AW: Geschäftsreise - Haussegen schief?
aylin, du scheinst ja einen modus vivendi mit deinem partner gefunden zu haben, was die gegenseitigen einschränkungen angeht.
aber das kann man sich nicht leisten, wenn man einen anspruchsvollen job hat, der auch auslandsreisen mit sich bringt.
und es ist keine erungenschaft. sich gegenseitig, größt möglich einzuschränken. ganz im gegenteil.
also ich leiste mir gerade sogar einen Master-Abschluss, weil man ungebildeter Freund mich dazu ermutigt hat. Sonst hätte ich es nicht gemacht. Den anspruchsvollen Job habe ich auch. Wenn irgendwann die Dienstreisen dazu kommen, dann wird es schwierig. Und ich kann ihn absolut verstehen, dass er ein Problem damit haben wird. Denn wer sehr viel Zeit für einen anspruchsvollen Job opfert, der läuft auch immer Gefahr, seine Beziehung aus den Augen zu verlieren.
Wichtig ist, dass man die Bedürfnisse des anderen kennt und sie verstehen will. Dann kriegt man diese Probleme auch in den Griff und findet Mittelwege.
die frage ist, wie immer, was erwartet man/frau sich vom leben... will man wirklich ein leben mit einem ungelernten supermarktverkäufer? und sich von ihm auch noch einschränken lassen, sich phantasereien, über hotels und restaurants antun?
oder will man einen partner auf gleicher augenhöhe, der weiß, worauf es im leben ankommt, mit dem man in urlaub fahren kann, die welt entdecken und sich gegenseitig befördern, statt einschränken...
naja, schön schwarz weiß beschrieben :roll:
willst du den Supermarktmacker, der dich zuhause einsperrt und einen Knacks hat oder den tollen, intelligenten, weltoffenen Mann, der deinen Horizont bereichert und dir die Welt zu Füßen legt....ja ne is klar.
Meine Freundin erzählt bis heute noch, was sie für wertvolle Gespräche mit diesem Supermarktverkäufer geführt hat. Andere Sichtweisen, andere Lebensweisen, können die eigene auch bereichern. Wenn man sich dafür öffnet.
Mit dem einen fahre ich in den Kultururlaub nach Istanbul. Der andere zeigt mir das wahre Leben in Istanbul. Mit allen Ecken und Kanten. Und wenn ich andere Länder sehen will, dann muss ich meinen Freund nur dazu ermutigen. Das ist das wichtige. Dass beide sich auf die Bedürfnisse des anderen einlassen. Und das muss auf Gegenseitigkeit beruhen. Also muss es auch für mich selbst gelten.
Wer gibt mir das Recht zu beurteilen worauf es im Leben tatsächlich ankommt. Vielleicht würde ich mit einem Mann "auf meiner Augenhöhe" ne Menge Geld verdienen und die Welt entdecken. Aber das, was mir mein Freund über Familie und Freundschaft erzählt hat, das ist mindestens genauso wertvoll. Und wie er mir gezeigt hat, den moment zu genießen. Auch mal unvernünftig zu sein und nicht immer alles zu analysieren. Den Gefühlen freien Lauf zu lassen...
und wie wunderbar der Moment war, als er ein Buch, dass ich ihm geschenkt hatte, durchgelesen hatte - das erste in seinem Leben. Und er mich mit leuchtenden Augen ansieht und mir seine ganz eigene Interpretation der Geschichte offenbart. Das war nicht die Analyse, die ich aus der Schule kannte. Das waren die Worte von jemanden, der seine Erfahrung durch einfaches Leben gewonnen hat. Und diese Sichtweise war für mich wertvoller als viele Schuljahre zusammen genommen. Und wenn wir in ein neues, exotisches Restaurant gehen, er seine Vorbehalte hat, aber mir zuliebe mitkommt. Und dann ist er plötzlich begeistert. Und unendlich dankbar, dass ich ihm das gezeigt habe. In so einer Beziehung können beide seiten ihren Horizont erweitern. Und man kann sich auch gegenseitig befördern, wenn beide bereit dazu sind. Was mir ein Mann auf Augenhöhe zeigen kann, dass kann ich auch alles selbst entdecken. was mein freund mir für neue Sichtweisen geschenkt hat, das hätte mir das wertvollste Buch, geschweige denn der gebildetste Mann, nicht vermitteln können.
...wenn ich das so betrachte, muss ich sagen: ja, ich glaube ich habe meinen modus vivendi gefunden.... nicht was das gegenseitige sich einschränken betrifft. Sondern was das gegenseitige sich befördern betrifft.