Flüchtlingskrise

Gestern jemand Weltspiegel geschaut? Auch die Russen flüchten, nach Finnland. Und auch ein Beitrag zu den in Polen untergebrachten Flüchtlingen.

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Ja, auch Russen flüchten. Leider erhalten wir keine Daten über russische Asylanträge, die in gegenwärtiger Lage wohl kaum abgewiesen werden können. St. Petersburg wird zu einem Drehkreuz der russischen Flüchtlingsbewegungen werden. Mal sehen, wann Putin seine Heimatstadt umzingelt.
 
Ich glaube, dass ich die erste in diesem aktuellen Chat war, die (gegen Alu) sagte, dass es unsere verdammte Pflicht sei, die Ukrainer in Deutschland aufzunehmen, wenn sie in Not geraten (da war die Belagerung von Kiew noch gar nicht das Thema).
Mein Post musste sich, zugegeben, so lesen, als sei er gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine in Deutschland gewesen. Er ging aber nicht gegen Flüchtlinge, er ging gegen die Flüchtlingspolitik der Polen und Ungarn bis dahin. Die schlicht sich geweigert hatten bis dahin, auch nur einen einzigen Flüchtling aufzunehmen aus dem Mitterneerraum, und die die antisemitisch grundierten Verschwörungserzählungen wieder aufwärmten, festgemacht und personifiziert am „Börsenjuden“ George Soros, es ginge in Wahrheit um Machenschaften, die Europäer zu umvolken und Europa insgesamt zu islamisieren.

„2015 darf sich nicht wiederholen“, so das jahrelange Mantra. Nun, 2015 wiederholt sich nicht. Jetzt schon sind, nach gerade mal drei Wochen, über 160.000 Flüchtlinge in Deutschland registriert. Das hier ist weit, weit größer als 2015. 2015 war nur eine Übung.

Polen hat rund zehn mal so viele Flüchtlinge aufgenommen bislang wie Deutschland. Hätten sie sie, wie 2015/16 geschehen, einfach nach Deutschland durchgewunken, unsere Demokratie wäre beendet gewesen. Hätten wir jetzt schon zwei Millionen Flüchtlinge, also doppelt so viel wie insgesamt 2015/16, und zwar nur, weil sich die Polen verweigern und die Ungarn Zäune bauen, die Tage bis zur Kanzlerschaft Bernd Höckes wären abzählbar gewesen. Dagegen ging mein Post. Polen und Ungarn haben sich dieses Mal nicht gedrückt, ihren Anteil zur Solidarität beizutragen. Das ist ihnen hoch anzurechnen. (Bei allen rassistischen Begleiterscheinungen gegenüber schwarzafrikanischen Studenten und arabisch-, kurdisch-usw.-stämmigen Flüchtlingen, die im Mittelmeerraum keine Perspektive mehr für sich sahen und früh die sich neu auftuende Gelegenheit genützt haben. Worüber inzwischen nicht nur afrikanische Medien berichten, das ist inzwischen auch bei unseren Leitmedien angekommen.)


Der Grundunterschied zu 2015/16 ist: Diesmal sind wir die Anrainer.

Bedeutet zum einem: Es werden viel, viel mehr kommen. Wir erinnern uns: Die Türkei hatte damals um die drei Millionen Menschen aufgenommen, vielleicht mehr, vielleicht gar vier.

Bedeutet zum zweiten aber auch: Es kommen ganz andere Menschen. 15/16 haben wir die Nachhut abgegriffen bzw. eine Vorhut: Viele junge Männer waren überrepräsentiert, zwischen 20 und 30 Jahren, meist alleinstehend. Vorhut derer, die fliehen mussten, erst einmal am Mittelmeer verblieben, oft mit der Hoffnung, möglichst schnell wieder zurückkehren zu können in die Heimat, und die nun die Jungen und Starken vorschickten: Versucht, euch irgendwie durchzuschlagen nach Europa und uns bestenfalls nachzuholen; zumindest aber könnt Ihr versuchen, dort Geld zu machen und uns dann bitte welches zu schicken. Dieses Mal sind es hauptsächlich Familien, sogar unterdurchschnittlich Männer, wenn, dann älteren Jahrgangs; die Jungen bleiben in der Ukraine, viele sogar freiwillig, und gehen in den Krieg.

