Der Tabubruch

Msane

Well-Known Member
Kippen kaufen, morgens Biertrinken und Bildzeitung lesen sind aber keine politischen Willensbekundungen.

Biertrinken und Kippen kaufen als politische Willensbekundungen einzuordnen, man sollte die Wähler nicht unterschätzen.

Aber anders gefragt, was wären denn deiner Vorstellung nach zulässige politische Willensbekundungen der Arbeiterklasse?


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Zuletzt bearbeitet:

sommersonne

Well-Known Member
Auch die Menschen die am Morgen Kippen, Bildzeitung und wahrscheinlich schon das erste Bier am Kiosk kaufen,
haben Bedürfnisse und ein demokratisches Recht darauf von der Politik gehört zu werden.
Die Politiker der Ampel haben schon lange den Bezug zur Normalbevölkerung verloren.
Wer sich nicht um die Belange der einfachen Menschen bemüht, kann nicht erwarten von diesen dann
gewählt zu werden, die suchen sich dann was anderes oder wählen Protest.


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Sollte man meinen, aber ich glaube, jedenfalls die, die ich so kenne, wollen einfach meckern und würden immer wieder etwas finden über das es zu klagen gibt. Selbst etwas tun oder sich wenigstens mal mit Fakten beschäftigen kommt ihnen nicht in den Sinn. Wenn ich mit Fakten komme, verleiern sie die Augen das ist ihnen zu viel. Demokratie ist ihnen ziemlich egal.

Zum Glück sind aber nicht alle Bekannten und Freunde so. Aber mir fällt eben auf das mancher der ehemals vernünftigen jetzt auch kaum noch zu erreichen ist.
 

Msane

Well-Known Member
Sollte man meinen, aber ich glaube, jedenfalls die, die ich so kenne, wollen einfach meckern und würden immer wieder etwas finden über das es zu klagen gibt. Selbst etwas tun oder sich wenigstens mal mit Fakten beschäftigen kommt ihnen nicht in den Sinn. Wenn ich mit Fakten komme, verleiern sie die Augen das ist ihnen zu viel. Demokratie ist ihnen ziemlich egal.

Zum Glück sind aber nicht alle Bekannten und Freunde so. Aber mir fällt eben auf das mancher der ehemals vernünftigen jetzt auch kaum noch zu erreichen ist.

Die Menschen die mit der Bierflasche in der Hand das Umfeld des Kiosk bevölkern, dort zusammenstehen
und über alles meckern, dass sind in der Regel Leute die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen,
die hat es aber immer schon gegeben.

Interessanter ist dein zweiter Absatz, du schreibst das ehemals Vernünftige nicht mehr erreichbar wären.

Mich würde interessieren was aus deiner Sicht dazu führt das sie jetzt nicht mehr erreichbar sind?
Irgendwas muss ja passiert sein das diese Änderung herbeigeführt hat.


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Bintje

Well-Known Member
Interessanter ist dein zweiter Absatz, du schreibst das ehemals Vernünftige nicht mehr erreichbar wären.

Mich würde interessieren was aus deiner Sicht dazu führt das sie jetzt nicht mehr erreichbar sind?
Irgendwas muss ja passiert sein das diese Änderung herbeigeführt hat.
Bin zwar nicht @sommersonne , aber erzähle ich dir mal aus meinen Erlebnissen, nur beispielhaft.
Ein ehemals langjähriger Freund, Akademiker, ärgerte sich maßlos, dass das städtische Gesundheitsamt seine im Wochentakt (Motto: Wiedervorlage) gemailten bohrenden Fragen beim Höhepunkt der Pandemie a) nicht sofort und b) nicht zu seiner Zufriedenheit beantwortete.
Tatsächlich wollte er eine fachliche Diskussion lostreten (.. die überarbeiteten Leute dort dürften sich bedankt haben..), und da er schon immer einen Hang zum Pedantischen hatte, wurde er zunehmend scharf und unangenehm im Ton. Am Ende wussten die sich wohl nicht mehr zu helfen; jedenfalls bekam er schließlich Antwort vom städtischen Rechtsamt, was ihn offenbar sehr kränkte. Als nächstes zog es ihn zu dieser seltsamen Anti-Corona-Demo in Kassel, Jana usw., du wirst dich erinnern, und danach nahm es schnell seinen Lauf.
Verschiedentlich diskutierten wir, er redete oft von "Agitation", "Propaganda" und ballerte mich mit länglichen Youtube-Videos von Leuten voll, deren Qualifikation, sich zur Pandemie zu äußern, ähnlich gering war wie die von uns allen ("ja hallo, ich bin der Johannes aus Heidelberg + studiere im 2. Semester Psychologie und hab mir mal ein paar Gedanken gemacht ..").
Ganz ehrlich? Mir fehlten die Zeit und der Nerv, mich mit so was zu befassen. Das habe ich ihm freundlich mitgeteilt. Leider akzeptierte er das nicht, sondern wollte anscheinend missionieren. Recht behalten!, ganz wichtige Triebfeder. Fortan war ich aus seiner Sicht feige (weil ich wenig Sinn für Paralleluniversen hatte/habe) und überhaupt enttäuschend angstgetrieben wie der ganze Rest der Bevölkerung und seines vormaligen Freundeskreises - insbesondere alle, die sich impfen ließen.

