sie mal fragte (naiv, wie ich war..), ob wir uns nicht mal in Istanbul treffen und zwei, drei Tage dort verbringen wollten, sagte sie, oh ja, das würde sie wahnsinnig gern! - aber ohne einen ihrer Brüder, der auf sie "aufpassen" müsse, ginge es nicht. An der Küste durfte sie auch nur arbeiten, weil ihr Bruder im selben Hotel beschäftigt war und sie dort quasi "unter Kontrolle" hatte. Schrecklich! :-?

Der Glaube an die Überlegenheit von Männern wird Frauen in solchen Fällen meiner Meinung nach so lange eingetrichtert, bis sie sich selbst kein eigenständiges Leben mehr zutrauen. Und wenn schon kleine Jungs darauf gedrillt werden und das Gängeln von Frauen als "normal" gilt, ist das einfach Erziehung zu männlichem Chauvinismus in Reinkultur. Kein Wunder, dass Feministinnen in der Türkei teils wesentlich radikaler und angefressener reagieren - zumindest habe ich immer wieder den Eindruck, dass sie dort viel kämpferischer auftreten. Was ich exzellent begreifen kann; ich würde bei so was echt Pickel kriegen!! :x
 

fritztotila

Active Member
AW: Arbeiten als Lehrerin

Oh je, oh je. Da wirst Du als Lehrerin nur begrenzt gegensteuern können, Renga - falls überhaupt. :-( So werden die kleinen Paschas herangezogen, und die Frauen kennen wahrscheinlich nichts anderes und glauben, keine andere Wahl zu haben. :-?

Erinnert mich nebenbei fatal an eine etwas jüngere Freundin, die in D aufgewachsen ist, aber als Teenie zu Verwandten in die Nähe von Kayseri geschickt wurde (die Eltern leben ebenfalls wieder dort). Sie ist gläubig, trägt aber aus Prinzip kein Kopftuch. Die Familie hält sich für liberal: was auch immer das in ihrem Wertesystem bedeutet, denn es hielt sie nicht davon ab, die Tochter in ganz jungen Jahren mit einem bedeutend älteren Mann zu verheiraten. Als sie ihm davonrannte und wieder nach Hause ging, war die "Schande" aus Sicht der Eltern so groß, dass sie erstmal daheim eingesperrt und bearbeitet wurde, zu ihrem Mann zurückzukehren. Sie weigerte sich, setzte sich schließlich durch - und 'durfte' später eine Zeitlang an der Küste arbeiten, um Geld für die Familie dazuzuverdienen. Als ich sie mal fragte (naiv, wie ich war..), ob wir uns nicht mal in Istanbul treffen und zwei, drei Tage dort verbringen wollten, sagte sie, oh ja, das würde sie wahnsinnig gern! - aber ohne einen ihrer Brüder, der auf sie "aufpassen" müsse, ginge es nicht. An der Küste durfte sie auch nur arbeiten, weil ihr Bruder im selben Hotel beschäftigt war und sie dort quasi "unter Kontrolle" hatte. Schrecklich! :-?

Der Glaube an die Überlegenheit von Männern wird Frauen in solchen Fällen meiner Meinung nach so lange eingetrichtert, bis sie sich selbst kein eigenständiges Leben mehr zutrauen. Und wenn schon kleine Jungs darauf gedrillt werden und das Gängeln von Frauen als "normal" gilt, ist das einfach Erziehung zu männlichem Chauvinismus in Reinkultur. Kein Wunder, dass Feministinnen in der Türkei teils wesentlich radikaler und angefressener reagieren - zumindest habe ich immer wieder den Eindruck, dass sie dort viel kämpferischer auftreten. Was ich exzellent begreifen kann; ich würde bei so was echt Pickel kriegen!! :x

Ich als Mann und Lehrer habe stets - und ich glaube nicht ganz erfolglos im kleinen Rahmen meiner Möglichkeiten- darauf hingewiesen, dass Machotum Schwäche bedeutet, dass ein Macho ein schwacher Mann ist. Dass ein starker Mann seiner Frau Freiraum lässt und dass es einem starken Mann auch nichts ausmacht, wenn eine Frau vor der Ehe andere Männer hatte, weil ein starker Mann den Vergleich nicht scheut.
Ist doch sowas von logisch. Allerdings sollten die potenziellen Machos sowas von einem Mann hören, den sie Ernst nehmen. Da liegt die Crux so mancher Emanzen. Ist halt leider so, leider meine ich im Ernst.

Was mir auch immer wieder augestoßen ist, ist die Tatsache, wie sehr dieses Machomännerbild gerade von türkischstämmigen Mädchen verteidigt wird. Wenn die Mädchen einen Macho bevorzugen...... ja dann ist doch klar, wie sich die Jungs entwickeln.
 

hilal74

Well-Known Member
AW: Arbeiten als Lehrerin

Man hat als Lehrer bzw. als Sozialarbeiter wenig Möglichkeiten etwas am anerzogenen Verhalten zu ändern. Man kann es den Jungs nur immer und immer wieder erklären,warum es nicht cool ist, wenn man die kleine Schwester vermöbelt, nur weil sie mit einem Jungen gesprochen hat bzw. sich Freiheiten rausnimmt, die ihr von den Eltern verboten werden.Den Mädchen kann man nur Mut machen,sich nicht einschüchtern zu lassen und klare Grenzen setzen.
Ich habe leider aber selten erlebt, dass sich etwas geändert hat, wenn es sich um Familien handelt, die dem Einfluss von außen massiv gegensteuern.Man kommt in solchen Fällen kaum an die Jugendlichen und deren Familien ran.
 

fritztotila

Active Member
AW: Arbeiten als Lehrerin

Es ist oft so, wie Du schreibst. Am ehesten geht es noch über die Jungs, die sagen wenigstens "aber der Opa hat gesagt....." Mädchen trauen sich oft noch nicht einmal das.
Es gibt aber auch ganz freie türkischstämmige Mädchen, aber leider bekommen die oft die krassesten Probleme und Mobbingaktionen- aber nicht von den Jungs, sondern von den anderen türkischstämmigen Mädchen.
Das habe ich ganz krass erlebt und war da echt total machtlos. Die einen nahmen mir es übel, wenn ich mit den anderen geredet habe oder eine im Unterricht öfter drangenommen hätte oder mehr oder weniger gelobt hätte.

"mühsam nährt sich das Eichhörnchen"- habe ich mir oft gedacht. Oder auf bayerisch: Ist der Berg auch noch so steil, a bisserl was geht allerweil.
insallah.
 
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