Deutschtürken?

Farina

Well-Known Member
AW: Deutschtürken?

4. Sie sind sehr einfach beleidigt. Vorbeladen mit Gefühlen.

Hm, ob das evt. an schlechten Erfahrungen (Ablehnung etc.) liegt?

5. Ich wundere mich, dass viele hier geboren sind, aber deutsch mit einem Akzent sprechen. Sie nutzen die Angebote hier nicht, Kurse, Unterstützung, individuelle Entwicklung, scheint nicht wichtig zu sein.

Wollte wissen, was habt ihr beobachtet über sie?

Über den Akzent habe ich mich auch schon gewundert, z. T. selbst bei welchen, die gar nicht richtig Türkisch sprechen können. Kommt mir manchmal mehr wie eine "Modeerscheinung" vor.
 
S

Solipsist

Guest
AW: Deutschtürken?

Denkst du es liegt an schlechten Erfahrungen? Die dritte/vierte Generation hat immer noch schlechte Erfahrungen? Sind sie deswegen so leicht aufgebracht und aggressiv?
 

ray81

New Member
AW: Deutschtürken?

Es wundert mich auch z.B. was du beschrieben hast Ray. Manche sprechen kein türkisch, ausser ein Paar Worte, haben sehr wenige Beziehung zur Türkei, kennen es nur von Urlaub, aber behalten die türkische Staatsbürgerschaft und definieren sich als Türken. Das ist sehr interessant, denn es ist jetzt die vierte Generation?
Türken in der USA sind nicht so, schon in der zweiten Generation brechen sie den Konakt ab und werden Amerikaner.

... hui, ich hatte gerade das Gefühl, du sprichst von mir ... aber doch nicht ganz, in meinem Fall ist es so, dass ich deiner Beschreibung fast komplett entspreche, nur ist mein Fall kein wirklich Typischer ... ich spreche kein türkisch, ausser ein paar Worte, habe sehr wenige Beziehung zur Türkei, kenne es nur vom Urlaub, behalte "unfreiwillig" die türkische Staatsbürgerschaft und definiere mich als vorwiegend Deutscher mit türkischen Wurzeln ... und dennoch bin ich ein Deutschtürke, die Tatsache, dass mein Vater Türke war, reicht hierfür ... mal abgesehen habe ich einen total türkischen Namen, nicht die Bohne deutsch :mrgreen:

das mit den USA mag bestimmt auh daran liegen, dass die USA und die Türkei ziemlich weit auseinander liegen, weiters ist die USA ein extrem nationalgeprägtes Land, ich war mal in LA und als ich meinen Kopf gen Himmel nahm, könnte mein Blick fünf Flaggen erspähen, wo bitte sieht man in Deutschland schon fünf Flaggen auf einmal und nicht etwa in einem Jahr und wo wird man mit der Nationalhymne konfrontiert ... außer bei Fussball Länderspielen? Das steckt an ... auch the american way of life ... und nicht vergessen, Klein-Istanbul gibts auch nicht weder in NY noch in LA ... :mrgreen:

Noch zu den Deutschtürken, ich denke es ist so, dass viele sich weder in Deutschland noch in der Türkei wirklich, ich meine wirklich heimisch fühlen ... selbst für mich ... und das obwohl ich echt "deutsch" aufgewachsen bin ... mit dem Unterschied ... meine Herkunft war mir immer vor Augen ... positiv und negativ - Fakt!
 

Farina

Well-Known Member
AW: Deutschtürken?

Denkst du es liegt an schlechten Erfahrungen? Die dritte/vierte Generation hat immer noch schlechte Erfahrungen? Sind sie deswegen so leicht aufgebracht und aggressiv?

Ich weiß es nicht, war nur so ein Gedanke nach manchen hier im Forum geäußerten Meinungen.