Zum dritten gilt zumindest für die, die jetzt schon hier sind, für die erste Welle: Die haben noch gar keinen Krieg gesehen. Die sind noch nicht traumatisiert. Viele haben sogar Haustiere mit auf die Flucht genommen!, Hunde in Flüchtlingsunterkünften, das habe ich auch noch nicht gesehen. Heißt aber auch: Die kommen aus dem Frieden. Krass ausgedrückt: Wer einmal in die Gewehrläufe des IS gesehen hat oder in die der Schergen Assads, der hat ja keinen Respekt mehr vor einem deutschen Polizisten.

Ich denke – Ich hoffe, daß diese Momente ausschlaggebender ist für deren auffällig andere, höhere Akzeptanz, als Hautfarbe und Religion. Das sind Flüchtlinge, wie wir sie uns schon 2015/16 gewünscht hätten.


Hätte Orban noch einmal versucht, uns so übel zu linken wie 2015/16, wir hätten die Flüchtlinge aufhalten müssen an der ungarisch-deutschen Grenze. Damals konnte Frau Merkel noch hoffen und uns vermitteln: Wir Deutschen sind nun mal die volkswirtschaftlich Stärksten in Europa und springen darum ein, treten in Vorleistung und leisten Nothilfe; mit der Zeit schon werden wir in geduldigen Gesprächen die anderen Europäer überzeugen, in ein gesamteuropäisches Solidarsystem überzugehen, eine faire und für jeden zu verkraftende Verteilung der Flüchtlinge auf Gesamtwesteuropa. Heute wissen wir: Wir haben sie nicht überzeugt, wir würden sie nicht überzeugen.
 
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Diesmal sind wir die Anrainer.

Bedeutet zum einem: Es werden viel, viel mehr kommen.
Wir sind Anrainer? Wäre mir neu. Deutschland zeigt wieder Solidarität, obwohl nicht Erstaufnahmeland. Nach Dublin müssten wir keinen aufnehmen. Komischerweise höre ich die AfD diesmal nicht von Gesetzesbruch jolen.

Ganz ehrlich, diese Doppelmoral kotzt mich an! Gänge es nicht um Menschen, ich würde den Polen und Ungarn die gleiche Solidarität zeigen, die jene 2015/16 gezeigt haben. Nach dem Motto: ihr seid Erstaufnahmeland also kümmert euch.

Spanien, Italien und Griechenland müssen einen Hals haben.....beste Strategie die ihnen bleibt ist ihre Flüchtlinge alle eine Anerkennung zu geben und somit Freizügigkeit im Schengenraum.
 
Zugegeben, ich hatte rigoroser argumentiert.
Unserer Regierung ist ja wohl hoffentlich klar, was jetzt als erstes dringend zu geschehen hat: Mobilmachung. Die Grenze zu Polen muß dicht.

Die Vereinten Nationen haben gerade erst heute die EU-Pullbacks kritisiert, namentlich der Griechen. Nur die BRD nimmt jährlich um die 170.000 Flüchtlinge überwiegend aus dem Mittelmeerraum auf. Ich will hier nicht auch noch irgendwelche Ukrainer zwischen die Füssen rennen haben, sollen die Polen und Ungarn gucken, wie sie mit denen klar kommen. Unser Boot ist voll.

Darauf wird es hinauslaufen, richtig ist das nicht.

Die Flüchtlinge 2015/16 sind Folge der Dominoreihe, die mit Saddam Hussein zum Kippen gebracht worden ist. Im Grunde ist auch der Ukraine-Konflikt noch Folge dieses Großmachtsgebarens. Damals schied sich Europa in ein „altes Europa von der Venus“ und ein „neues Europa vom Mars“. Letztere fanden den Krieg geil. Die USA hatten vor, den Irak aufzuteilen in ein Trizonesien: Die Engländer kennen sich aus mit Meer, die sollen die Mittelmeerküste kriegen; wir Amis kriegen selbstredend Bagdad und das Ölministerium, und Kurdisch-Irak, na, das könnte doch Erdogan übernehmen. Woraufhin Günter Verheugen sagte: Wenn die Türkei das macht, dann können die sich einen EU-Beitritt von der Backe putzen. (Damals war das noch eine Drohung.) Woraufhin die Türkei absprang und die Osteuropäer schrien! Hier! Hier! Wir können Kurdisch-Irak managen!

