AW: Hallo Kleine...
Zitat von yildizlar:
jetzt schhauen wir uns doch einmal diesen thread an...
wir sind völlig vom thema abgekommen. schade eigentlich, da ich mit anregenden beiträgen gerechnet hatte; speziell für meine ekstase...
na na yildizlar, so schlimm kann es noch nicht gewesen sein, sonst waeren wir wohl schon laengst verschoben oder geschlossen worden. aber ich arbeite daran...
schade faende ich es nur, wenn sich nalan als initatorin des themas von diesem geplaenkel abschrecken liesse. sollte sie eigentlich nicht, denn mittelbar hat dieses scheinbare durcheinander hier durchaus auch mit ihrem thema zu tun. sie spricht etwa von inner-bonding (siehe auch
http://www.beziehungsheilung.de/Innere%20Kind-Dateien/Innere%20Kind.htm), wobei es sich dabei im grunde auch nur um strukturierungs- und ausrichtungsbemuehungen handelt, wo konsens zwischen verschiedenen tendenzen angestrebt wird, ohne dass sich die eine tendenz auf die hinterbeine stellt und alle anderen unterdrueckt.
des weiteren ist mein "problem" mit bibi sehr verwandt mit meiner grundsaetzlichen skepsis gegen alle moeglichen psycho-ratgeber und therapeuten. (ich glaube, es wurde hier irgendwann auch schon einmal ueber golemans eq-buch gesprochen, das in dieselbe kerbe schlaegt). weisst du, sie alle geben zwar vor, dass jeder anders sei und darum "seinen" weg finden muesse, aber letztendlich muessen sie doch von einem begriff von normalitaet ausgehen, der im grunde beliebig ist.
mar hat an anderer stelle schon einmal ein sehr schoenes bild von schubladen, die ein schrankgeruest stabil zusammenhalten muessen, gebracht. im grunde sind die konstrukte, die man sich baut, voellig beliebig, sozusagen die aufteilung eines ganzen in partitionen oder auch das bild vom ganzen selbst; von bedeutung ist dabei nur, dass sie kompatibel mit der jeweiligen person sind, ihr schrankgeruest zusammenhalten.
erwachsen-werden ist in weiten teilen ein anpassungsprozess, ein versuch, sich veraendernden beduerfnissen und erwartungen sowohl des umfelds als auch der eigenen person gerecht zu werden. so oder so wird man gestutzt und eigentlich ist das ja aus vielerlei hinsicht durchaus sinnvoll. nur sind da eben verschiedene gaertner mit teilweise unterschiedlichen interessen am werk, das urzeitliche kleinhirn, das "moralisch-historische" grosshirn, die eigene geschichte als persoenliche und alle moeglichen gesellschaftsteile als aeussere. das alles als stabiles schrankgeruest unter einen hut zu bringen ist nicht immer einfach. da schnippelt der eine schon einmal etwas weg, das am anderen ende fehlt oder auch umgekehrt.
das ist nur eines von vielen moeglichen bildern. ein anderes, das mir sehr gut gefaellt, ist das von dem abfall und muell, den man im laufe der zeit in sich reinwirft und ansammelt, etwa unfertige unausgegorene gedanken und gefuehle, die man so lange mit sich herumschleppt und vielleicht sogar nach ihnen lebt, bis die gewohnheit sie so festbetoniert hat, dass sie wider besseren wissens weiter praktiziert werden muessen. schlimme geschichte.
das schlimme ist, dass sich dadurch allmaehlich ein teufelskreis ergeben kann: das gefuehl, irgendetwas wuerde nicht stimmen, kann fuer eine verkrampfung sorgen, bei der man umso fester am bekannten und bewaehrten (und also der eigentlichen ursache fuer dieses gefuehl) festhaelt und damit die situation nur noch verfestigt. dabei braeuchte es gerade entkrampfung, eine flexibilitaet, die den knoten allmaehlich aufloest, statt ihn nur fester zu zurren.
solche und aehnliche bilder gibt es so viele, wie es menschen gibt, und fuer jeden ist sein richtiges dabei. weil dem so ist, machen solche phasen, in denen scheinbar gar nichts mehr einen sinn hat, auch durchaus sinn. ich sehe in ihnen eine art renovierungs- und ausbautaetigkeit an dem inneren geruest, das man ueber jahre aufgebaut und angewendet hat und nun einen blick von aussen darauf zu werfen versucht, ob es den anspruechen denn ueberhaupt noch genuegt. dazu muss ich mich aus dem geruest erst einmal hinausbewegen (sinnverlust) und einige in frage kommende alternativen zumindest ueberdenken.
ob dieses modell mit dem inneren kind da greift, haengt meiner ansicht nach ganz davon ab, welches bild man sich von der eigenen kindheit bewahrt hat und ob es hier tatsaechlich handlungsbedarf gibt. den gibt es etwa, wenn ich in irgendeiner weise nicht im reinen bin damit, ich quasi den grundstein, auf dem meine person jetzt gerade steht, als morsch oder irgendwie ungeeignet, falsch erachte. um sich mit solchen fragen erst beschaeftigen zu koennen, braucht es eben diese leere oder unzufriedenheit, die man in solchen phasen empfindet. sie sind gut, sie machen sinn.
mir fallen in diesem zusammenhang uebrigens zwei filme ein, die ich mir in letzter zeit angetan habe: marsch der pinguine ist ein wunderbarer meditationsfilm, der einen sehr schoen ueber solche themen wie kindheit, familie, leben, handeln, naturgewalten usw. zum nachdenken veranlasst. als gegenpart dazu kann ich per anhalter durch die galaxis empfehlen, in dem permanent vor augen gefuehrt wird, wie es zu jedem modell ein uebermodell, zu jeder struktur eine ueber-struktur und der mensch dann doch zuletzt mit all seinen schwaechen und maengeln immer wieder im zentrum von allem steht.
p.s.: wuerdest du bitte etwas naeher auf diese "ekstase" eingehen?