Wenn überhaupt, denke ich, dass eher Angehörige der späteren Generationen schlechte Erfahrungen gemacht haben, weil dann keine Arbeit mehr da war. Diejenigen, die zu wenig Wert auf Schule und Ausbildung gelegt hatten, waren dann im Nachteil. Das macht evt. aggressiv, wodurch sich wiederum die Chancen verschlechtern ...
 
S

Solipsist

Guest
AW: Deutschtürken?

In DE wurden die traditionellen Werte dieser Familien weiter gepflegt und von Generation zu Generation weitergegeben bzw. - wie du schon sagst - mit einer Frau aus dem Dorf der Vorfahren aufgefrischt und somit gegen allzu weltliche Einflüsse aus dem deutschen Umfeld verteidigt.

Eigentlich meinte ich, die Türken in der Türkei sind ihnen zu westlich. Wenn sie studieren und ein normales leben haben, Freunde, ausgehen, trinken, sind sie "verdorben". Man muss sie "zurechtbiegen".
Die einzigen "reinen" sind in den fernen Dörfern zu finden. Frauen aus Staedten sind so schlimm wie Deutsche für sie.

Da scheinen sie auch ein geteiltes Bild über die Türkei zu haben. Die Werte die sie erhalten haben scheint nicht übereinzustimmen mit was sie sehen. Also lehnen sie eigentlich die Türkei genauso ab wie Deutschland.
 

Farina

Well-Known Member
AW: Deutschtürken?

Eigentlich meinte ich, die Türken in der Türkei sind ihnen zu westlich. Wenn sie studieren und ein normales leben haben, Freunde, ausgehen, trinken, sind sie "verdorben". Man muss sie "zurechtbiegen".
Die einzigen "reinen" sind in den fernen Dörfern zu finden. Frauen aus Staedten sind so schlimm wie Deutsche für sie.

Ja, so hatte ich es auch verstanden, daher Frau aus dem Dorf. Aber wenn du sagst
Sogar Dörfer haben sich weiterentwickelt in der Türkei.

.... :-?
 
S

Solipsist

Guest
AW: Deutschtürken?

... hui, ich hatte gerade das Gefühl, du sprichst von mir ... aber doch nicht ganz, in meinem Fall ist es so, dass ich deiner Beschreibung fast komplett entspreche, nur ist mein Fall kein wirklich Typischer ... ich spreche kein türkisch, ausser ein paar Worte, habe sehr wenige Beziehung zur Türkei, kenne es nur vom Urlaub, behalte "unfreiwillig" die türkische Staatsbürgerschaft und definiere mich als vorwiegend Deutscher mit türkischen Wurzeln ... und dennoch bin ich ein Deutschtürke, die Tatsache, dass mein Vater Türke war, reicht hierfür ... mal abgesehen habe ich einen total türkischen Namen, nicht die Bohne deutsch :mrgreen:

Deutscher mit türkischen Wurzeln ist OK, das ist was man in dritter/vierter Generation erwartet. Es ist auch normal das du kein Türkisch sprichst. Aber wenigstens ist es dir klar das du schon Deutscher bist. Bei vielen sehe ich eher Ablehnung und starre Umklemmung der türkischen Identitaet die eigentlich nicht mehr türkisch ist.
Wir haben vieles in diesem Forum diskuttiert, aber nicht was Deutschtürken denken. Ich möchte diskuttieren was sie denken, warum nach so langen Jahren und Generationen sie in Deutschland leben und es immer noch nicht mögen.
Ich benutzte die Definition Deutschtürken bewusst, Türken sind sie nicht mehr so...Sie scheinen mehr eine eigene Kultur entwickelt zu haben.
 

ray81

New Member
AW: Deutschtürken?

Ich weiß es nicht, war nur so ein Gedanke nach manchen hier im Forum geäußerten Meinungen.