Als dann der Konflikt in Form der Flüchtlinge nach Europa zurückkam, da haben z.B. die Balten zu ihrer Verantwortung gestanden, die Verhandlungsposition von Merkel bestärkt und ihr Flüchtlingskontingent übernommen. (Legt mich nicht fest, für Lettland waren das 200 oder so.) Polen hat darauf bestanden, daß die geltende Regelung in Kraft bleibt und nur die Anrainerstaaten zuständig sind. Das wären jetzt sie.

Wir haben unsere Pflicht erst mal erfüllt, Polen und Ungarn noch nicht. Sollen sie erst mal so viele Ukrainer aufnehmen, wie sie Syrer hätten 2015/16 aufnehmen sollen, dann sehen wir weiter. Und, hey, das sind Christen! Und weiß sind sie auch noch!

Für mich ist vorläufig Schwamm drüber. Wenn wir das nächste Mal verhandeln über Flüchtlinge in Griechenland,
ist die Diskussionslage hoffentlich eine andere.

Aber. Die Gelegenheit ist verdammt günstig in den nächsten Wochen, und ich bin gespannt, ob Frau Baerbock das anzetteln wird oder Griechenland muß, Dublin endlich zu kippen zugunsten eines solidarischen Verteilers.
 
Mein Post musste sich, zugegeben, so lesen, als sei er gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aus der Ukraine in Deutschland gewesen. Er ging aber nicht gegen Flüchtlinge, er ging gegen die Flüchtlingspolitik der Polen und Ungarn bis dahin. Die schlicht sich geweigert hatten bis dahin, auch nur einen einzigen Flüchtling aufzunehmen aus dem Mitterneerraum, und die die antisemitisch grundierten Verschwörungserzählungen wieder aufwärmten, festgemacht und personifiziert am „Börsenjuden“ George Soros, es ginge in Wahrheit um Machenschaften, die Europäer zu umvolken und Europa insgesamt zu islamisieren.

„2015 darf sich nicht wiederholen“, so das jahrelange Mantra. Nun, 2015 wiederholt sich nicht. Jetzt schon sind, nach gerade mal drei Wochen, über 160.000 Flüchtlinge in Deutschland registriert. Das hier ist weit, weit größer als 2015. 2015 war nur eine Übung.

Polen hat rund zehn mal so viele Flüchtlinge aufgenommen bislang wie Deutschland. Hätten sie sie, wie 2015/16 geschehen, einfach nach Deutschland durchgewunken, unsere Demokratie wäre beendet gewesen. Hätten wir jetzt schon zwei Millionen Flüchtlinge, also doppelt so viel wie insgesamt 2015/16, und zwar nur, weil sich die Polen verweigern und die Ungarn Zäune bauen, die Tage bis zur Kanzlerschaft Bernd Höckes wären abzählbar gewesen. Dagegen ging mein Post. Polen und Ungarn haben sich dieses Mal nicht gedrückt, ihren Anteil zur Solidarität beizutragen. Das ist ihnen hoch anzurechnen. (Bei allen rassistischen Begleiterscheinungen gegenüber schwarzafrikanischen Studenten und arabisch-, kurdisch-usw.-stämmigen Flüchtlingen, die im Mittelmeerraum keine Perspektive mehr für sich sahen und früh die sich neu auftuende Gelegenheit genützt haben. Worüber inzwischen nicht nur afrikanische Medien berichten, das ist inzwischen auch bei unseren Leitmedien angekommen.)


Der Grundunterschied zu 2015/16 ist: Diesmal sind wir die Anrainer.

Bedeutet zum einem: Es werden viel, viel mehr kommen. Wir erinnern uns: Die Türkei hatte damals um die drei Millionen Menschen aufgenommen, vielleicht mehr, vielleicht gar vier.

