Ist die Republik Türkei mittelbar bedroht?

Ottoman

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Was ist zu sehen? Der letzte mächtige osmanische Herrscher, Abdulhamit Han, ein politisches Genie, der in seinen 33 Regierungsjahren allen Feinden mit großem Erfolg Widerstand geleistet hat..

Mal aus dem Kontext gerissen, sollte man dennoch nicht unerwähnt lassen, dass unter Abdulhamit Han das Osmanische Reich Besitz verlor: Unter seiner Herrschaft verlor das Osmanische Reich die Kontrolle über einen Großteil der europäischen Besitzungen.

Und nicht zu vergessen, knapp ein Jahrzehnt später hat sein Nachfolger Sultan Mehmed das Osmanische Reich an die Großmächte verkauft. Ein Verräter des türkischen Volkes. Kurze Zeit später betrat Atatürk die Bühne und startete von Samsun aus den Widerstand.
 
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Mendelssohn

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Die größte Gefahr besteht darin, dass man sie nicht erkennt.
Jedenfalls glaube ich nicht, daß die Republik Türkei - wie oben mit einer Karikatur von 1908 "historisch" belegt - zur Zeit von Europa bedroht wird. Es ist Erdogan, der die Republik abschaffen will, bevor sie überhaupt Realität geworden ist. Das ist die große Sorge der Vettern (auch der kurdischen), daß die Republik entstehen könnte. An dem Punkt sind sich der AKP Clan und der PKK Clan einig.
 

Mendelssohn

Well-Known Member
Noch etwas: Atatürk hat die Republik Türkei wohl gegründet, doch ihre Realisierung steht noch aus. Eine Republik oder ein Rechtsstaat ist nicht ein Faktum, nicht etwas, das man hat. Der Rechtsstaat ist ein Prozeß, er realisiert sich tagtäglich, seine Existenz ist sein Werden. Jeden Tag muß darum gerungen werden, was Recht ist und was nicht. Dieses öffentliche Ringen ist der Rechtsstaat. Wird die Öffentlichkeit gegängelt oder mundtot gemacht, stirbt das Recht. Dies könnte am Ende auch jene treffen, die das Recht abschaffen wollen, von dem sie immer noch geschützt werden. Allmählich fragt man sich warum eigentlich?
 

Doris

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Jedenfalls glaube ich nicht, daß die Republik Türkei - wie oben mit einer Karikatur von 1908 "historisch" belegt - zur Zeit von Europa bedroht wird. Es ist Erdogan, der die Republik abschaffen will, bevor sie überhaupt Realität geworden ist. Das ist die große Sorge der Vettern (auch der kurdischen), daß die Republik entstehen könnte. An dem Punkt sind sich der AKP Clan und der PKK Clan einig.

Mir scheint, das eine türkische "Dolchstoßlegende" in Vorbereitung ist oder schon verbreitet wird. Besonders auffällig ist, das auch -oder besonders- Türken, die schon in x-ter Generation in Deutschand leben, dafür sehr empfänglich sind.

Wer hat damals den russischen Jet abgeschossen und völlig unmotiviert große Spannungen erzeugt? Ausländische Mächte. Wer hindert ausländishe Reporter an der Arbeit? Ausländische Mächte. Wer schaltet die türkische Presse gleich? Ausländische Mächte. etc.

Besonders perfide ist der Westen, indem er Pressefreiheit in seinen Ländern gewährt und so die Türkei auf Platz 151 abrutschen lässt
 

Ottoman

Well-Known Member
Jedenfalls glaube ich nicht, daß die Republik Türkei - wie oben mit einer Karikatur von 1908 "historisch" belegt - zur Zeit von Europa bedroht wird. Es ist Erdogan, der die Republik abschaffen will, bevor sie überhaupt Realität geworden ist. Das ist die große Sorge der Vettern (auch der kurdischen), daß die Republik entstehen könnte. An dem Punkt sind sich der AKP Clan und der PKK Clan einig.

Die Gefahr von außen, die Türkei hat keine Freunde,... dieses Bild existiert schon sehr lange. Da gab es Erdogan noch nicht. In diversen deutschen Zeitungen konnte man über viele Jahre weg immer wieder von der Paranoia lesen. Natürlich weiß auch RTE, wie er diese Phobie für sich nutzen kann.