Wenn überhaupt, denke ich, dass eher Angehörige der späteren Generationen schlechte Erfahrungen gemacht haben, weil dann keine Arbeit mehr da war. Diejenigen, die zu wenig Wert auf Schule und Ausbildung gelegt hatten, waren dann im Nachteil. Das macht evt. aggressiv, wodurch sich wiederum die Chancen verschlechtern ...

Für ganz viele Junge, die vorwiegend bis auf die Schule türkischem Umfeld ist es besonders schwierig, für die Deutschen sind sie Türken, selbst wenn sie die deutsche Nationalität haben, für echte Türken in der Türkei reichts auch nicht.
Deutsche und die Familie geben ihnen das Gefühl ---> du bist Türke
aus den Medien, aus Erzählungen und am eigenen Leibe erleben sie oft, dass sie als Migranten keine Chance haben, wenn sie sich nicht besser als Deutsche beweisen ... nicht immer ist dem so ... das sind die Türken, über die sich Comedy & Co. lustig macht ... was gugs du? Die zu "ich" - isch sagen ...
die sind weder hier noch dort wirklich zu Hause ... in Deutschland fehlt ihnen die Türkei, in der Türkei würde Ihnen Deutschland über kurz oder lang fehlen ...
 
S

Solipsist

Guest
AW: Deutschtürken?

Noch zu den Deutschtürken, ich denke es ist so, dass viele sich weder in Deutschland noch in der Türkei wirklich, ich meine wirklich heimisch fühlen ... selbst für mich ... und das obwohl ich echt "deutsch" aufgewachsen bin ... mit dem Unterschied ... meine Herkunft war mir immer vor Augen ... positiv und negativ - Fakt!

Ich lebe im Osten, unter den Ossis. Da kannst du dir vorstellen wie vor Augen ich lebe als einziger Türke im Dorf, sogar in der Gegend. Manchmal kann ich platzen ja, aber meistens macht es mir nichts aus. Ja und, ich sein Türke, ich sein so:) Und ich nehme vieles mit Humor. Ich würde auch vor Augen leben wenn ich zB Araber oder Peruaner waere. Ist normal.

Der knackpunkt ist glaube ich "sich nicht heimisch fühlen"...Daran hatte ich nicht gedacht, Danke.
 

ray81

New Member
AW: Deutschtürken?

Deutscher mit türkischen Wurzeln ist OK, das ist was man in dritter/vierter Generation erwartet. Es ist auch normal das du kein Türkisch sprichst. Aber wenigstens ist es dir klar das du schon Deutscher bist. Bei vielen sehe ich eher Ablehnung und starre Umklemmung der türkischen Identitaet die eigentlich nicht mehr türkisch ist.
Wir haben vieles in diesem Forum diskuttiert, aber nicht was Deutschtürken denken. Ich möchte diskuttieren was sie denken, warum nach so langen Jahren und Generationen sie in Deutschland leben und es immer noch nicht mögen.
Ich benutzte die Definition Deutschtürken bewusst, Türken sind sie nicht mehr so...Sie scheinen mehr eine eigene Kultur entwickelt zu haben.

Dass ich mich vorwiegend als Deutscher mit türkischen Wurzeln bezeichne, liegt wohl daran, dass mein Vater starb, als ich noch ein Kleinkind war ... hätte er an meinem Aufwachsen teil gehabt, wäre das nicht so "einfach" zu sagen ... vielleicht wäre ich "zerrissen" zwischen D + T ... da er aber sehr liberal war, wäre mein Türkisch wohl stark verbesserungswürdig, jetzt ist es weniger als rudimentär ...


das "sich nicht heimisch fühlen" beschränkt sich dabei nicht nur auf Deutschland, sie würden sich auch nicht in der Türkei heimisch fühlen ... es gibt durchaus den Einen oder die Andere, die auf eine neue Heimat, sowohl Deutschland als auch der Türkei den Rücken kehren und sich in einem dritten Land ihre Heimat suchen ... da wissen sie, dass sie wirklich die Fremden sind, damit kann man dann oft besser umgehen ...
 
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