Bedeutet zum zweiten aber auch: Es kommen ganz andere Menschen. 15/16 haben wir die Nachhut abgegriffen bzw. eine Vorhut: Viele junge Männer waren überrepräsentiert, zwischen 20 und 30 Jahren, meist alleinstehend. Vorhut derer, die fliehen mussten, erst einmal am Mittelmeer verblieben, oft mit der Hoffnung, möglichst schnell wieder zurückkehren zu können in die Heimat, und die nun die Jungen und Starken vorschickten: Versucht, euch irgendwie durchzuschlagen nach Europa und uns bestenfalls nachzuholen; zumindest aber könnt Ihr versuchen, dort Geld zu machen und uns dann bitte welches zu schicken. Dieses Mal sind es hauptsächlich Familien, sogar unterdurchschnittlich Männer, wenn, dann älteren Jahrgangs; die Jungen bleiben in der Ukraine, viele sogar freiwillig, und gehen in den Krieg.

Zum dritten gilt zumindest für die, die jetzt schon hier sind, für die erste Welle: Die haben noch gar keinen Krieg gesehen. Die sind noch nicht traumatisiert. Viele haben sogar Haustiere mit auf die Flucht genommen!, Hunde in Flüchtlingsunterkünften, das habe ich auch noch nicht gesehen. Heißt aber auch: Die kommen aus dem Frieden. Krass ausgedrückt: Wer einmal in die Gewehrläufe des IS gesehen hat oder in die der Schergen Assads, der hat ja keinen Respekt mehr vor einem deutschen Polizisten.

Ich denke – Ich hoffe, daß diese Momente ausschlaggebender ist für deren auffällig andere, höhere Akzeptanz, als Hautfarbe und Religion. Das sind Flüchtlinge, wie wir sie uns schon 2015/16 gewünscht hätten.


Hätte Orban noch einmal versucht, uns so übel zu linken wie 2015/16, wir hätten die Flüchtlinge aufhalten müssen an der ungarisch-deutschen Grenze. Damals konnte Frau Merkel noch hoffen und uns vermitteln: Wir Deutschen sind nun mal die volkswirtschaftlich Stärksten in Europa und springen darum ein, treten in Vorleistung und leisten Nothilfe; mit der Zeit schon werden wir in geduldigen Gesprächen die anderen Europäer überzeugen, in ein gesamteuropäisches Solidarsystem überzugehen, eine faire und für jeden zu verkraftende Verteilung der Flüchtlinge auf Gesamtwesteuropa. Heute wissen wir: Wir haben sie nicht überzeugt, wir würden sie nicht überzeugen.
Ich muss gerade kotzen.
 
Das sind Flüchtlinge, wie wir sie uns schon 2015/16 gewünscht hätten.
Wir können uns nun mal nicht aussuchen, wer es bis zu uns schafft, und wer berechtigt in Not unsere Hilfe und Solidarität in Anspruch nimmt. Hätten wir es uns aussuchen können, wären es schon 2015/16 lieber Menschen gewesen wie die, die jetzt kommen. Natürlich. Ich erinnnere mich: In einer Flüchtlingsunterkunft war einer aus Syrien: Kerl wie ein Baum. Laut. Wirr. Hat zusehen müssen, wie vor seinen Augen Vater und Bruder erschossen worden waren. Völlig durch den Wind. Hatte einen Hals auf einen bestimmten Hausmeister und drohte wiederholt, wenn er ihn das nächste mal sähe, würde er ihn töten. Lachend. Ob er das ernst meinte, wird er selber nicht gewußt haben. Was wir allerdings wußten, war, daß er regelmäßig seine Frau verprügelt hat. Selbstverständlich. So einen will niemand hier haben. Genauso selbstverständlich: Genau er, und gerade er gehört hier aber hin. Wird nie wieder Fuß fassen, wenn nicht hier.
 
Ich habe da einen weiteren Begriff angelegt. Spanien und Italien sind keine Anrainer. Unmittelbare Anrainer sind wir auch nicht; wir könnten uns auf Dublin berufen. Aber wir sind sehr nahe dran und mitgehangen.

Klar gibt es keine deutsch-ungarische Grenze, das wäre genau auseinandergenommen die deutsch-österreichische.
 
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