AW: Die Zeit oder das in sich zerstrittene..
Wenn eıne Reise ansteht, wie vor einigen Tagen, als ich auf einer Rückreise aus dem Umland vom Istanbul nach Ankara wollte.
Seitdem mir das Lenkrad des Transporters, der gerade mal 2 Jahre alt war, in einer rechtwinkligen Kurve wie ein Jo-Jo Rad drehte, während ich fuhr, versuche ich die Reisen mit Bussen oder Autos zu vermeiden.
So auch diesmal. Da der Schienenverkehr in der Türkei nicht so gut ausgebaut ist, befindet sich nicht in jeder Stadt ein Zugbahnhof, so musste ich erst nach Istanbul und ging auf Gut Glück, um eine Fahrkarte zu bekommen.
Nicht nur, dass das Schienenverkehr nicht flächendeckend ausgebaut ist, so ist es eine Vorschrift, dass man in Fernverkehrszügen stehend nicht reisen darf.
Man nennt seinen Namen und überwiegend legt man auch einen Ausweis dem Kassierer vor.
Ich war mittlerweile in dieser Hinsicht ausgekochter geworden, so dass es mir nicht ausmachte, dass ich erst in vier Stunden die Reise antreten werde.
Als Gepäck hatte ich nur einen Rucksack und ich trieb mich voran, in der Nacht, in einer mir unbekannten Stadt, wenn ich diesen Bahnhof auch zuvor einige male benutzt hatte. Ich trieb mich gegen meinen Widerwillen, nicht in die mir unbekannten Gegenden rein zu laufen.
Ich lief und bog in die Richtung des Hafens, wo an den Promenaden spät bis in die Nacht noch gesessen wurde, mit Chaj und Tavla odr anderen Spielen.
Dass es Fastenzeit war tat seines dazu, denn man spannt von der Anstrengung des Fasten.
Man relaxt, samt Frau und Kind und Mann.:biggrin:
Die Promenade war überfüllt von Menschen, ich setzte mich auf eine Bank und beobachtete das Treiben.
Drei junge Mädchen, im Alter von etwa 16 Jahren, schossen machten mit der Handycamera Fotos voneinander.
Fast wäre ich mit auf dass Bild, so wie ich auf der Bank saß, ich zog schnell die Mütze tiefer.
Paare liefen umher, junge und auch Familien mit Kindern. Man hörte Kinder nach essbarem an ihren erwachsenen Begleiter schreien. auch saßen welche auf den Bänken.
Viele Restaurants und Imbissläden boten Döner bis hin zum Fisch an. Es machte mir Appetit und erst jetzt fiel mir ein, dass ich im Rucksack Proviant hatte und eine kleine Plastikflasche Wasser, dass ich fast immer bei mir führe, wenn ich mich außerhalb der Wohnung befinde.
Das Wetter war trotz Abendstunden recht angenehm, es herrschte Windstille.
so wie ich genüsslich aß, näherte sich mir von dr Seite ein ziemlich kleinwüchsiger Hund, der aber von der Statur her von keinem großem Hund sich unterschied.
Er war in Eile, auch etwas erschrocken aber nicht ängstlich. Ich schmiss ihm ein Stück Brot zu, er merkte es und blieb in seinem Lauf stehen, drehte sich zum Brotkrümel, roch daran.
Er aß es nicht, schaute aber mir hoch und schaute auf meine Hände, in denen ich das mit Fleisch eingerolltes Fladenbrot hielt.
Das Fleisch war gekocht und aß es sich sehr leicht, ich riss ein Stück davon ab und warf es vor dem Hund, der immer noch in einem Abstand von einem Meter vor mir stand.
Er aß es und so riss ich ein zweites Stück Fleisch ab und warf es ihm zu. Schließlich hatte ich aufgegessen und bückte mich zu meinem Rucksack um es zu zuschnüren und als ich den Kof erhoben hatte, war der Hund nicht mehr da.
Ich stand auf und ging in eines der Chajgärten, es war ziemlich voll, was sich später auch begründen ließ, außer dass man nur ausgegangen wäre.
Während ich an meinem Tee trank, kamen immer mehr Menschen in den Garten, so dass der Tisch, an dem ich eben noch allein saß, nun voll belegt war.
Als dann man nur noch sich für einen Sitzplatz ausschaute, erkannte ich den Grund für den Zulauf der Menschen an ein zwei mal vier Meter großes Leinentuch, auf den das Fernsehbild projiziert wurde.
Die türkische Mannschaft spielte um die Teilnahme an der nächsten Fußball Europameisterschaft.
Nun wurde es laut, volle Teegläser kippten auf die Bekleidung, Aschenbecher überfüllten sich, Geschrei und Jubel.
Das Spiel interessierte mich an sich nicht so, so beobachtete ich auch das umliegende. Einige Familien kamen, die Frauen in Kopftüchern eingehüllt, manche mit andere wieder ohne Kinder.
Während ich dort saß, erinnerte ich mich, wie ratlos ich vor dem Bahnhof stand und nicht wusste, was zu tun ist, solange ich auf den Zug warten würde.
Und ich erinnere mich, dass ich mit Widerwillen in die mir unangenehme Richtung lief.
So kannte ich mich gar nicht, dass ich ohne Hoffnung auf Belohnung mich voran bewegte. Dieses Gesicht war mir nicht vertraut, aber ich hatte auf viele Gesichter verzichtet, ohne sich zu bemitleiden.
Zu mindestens war dies der Weg, wie man sich voran wagt.
