Mendelssohn
Well-Known Member
Homogenität ist vielleicht nicht das Patentrezept, um Verfassungspatriotismus durchzusetzen, der ja Diversität aushalten muss. Ganz ehrlich: was die türkische Gesellschaft in Sachen Flüchtlinge aus Afghanistan, Irak, Syrien (und vielen anderen Staaten) schafft - dies trotz der patriarchalischen Korruption auf Staatskosten - ist enorm. Ich wüsste kein Land in Europa, das so viel Orient toleriert, ohne dass der gesellschaftliche Konsens bricht. Selbst in Deutschland waren es in der Hauptsache Türken, die den syrischen Flüchtlingen praktische Lebenshilfe boten und sie in ihren Quartieren aufnahmen. Auch hier haben die Moscheen geholfen und eine gewisse Grundakzeptanz fürs Arabische gestiftet, was ja nicht so einfach war mit Blick auf die libanesische Halbwelt. Auch wurde den Türken zugemutet, die Roma, die auch im Ruhrgebiet nirgends wohlgelitten sind, in ihre Wohnviertel zu integrieren. Man beklagt sich zwar über die im Taschendiebstahl spezialisierten "langen Röcke", aber man lebt mit ihnen, erkennt Unterschiede und auch manches Vorurteil.Right, but ich habe mich damit abgefunden, dass es hier der Orient ist, also schwer kompatibel mit dem Westen ist, jetzt nicht um es zu deklassieren.
Der Fluss der Patriarchen wird hier nicht abreißen, als das eine homogene Gesellschaftsform entstehen könnte und zu alldem ist das Land durch die Flüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan, die ihre Gebräuche mitbringen überflutet. Auf der Straße kommt man um das arabische nicht umhin, sicher sie mögen Hilfsbedürftige sein, aber dem gesellschaftlichen Wandel kommen sie mit ihren archaischen Gebräuche nicht zugute, sondern sie vervollständigen das Orientalische.
Die Türkei steht im Okzident, historisch, politisch, militärisch. Zugleich ist sie seit dem 15. Jahrhundert die Pforte zum Orient. Aber nicht mehr. Allein aus dem Grund scheitert das AKP-Programm. Die Re-Orientalisierung der Türkei ist a-historisch.Man kann auch aus Ägypten kein Pharaonenreich oder aus Deutschland ein Kaiserreich mehr machen. Gone is gone. Erdogan kann den Lauf der Geschichte jedenfalls nicht anhalten.