Es ging dann noch ein bisschen hin und her. Ich schrieb ihm einen laaaangen Brief, in dem ich freundschaftliche Zuneigung, aber auch Bestürzung zum Ausdruck brachte, dass er sich plötzlich mit den Geschwistern Scholl verglich. Den er ebenso laaaaang und freundschaftlich beantwortete, wobei die Hälfte seiner Erwiderung allerdings aus Corona und Thesen von Bhakdi, Wodarg usw. bestand. Kurzum, wir kamen nicht mehr auf einen Nenner. Noch nicht mal den kleinstmöglichen. Aus war es für mich, endgültig gegessen, als er meine Krebserkrankung später kühl und empathiefrei dozierend mit der Covid-Impfung in Verbindung brachte - dass sie schon vorher bestand, wusste er zwar, spielte in seiner Welt aber offensichtlich keine Rolle mehr.
Da habe ich aufgegeben und ihm nach einigem Überlegen nur noch gute Reise gewünscht, ein schönes Leben. Ohne Reue.
Ganz im Gegenteil: So, wie er geworden ist, sich zunehmend gezeigt hat, fehlt er mir überhaupt nicht. Mittlerweile ist er nicht nur Hobby-Virologe, sondern hat sich an der Telegram-Universität u.a. zum Klimakundigen hochgebrezelt (bekanntlich gibt es kein Klima, nur Wetter) und überhaupt: Deutschland wird untergehen. Na denn. Dafür hat er in der Tichy-, Preradovic & Co-Blase inzwischen ein paar Tausend Twitter-Follower gewonnen. Wer's braucht.

So gesehen sind diese Leute durchaus erreichbar. Aber eben nicht mehr von Leuten wie mir; mir fehlt die sozialpädagogische Demut dafür.
 

EnRetard

Well-Known Member
Aber anders gefragt, was wären denn deiner Vorstellung nach zulässige politische Willensbekundungen der Arbeiterklasse?
Die Arbeiterklasse trinkt nicht morgens vor der Trinkhalle, die geht arbeiten. Du beschreibst andere Gruppen. Dass bestimmte Bevölkerungsgruppen von der Politik vernachlässigt werden, ist ein Problem. Aber die AfD löst es nicht, denn ihre wirtschafts- und sozialpolitischen Vorstellungen sind ähnlich gnadenlos wie die der FDP.
 

sommersonne

Well-Known Member
Mich würde interessieren was aus deiner Sicht dazu führt das sie jetzt nicht mehr erreichbar sind?
Irgendwas muss ja passiert sein das diese Änderung herbeigeführt hat.
Der eine hat geheiratet, eine unzufriedene Frau und hat ihre Meinung und ihren Freundeskreis übernommen. Desgleichen bei einer Freundin nur andersherum. Sie beide leben in guten Verhältnissen mit Beruf und ohne finanzielle Sorgen. Fühlen sich aber benachteiligt und verunsichert. Vor allem die Corona-Krise, die Folgen des Ukraine-Krieges, Energieknappheit und ihnen unverständliche Maßnahmen der Stadtverwaltung machen ihnen Sorgen. Vielleicht hat es auch mit ihrem Charakter zu tun und wurde nur von mir nicht bemerkt.
Sie gehören nicht zur Kioskfraktion, haben aber in letzter Zeit eine ungute Entwicklung durchgemacht, die ich ihnen nie zugetraut hätte.