Da taucht die Zerrissenheit mit sich auf bzw. man nimmt sie war.
Man will ins Kino gehen, aber ein Gedanke meldet sich in klarer Vision:
man wird in der Dunkelheit sitzen, voraussichtlich mit anderen Menschen, mal weniger mal mehr. Man wird mit der Handlung auf der Leinwand denken, mit zum Ende hin denken.
Was wird passieren?
Doch nichts ist passiert, die Abendstunde ist voran geschritten und man saß untätig dort.
Also schone ich mich, resultiert der andere Gedanke und laufe in der Leere, aber bin beweglich, wenn auch nur körperlich und nicht wie im Kino sowohl auf der Bewusstseinsebene, weil diese durch eine auf die Leinwand projizierte technisches Lichtspiel ersetzt wurde, als auch körperlich.
Nun kam ich hierhin, und merke, dass die Zeit überfüllt ist, wo ich nur schwarz zu sehen glaubte.
Die Schwärze muss es wohl geben, sonst kann sie nicht so lähmend sein, dass es die ganze Menschheit ins Aufmarsch gesetzt hat, wie dieser auch die Langeweile genannter Schwärze beizukommen ist?!
Ich wusste von diesem Garten und dem Spiel nichts, als ich vor dem Bahnhof ratlos stand, aber ich stellte alle meine mit dem Ort verbundenen Erwartungen ab und kehrte diesen den Rücken, lief in die andere Richtung.
Wieder mal hatte ich auf ein Gesicht verzichtet oder wollen wir dazu das Gesicht des Dämonen sagen?
Ein Dämon, der selbstbezogen ist, dem am liebsten den Himmel auf Erden haben will und dann gibt es die schlaueren, die meinen, dass der Himmel im Himmel ist und nicht hier auf Erden, denn sonst würde es nicht Himmel heißen, Punkt.
Ah, bekämpft die Religion den Dämon? Aber sie wird doch meinen dämon gar nicht kennen.
Mein Dämon lechzt es nach Döner, sobald es im Schaufenster sieht und pfeift munter, sobald es eine eng bekleidete Frau sieht.
Doch überließ ich mich nicht diesem Dämon und lief hierhin, um zu sehen, dass es randvoll ist, Zeit.
Es ist keine Zeit um mit sich zerstritten zu sein.
Nach der ersten Hälfte, das dreiviertel Stunden andauert, weckte ich meinen Aämon erneut und schleppte ihn, dass er blutet und davon läuft.
Es war, so rechnete ich bei mir, weil ich meinen Handy während der Überfahrt mit der Fähre ausschalten musste, nun aber mich nicht mehr an die PIN erinnerte und somit keine Uhr zur Verfügung hatte, dass das Spiel um halb Neun angefangen haben müsste, den um Acht Uhr war ich am Bahnhof, demnach jetzt gegen halb Zehn sein müsste.
Also hatte ich Zeit und ich könnte mit irgendeinem Zug bis zu der End- und Anfangsstation der Züge fahren, weil mein Zug eh von dort los fährt.
Er würde erst in etwa 2 Stunden losfahren und die Strecke dahin würde eine halbe Stunde andauern.
Ich malte mir jetzt schon aus, dass wenn ich dort angekommen bin, am Ufer einen Tee trinke und dabei die trotz der Nacht umher fliegende Möwen, im Licht der Laternen und Schiffe übers Meer betrachten.
Es war ein Regionalzug, der zur später Stunde noch gut belegt war. Ein Mann saß zwei Sitzbänke weiter mir gegenüber, neben ihm eine Frau und ihnen gegenüber Jugendliche. Auch die unmittelbar nächsten Sitzbänke vor mir, waren zur beiden Seiten belegt. dort saßen nur junge Menschen, zwei Jungen und vier Mädchen/Frauen.:roll:
einer von ihnen benahm sich recht übermütig, so als wollte er eines der weiblichen Mitreisenden imponieren.
Er stand auf, wiegte sich an den von Standen runter hängenden Griffen für Stehende, flüsterte etwas ins Ohr eines der Mädchen.
Schließlich ging die Gruppe auseinander, erst stiegen Zwei aus, dann an der nächsten Station Drei, bis nur noch der Mann und die Scharr von Frauen und Kindr übrig blieb, als auch diese sich erhoben, dass der Mann alleine auf der Sitzbank sitzen blieb, aber noch standen sie bzw, einige hatten sich schon zur bewegt, auch wenn der Zug noch noch angehalten hatte.
so während ich da gesessen hatte, dachte ich bei mir, dass der Mann der Familienoberhaupt sein müsste und wie es wohl wäre, wenn er die lustige Menge um sich hat, ob es auch in seinem anliegen ist, dass man glücklich ist und er sich doch glücklich schätzen muss, dass er doch die Säule dieser Heiterkeit ist.
Er steckte eine Zigarette an und ich dachte, ein Gewohnheitsraucher, der sich gewiss gleich rauchen zu dürfen, halt seine Vorfreud auskostet.
Er zündete die Zigarette an und qualmte glücklich daran und verbarg es in der Handfläche, die Hand legte er zwischen den Beinen.
Außer mir und dem Mann samt seinen Begleitern, sassen noch an die 8-10 Menschen im Wagon.
Keiner von uns sagte was, der Zug hielt kurz danach an und wir stiegen aus.
Mein Blick ging auf die Uhr an der Wand vom Bahnhof, es waren nur noch fünf Minuten bis zur abfahrt meines Zuges.
Die Zeit war randvoll.
Ich setzte mich in den Zug und wir fuhren sogleich los.