Ich hab jetzt ein Weilchen mitgelesen und werfe einfach mal meine Ansicht dazu in den Raum:
Eifersucht lässt sich nicht über die Nationalität legitimieren.
Natürlich kann innerhalb einer Beziehung mal Eifersucht aufkommen. Allerdings ist meiner Ansicht nach nur die Form der Eifersucht verträglich, die einen eher zum Grinsen bringt, so wie: "Ach guck, Du bist doch wohl nicht eifersüchtig?" Ein kleines Ertappen des anderen oder sich selbst, das dann zu einem verlegenen Abstreiten führt und man feixt sich einen.
Ernstliche Eifersucht hingegen ist eine Form des Besitzanspruches, die einer Beziehung mehr Regeln als Leben gibt. Frischverliebte Kringel in den Augen und Blümchen im Denken führen gern mal dazu, das zu übersehen oder falsch zu deuten. Aber was ist langfristig schön daran, einen Partner zu haben, der einem vorschreibt, mit wem man sich gut verstehen darf? Ist es erstrebenswert, die eigene Menschenkenntnis stets durch den Filter des Partners zu schicken? Entmündigen lassen kann man sich auch noch, wenn Senilität jeder vernünftigen Entscheidung im Weg steht. Im Vordergrund sollte immer stehen, sich gegenseitig (!) zu respektieren.
Eifersucht kann viele Gründe haben, resultier aber in erster Linie aus Unsicherheit - sei es fehlendes Selbstbewusstsein, eigene Missetaten, die man auch anderen zutraut, begründetes Misstrauen, das nicht aus der Welt geschafft wurde... ein wirklich gesunder Grund fällt mir indes nicht ein. Ich lasse als Begründung ein: "Ich liebe Dich nun einmal so und will Deine Nummer 1 sein!" jedenfalls nicht gelten.
So und jetzt noch einmal zu meinem Eingangssatz, dass eine eifersüchtige Grundhaltung nicht per se wegen der "südländische Mentalität" verständnisvoll hingenommen werden muss.
Ich höre immer wieder Dinge wie "Ja, der Freund ist Türke, das muss man verstehen." oder "Seine Freundin ist Italienerin, die dreht sowieso am Rad, wenn sie seine Kollegin sieht."
Ja, ok, ich will nicht abstreiten, dass die Impulsivität im Großen und Ganzen eher verschieden über die Kulturen verteilt wurde. Ich betone hier bewusst das Pauschale, denn individuell fällt es mitunter noch ganz anders aus. Aber deswegen wird nicht das Leben aus seinen Angeln gehoben und man muss nicht alles richtig finden, weil man es so vorgesetzt bekommt.
Es ist ja schön, wenn Menschen sich dafür entscheiden, etwas Neues spannend zu finden, statt es ängstlich von sich zu weisen. So wächst Kultur - im Austausch. Seit je her. Neugierde ist bereichernder als Abwehr. Das bedeutet aber nicht automatisch, ALLES über Bord zu werfen, woran man mal geglaubt hat.
Reden hilft da ungemein - hab ich mal gehört. ;-)
Eifersucht ist jedenfalls gerechter verteilt als Reichtum. Man trifft sie überall an. Egal, ob man nun einen deutschen oder einen türkischen Freund hat. Allein, wie sie verkauft wird, da mag es Unterschiede geben. Mir persönlich schmeckt sie dadurch jedenfalls nicht besser.
Dem Gegenüber obligatorisch ein schlechtes Gewissen einzupflanzen, scheint von einigen Vertretern eine beliebte Methode zu sein, derart an das Verständnis der Person zu appellieren, die ja so fern der eigenen Kultur ist, um sinnvollen Argumenten aus dem Weg zu gehen (weil es die eben nicht gibt).
Ja, ein bisschen berührt mich das, da ich selbst mal für kurze Zeit die "Bekanntschaft machte" mit einem Türken, der hier in Deutschland aufwuchs und mich immer wieder in Diskussionen wieder fand, die wirklich absurd waren. Und wenn ich dann von anderen lese, die ein bisschen weniger (Lebens-)Erfahrung haben und vor lauter Liebe in selbstbeschneidenden Verbindungen aufgehen (und sich aufgeben), regt sich etwas Sorge.
Und nur um das mal kurz denen zu vergegenwärtigen, die meine Vorstellung hier nicht gelesen haben: Mein Partner ist Türke. Er ist dort aufgewachsen und klar gibt es einige Unterschiede, wie unser Leben verlaufen ist. Wir haben uns hier in Deutschland kennen gelernt und lernen uns seit 13 Monaten immer weiter kennen. Aber keiner von uns würde kulturelle Unterschiede als Argument wählen, um den anderen in seinen freien Entscheidungen zu beschneiden.
Menschlichkeit (Offenheit, Verständnis, Nachsicht, Fehlbarkeit usw.) ist keine Frage der Herkunft, es sind Konventionen, die hier versuchen, ihre Gesetzmäßigkeiten zu pflanzen. Und diese Verhaltensregeln sind ebenso wenig national zementiert, sondern wiederum von gesellschaftlichen Normen reglementiert, die ihrerseits zu Mikrokosmen und immer mal wieder medial ausgeschlachtet werden. Das heißt aber nicht, dass wir von lauter Wahrheiten umgeben sind, sondern unsere Welt selbst machen, im Miteinander. Man darf ruhig Individuum bleiben!
Mir tut es einfach leid, wenn ich lese, wie sich die Thread-Stellerin nach Kräften bemüht und daran verzweifelt. Ich möchte sie am liebsten bei der Hand nehmen und sagen: Hey, das geht auch anders, Du musst Dein Leben nicht umkrempeln, mit Dir ist nichts verkehrt, vertrau Dir doch auch selbst mal wieder ein bisschen.
Damit schließe ich dann auch mal meinen Beitrag, ohne ihr weitere Verhaltensmaßregeln an die Hand zu geben. Letztlich wird die Liebe zu ihrem Freund jeden weiteren Schritt für sie bestimmen. Es ist schon viel wert, dass sie hier ihre Sorgen bereden kann und ich wünsche ihr alles Gute!