Ihr
 

Bintje

Well-Known Member
Dass bestimmte Bevölkerungsgruppen von der Politik vernachlässigt werden, ist ein Problem. Aber die AfD löst es nicht, denn ihre wirtschafts- und sozialpolitischen Vorstellungen sind ähnlich gnadenlos wie die der FDP.
Genau deshalb ist die AfD m.E. auch für begüterte Vulgärliberale mit heftigem Rechtsdrall attraktiv. Es ist ja nicht so, dass diese Partei sich für Ärmere einsetzt geschweige denn dafür interessiert, sie gibt es lediglich vor. Und alle, die sich für irgendwie "systemkritisch" halten oder einfach "dagegen" sind - egal wogegen, zumal Dagegensein wohl überwiegend im Osten seit 1989 einen weitaus besseren Klang hat als Dafürsein - fahren darauf ab.

Aber mal ab davon: Kann es sein, dass gut betuchte Rechte und vernachlässigte Ärmere sich in ihren jeweiligen Kränkungen einfach nur ergänzen? Das ist es doch, was die angebliche "Alternative" stärkt: Die einen - zu denen ich übrigens auch offene Sympathisanten wie Maaßen oder Kryptoanhänger wie Merz zähle - fühlen sich offenbar beleidigt und zu wenig wertgeschätzt, weil der Ansicht, dass sie sowieso schon immer viel zu viele Steuern zahlen, weil der eine oder andere Aktienkurs schwankt und ähnliche Unbill mehr. Die anderen sind es, weil sie die Auswirkungen von Wohnungsmangel, Arbeitslosigkeit, Pflegenotstand usw. hautnah spüren und sich zu wenig oder gar nicht gesehen fühlen.

Und dann kommt eine Partei mit ganz einfachen Rezepten und schrillen Tönen, powered by yellow press, für die alles Gemäßigte lediglich "linksgrünwokeversifftes Establishment" ist (der Schwachsinnsausdruck stammt nicht von mir), worauf das Feindbild so simpel wie klar scheint.
Abgesehen von Ausländern natürlich: Die sind ja sowieso immer schuld, an allem! /*Sarkasmus off*
 

Msane

Well-Known Member
Der eine hat geheiratet, eine unzufriedene Frau und hat ihre Meinung und ihren Freundeskreis übernommen. Desgleichen bei einer Freundin nur andersherum. Sie beide leben in guten Verhältnissen mit Beruf und ohne finanzielle Sorgen. Fühlen sich aber benachteiligt und verunsichert. Vor allem die Corona-Krise, die Folgen des Ukraine-Krieges, Energieknappheit und ihnen unverständliche Maßnahmen der Stadtverwaltung machen ihnen Sorgen. Vielleicht hat es auch mit ihrem Charakter zu tun und wurde nur von mir nicht bemerkt.
Sie gehören nicht zur Kioskfraktion, haben aber in letzter Zeit eine ungute Entwicklung durchgemacht, die ich ihnen nie zugetraut hätte.

Ihr

Sie machen sich berechtigt Sorgen, die Menschen merken das es mit dem Land bergab geht und dies ist immer
die Konsequenz falscher Entscheidungen die von den Regierungsparteien getroffen werden.
Die Politik der Ampel hat eine ungute Entwicklung durchgemacht, darauf reagieren die Wähler wie
in der Demokratie vorgesehen mit der Wahl anderer Parteien.


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sommersonne

Well-Known Member
Sie machen sich berechtigt Sorgen, die Menschen merken das es mit dem Land bergab geht und dies ist immer
die Konsequenz falscher Entscheidungen die von den Regierungsparteien getroffen werden.
Die Politik der Ampel hat eine ungute Entwicklung durchgemacht, darauf reagieren die Wähler wie
in der Demokratie vorgesehen mit der Wahl anderer Parteien.


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Ja, das ist schon so. Aber es ist eine Sache das zu wissen und eine andere wie man damit umgeht.
 
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