Fakt ist, die Türkei ist nicht nur ein geopolitisch wichtiges Land. Eine Einflußnahme gibt und gab meiner Ansicht nach von außen. Wie sie konkret aussieht kann ich nicht sagen. Um aber ein Beispiel zu nenen, der Putsch von 1980

Unterstützung durch NATO und USA
Die These, dass der Putsch von der NATO und den USA unterstützt wurde, stützt sich auf drei Argumente: Im Rahmen der OECD leisteten verschiedene NATO-Länder in den 70er und 80er Jahren eine umfangreiche Militär- und Wirtschaftshilfe an die Türkei. Zwischen 1979 und 1982 brachten die OECD-Länder vier Milliarden Dollar an Wirtschaftshilfe auf.[12] Daneben erhielt die Türkei vor und nach dem Militärputsch umfangreiche Militärhilfen.[13] Ende 1981 wurde ein türkisch-amerikanischer Verteidigungsrat gegründet, mit dem die USA die Stationierung der Spezialeinheit schnelle Eingreiftruppe (Rapid Deployment Force = RDF) besonders in Ostanatolien forcieren wollte. Vor allem aber stützt sich die These auf die Art, wie dem US-Präsidenten Jimmy Carter die Botschaft des Putsches überbracht wurde. In seinem Buch 12 Eylül – Saat 4 (12. September, 4 Uhr) beschreibt Mehmet Ali Birand, dass Paul Henze als Berater des Nationalen Sicherheitsrats in den USA dem Präsidenten Carter die Nachricht von dem Putsch mit den Worten „unsere Jungs (in Ankara) haben es gemacht“ (our boys did it) überbrachte.[14]


Für mich mehr als nur eine Verschwörungstheorie. Ich denke auch, dass Erdogan sein Überleben in erster Linie der EU und der USA zu verdanken hat. Nur haebn sie sich in ihrem Planspiel etwas vertan.
 

Doris

Well-Known Member
http://www.stuttgarter-nachrichten....kei.04a5403a-3d8d-46bc-934d-cd2cffe80c03.html

Wann wird endlich verstanden, dass Gewalt nur Gegengewalt erzeugt? Gegenseitiger Hass und gegenseitige Wut kann nur durch miteinander reden und Verhandlungen abgebaut werden. Die Frage ist auch, warum der Westen weg sieht, wenn seit Monaten Zivilisten in der Türkei bombardiert werden. Gibt es überhaupt noch einen Unterschied zu Assad?
 

Mendelssohn

Well-Known Member
Es gibt verschiedene Unterschiede. Erstens ist die Türkei Nato-Mitglied, woraus folgt, daß auf ihrem Gebiet weder Amerikaner, noch Russen Einsätze fliegen. Zweitens findet der Krieg in der Türkei in der äußersten Provinz statt und die Terroranschläge in den Metropolen sind noch nicht so alltäglich wie im Irak und anderswo, daß man von einem Bürgerkrieg, der das ganze Land überzieht, sprechen könnte. Drittens ist Erdogan immer noch gezwungen, gewisse Verfahren einzuhalten und kann sich nicht auf eine miltärische Hausmacht verlassen. Viertens sitzen zwar viele Regimekritiker im Gefängnis, aber sie werden nicht im Schnellverfahren zum Tode verurteilt und vorher noch bis zur Bewußtlosigkeit gefoltert.
Auch wenn wir mit der Politik Erdogans nicht übereinstimmen, zu Assads Politik ist es noch ein weiter Weg. Und nicht nur deshalb, weil Assad Erdogans Todfeind ist.
 

Skeptiker

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Es gibt verschiedene Unterschiede. Erstens ist die Türkei Nato-Mitglied, woraus folgt, daß auf ihrem Gebiet weder Amerikaner, noch Russen Einsätze fliegen. Zweitens findet der Krieg in der Türkei in der äußersten Provinz statt und die Terroranschläge in den Metropolen sind noch nicht so alltäglich wie im Irak und anderswo, daß man von einem Bürgerkrieg, der das ganze Land überzieht, sprechen könnte. Drittens ist Erdogan immer noch gezwungen, gewisse Verfahren einzuhalten und kann sich nicht auf eine miltärische Hausmacht verlassen. Viertens sitzen zwar viele Regimekritiker im Gefängnis, aber sie werden nicht im Schnellverfahren zum Tode verurteilt und vorher noch bis zur Bewußtlosigkeit gefoltert.
Auch wenn wir mit der Politik Erdogans nicht übereinstimmen, zu Assads Politik ist es noch ein weiter Weg. Und nicht nur deshalb, weil Assad Erdogans Todfeind ist.
Stimmt.......Israel wäre hier der passendere Vergleich, auch wenn die Palästinenser (noch) mehr Freiheiten genießen als die Kurden.....
 

Mendelssohn

Well-Known Member
Stimmt.......Israel wäre hier der passendere Vergleich, auch wenn die Palästinenser (noch) mehr Freiheiten genießen als die Kurden.....
Israel ist nicht in der Nato. :) Im Zweifelsfall, also spätestens, wenn die Ölfelder in ME leergepumpt sind und die Großmächte ihr Interesse an ME verloren haben, muß Israel sich selbst verteidigen.
Die Türkei ist in der besseren Situation.
 
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